Kunsthaus wollte für Auktion werben Facebook zensiert Meisterwerk „Women Lovers“

Von Barbara Barkhausen

Das Ölgemälde „Women Lovers“ (Ausschnitt) stammt von einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Australiens. Das betroffene Gemälde soll für etliche Zehntausende den Besitzer wechseln. Facebook zensierte das Bild in der Werbung des Auktionshauses. Bild: Charles Blackman, ca. 1980/Facebook, MossgreenDas Ölgemälde „Women Lovers“ (Ausschnitt) stammt von einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Australiens. Das betroffene Gemälde soll für etliche Zehntausende den Besitzer wechseln. Facebook zensierte das Bild in der Werbung des Auktionshauses. Bild: Charles Blackman, ca. 1980/Facebook, Mossgreen

Sydney. Facebook hat die Werbung eines Auktionshauses in Melbourne zensiert, weil ein australisches Gemälde zwei nackte Frauen auf einem Bett zeigt. Für den Geschäftsführer des Kunsthauses ist es ein klassischer Fall von „fehlgeleiteter politischer Korrektheit“.

Nacktheit wird bei Facebook ungerne gesehen, das steht groß und deutlich im Regelwerk des Netzwerkes. Doch dass sich die strengen Regeln auch auf ein Gemälde beziehen, das als eines der australischen Meisterwerke gilt, überraschte ein Auktionshaus nun doch.

Kunstwerk zeigt „Erwachseneninhalt“

Das Kunsthaus Mossgreen in Melbourne wollte mit dem Kunstwerk „Women Lovers“ für eine anstehende Auktion werben . Das Gemälde ist eines der Meisterwerke des australischen Künstlers Charles Blackman, der einzige noch lebende Künstler einer Gruppe namhafter Maler, zu denen auch Arthur Boyd, Sidney Nolan und Albert Tucker gehörten. Der heute 88-Jährige gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler Australiens. Das betroffene Gemälde soll für etliche Zehntausende den Besitzer wechseln.

Entblößte Brust mit Katze

Das Bild zeigt zwei junge, nackte Frauen, die auf einem Bett ruhen. Die eine liegt auf dem Bauch, die andere auf dem Rücken, eine Brust ist entblößt. Neben den Frauen liegen eine schwarze Katze, Äpfel und Weintrauben. Für Facebook war dies jedoch zu viel sexuelle Referenz, das Netzwerk lehnte eine Werbung mit dem Bild, mit der das Kunsthaus eine anstehende Auktion über sein Netzwerk hinaus bewerben wollte, kurzerhand ab. Facebook verwies auf seine Regeln, nach denen Werbungen keinen sogenannten „Erwachseneninhalt“ beinhalten dürfen.

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Dazu gehören laut dem Unternehmen Nacktheit, die Darstellung von Menschen in expliziten oder suggestiven Positionen oder Aktivitäten, die übertrieben suggestiv oder sexuell provokativ sind. Dazu gehören bereits Bilder, die nur teilweise nackte Menschen zeigen, oder die eine sexuelle Handlung andeuten, also zum Beispiel eine in eine Banane beißende Frau zeigen.

Nackte Männer werden nicht zensiert

Bekannte Kunstwerke sind in den Facebook-Beispielen bisher allerdings nicht enthalten. Das Auktionshaus Mossgreen kann deswegen die Zensur des Kunstwerkes auch nicht nachvollziehen. Im Interview bezeichnete Mossgreen-Geschäftsführer Paul Sumner den Bann des Meisterwerkes als „fehlgeleitete politische Korrektheit“.

Er habe das Gefühl, dass Facebook noch in den 50er-Jahren lebe, sagte der Kunstexperte, und nicht im 21. Jahrhundert angekommen sei. „Was sagen wir Kindern damit?“, fragte er. „Dass sie alle möglichen entsetzlichen Dinge anschauen dürfen, aber nicht den nackten Körper einer Frau?“ Nackte Oberkörper von Männern seien bisher nämlich nicht zensiert werden, merkte der Kunstexperte an.

Auch Facebooknutzer reagierten verärgert über die Entscheidung des Netzwerkes. „Es ist ein wunderschönes Gemälde voller Zärtlichkeit und Wärme“, schrieb Camilla Bertocchi. „Ich kann nicht verstehen, wie irgendjemand dieses Gemälde als nicht angebracht für eine Werbung ansehen könnte.“ Peter Sansom dagegen ärgerte sich über die scheinbare Doppelmoral. „Facebook gibt unzähligen anrüchigen Hassgruppen eine Plattform, erregt sich aber über Kunst“, schrieb er.

Künstler leidet an Demenz

Der Künstler selbst weiß laut Sumner nichts von dem „Skandal“, den sein Bild ausgelöst hat. Charles Blackman leidet an Demenz und wird in Sydney gepflegt. „Er hätte sich aber sicher darüber amüsiert“, glaubt der Kunstexperte, der nach der Werbeabsage von Facebook nun zumindest die Seite seines Auktionshauses mit Fotos des Bildes „ausgekleidet“ hat.

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Einen vergleichbaren Affront gab es 2011 übrigens schon mal in Frankreich. Damals war das Facebookprofil eines Lehrers gesperrt worden, weil er ein Bild des französischen Malers Gustave Courbet hochgeladen hatte. Darauf war der Unterkörper einer nackten Frau mit gespreizten Schenkeln zu sehen. 2016 urteilte ein französisches Gericht, dass der Lehrer das Netzwerk wegen der Sperrung seines Profils auf Schadensersatz verklagen dürfte.


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