Ausstellung im Theatermuseum Hannover Dieter Borsche : Ein deutscher Filmstar der 50er

Von Joachim Göres

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Das Archivbild 1963 zeigt den Schauspieler Dieter Borsche als Papst Pius XII. während der Uraufführung des Stücks „Der Stellvertreter“. Foto: dpaDas Archivbild 1963 zeigt den Schauspieler Dieter Borsche als Papst Pius XII. während der Uraufführung des Stücks „Der Stellvertreter“. Foto: dpa

Hannover. Er war in den 50er Jahren einer der beliebtesten deutschen Filmstars: Dieter Borsche. Heutzutage ist er vielen Älteren als Teil des Traumpaares mit Maria Schell in Erinnerung. Das Theatermuseum Hannover widmet ab Donnerstag, den 2. März, Borsche erstmals eine Ausstellung – und macht dabei auch auf wenig bekannte Seiten des Schauspielers aufmerksam.

Dieter Borsche wird 1909 in Hannover als Sohn einer Oratoriensängerin und eines Kapellmeisters geboren. Das Gymnasium bricht Borsche ab, um Unterricht bei der renommierten Tänzerin Yvonne Georgi zu nehmen. Die Ausstellung zeigt Fotos von Borsche als Balletttänzer an der Städtischen Oper Hannover, dazu Programme und Zeitungsrezensionen. Der Volkswille Hannover schreibt 1932 über Borsche und seine Partnerin Gisela Jelmke im „Kaukasischen Hochzeitstanz“: „Langsame Bewegung aus der Stille, ein Reigen aus der Verhaltenheit und Hingabe, schlicht in einigen Kreisen gezogen. Eindruck: Hier wächst ein Tänzerpaar auf.“

Bambi für Borsche

Langsame Bewegungen, Verhaltenheit und Hingabe – so präsentiert sich Borsche in den Kinofilmen der Nachkriegszeit. Gedämpfte Emotionen, selten lautes Lachen, sanfte Gesten, weiche Stimme, blendende Manieren, selten ironisch oder witzig, aufrecht und bescheiden, zurückhaltender Minimalismus im Spiel – so charakterisiert der Regisseur Dominik Graf im Buch „Das Kino der jungen Bundesrepublik 1949-1963“ Borsche. Damit ist er die ideale Verkörperung des in den 50er Jahren gefragten unbescholtenen Helden, als Kaplan (Die Nachtwache), Prinz (Königliche Hoheit), Arzt (Dr. Holl) oder Offizier (Es kommt ein Tag). Der Lohn sind zwei in der Ausstellung neben vielen Programmheften präsentierte Bambis, die ihm 1951 und 1952 als beliebtestem deutschen Filmschauspieler verliehen werden.

Charakterdarsteller

Nur vage angedeutet wird im Theatermuseum, dass Borsche auch noch ganz andere Seiten hatte. Da ist Borsche auf einem Filmprogramm-Titelbild an der Seite von Marika Rökk am Saxophon (Nachts im grünen Kakadu) oder mit gezückter Pistole (Das Phantom von Soho) zu sehen – er macht in den 60ern Karriere als dämonischer Schurke. Keine Erwähnung findet, dass Borsche ab 1963 zu einem der wichtigsten Charakterdarsteller auf deutschen Bühnen wird. Er spielt Hauptrollen in Uraufführungen mit aktuellem politischen Bezug wie „In der Sache J. Robert Oppenheimer“. Im „Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth tritt Borsche als Pius XII. auf, der angesichts der Judenverfolgung als Papst versagt. In „Die Ermittlung“ von Peter Weiss über den Auschwitz-Prozess verkörpert Borsche einen Richter, der kühl nach der Wahrheit forscht. „Das Theater hat heute neben dem Unterhaltungswert auch subpolitische Funktionen. Das ist sehr begrüßenswert“, sagt Borsche 1967 in einem Interview der Deutschen Welle.

Wandlungsfähig

Eine kleine Kabinettausstellung über einen manchmal unterschätzten Schauspieler, dem trotz seiner Wandlungsfähigkeit etwas preußisch Steifes anhaftete – nicht zuletzt wegen des Muskelschwunds, unter dem er bereits in jungen Jahren litt. „Borsche hätte eine größere Ausstellung verdient gehabt“, sagt Museumsleiter Carsten Niemann.


Die Ausstellung zu Dieter Borsche läuft im Theatermuseum (im Schauspielhaus Hannover, Prinzenstr. 9) parallel zur Hauptausstellung „Kurt Schwitters und die Städtischen Bühnen Hannover“ bis zum 21. Mai, dienstags bis freitags sowie sonntags, um 14 - 19.30 Uhr.

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