„Alles muss glänzen“ in Berlin Maria Furtwängler: Hausfrau statt Kommisssarin

Von dpa

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Berlin. Von wegen toughe TV-Kommissarin: Als Heimchen am Herd stand Schauspielerin Maria Furtwängler am 25. Februar 2017 erstmals in einer Hauptrolle vor Berliner Theaterpublikum. Wie hat sie sich geschlagen?

Die ersten klatschen schon, da hat Maria Furtwängler noch kein Wort gesagt. Rotes Kleidchen, rote Pumps, weiße Schürze - so tänzelt sie als Rebecca durch ihr Reich . Ihre Küche. Hier stellt sich die Hausfrau einer bevorstehenden Sintflut entgegen, indem sie mit Engelsgeduld eine Flunder zubereitet und Martinis ausschenkt. Nicht nur die Protagonistin, auch das Publikum ist am Samstagabend im Theater am Kurfürstendamm hochrangig besetzt: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist gekommen. Händeschütteln mit Furtwänglers Ehemann, dem Verleger Hubert Burda (77). Im Blitzlichtgewitter stehen zudem etliche Schauspielerkollegen Furtwänglers, unter anderem Dominic Raacke.

Erste Hauptrolle am Theater

Für die 50-jährige Furtwängler ist der Auftritt in „Alles muss glänzen“ von US-Autor Noah Haidle nach jahrelanger TV-Erfahrung die erste Hauptrolle im Theater. Ihr Bühnendebüt hatte sie 2013 am selben Ort gegeben, ebenfalls in einer Komödie. Hausfrau Rebecca bringt ihr nun erneut Abstand von der TV-Paraderolle, der abgeklärten Hannoveraner „Tatort“-Kommissarin Charlotte Lindholm . Rebecca zu sein, das heißt: von wegen Karriere. Es sind die 50er, 60er Jahre in den Vereinigten Staaten. An der Oberfläche dreht sich alles um die aus den Fugen geratende Existenz Rebeccas (laut Regieanweisung „Ende 40, sieht aber jünger aus“). Vor dem Fenster unaufhörlicher Regen, während sich in der Küche Szene für Szene neue Dramen um einen kleinen Kreis von Nebendarstellern entfalten. Einen kurzen, aber starken Auftritt hat etwa Anna Stieblich („Türkisch für Anfänger“).

Illusion vom trauten Heim

Auf weiteren Ebenen, die im Bühnen-Klamauk manchmal unterzugehen drohen, geht es um die Illusion vom trauten Heim, um Pflichtgefühl und die menschliche Fähigkeit, selbst existenzielle Bedrohungen auszublenden - um immer weiterzumachen. Haidle spielt dabei mit biblischen Figuren und deren Schicksalen. Für seine surrealen Einfälle ist am Ku’damm vor allem zu Anfang und Ende Platz: Da fliegen die Fische. Sonst setzt Regisseur Ilan Ronen wenig auf große Effekte, die der Stoff durchaus hergäbe. Oft makaber, teils mit etwas zu viel Slapstick inszeniert, sorgt die Aufführung für einige Lacher. Das Kammerspiel hat aber doch seine Längen.

Sie bügelt und wischt

Furtwängler tanzt und lächelt , sie bügelt und wischt. Ein Moment, in dem Rebecca ausbricht, ist der, in dem sie sich als Fürsprecherin aller Hausfrauen direkt an das Publikum wendet. Mit einem Mikrofon. Zum wohlwollenden Schlussapplaus wirkt die Schauspielerin etwas abgekämpft und schmal, sie trägt nur noch ein dünnes weißes Nachthemd. Erst nach ein paar Minuten scheint die Freude überhand zu gewinnen, Furtwängler hüpft mädchenhaft auf der Stelle. Das anfangs makellose Äußere hat in der Sintflut jedenfalls gelitten. Über Furtwänglers Wangen ziehen sich dicke schwarze Schlieren.


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