Museum und öffentlicher Raum So funktioniert moderne Kunst: Kunst und ihre Orte



Osnabrück. „So funktioniert moderne Kunst“: In unserer Serie zu Documenta und Skulptur Projekten fragen wir heute nach dem Ort der Kunst.

Frankfurter Städel. Ein pompöser Kasten voll kostbarer Kunst. In den Räumen leuchten die schönsten Bilder von Claude Monet. Besucher drängen durch die Säle. Aber was ist mit jenen Bildern, die ein paar Stockwerke tiefer im dunklen Depot lagern? Sie bleiben, anders als die Monets, unsichtbar. Aber auch die Meisterwerke des Übervaters der Impressionisten werden bald wieder per Flugzeug reisen, heim zu ihren eigentlichen Standorten oder unterwegs zum nächsten Auftritt in einer neuen Ausstellung. Gefragte Kunstwerke jetten wie Rockstars um die Erde. Zum nächsten Museum. Oder zur Auktion. Dann sind sie keine bestaunten Museumsstücke mehr, sondern teure Handelsware. Hier weiterlesen: Kunst schreibt die Agenda der Gegenwart.

Von Depot bis Zollfreilager

Kunst hängt im Museum. Nichts scheint ausgemachter zu sein. Und doch wechseln Kunstwerke ihren Ort und damit auch Wert und Bedeutung. Ob Museum, Depot, Galerie oder Zollfreilager - keiner dieser Orte ist nur ein neutraler Aufbewahrungsort. Orte entscheiden darüber, ob Kunst überhaupt sichtbar wird, wer mit ihr umgehen kann, sie entscheiden über Prestige und Preise. Orte wie der von Fachleuten viel beschworene White Cube, der scheinbar neutrale, weil weiße Ausstellungsraum, stellen Kunst sogar mit her - so sehr prägt ihre Aura die Wahrnehmung dessen, was in ihnen zu sehen ist. Hier weiterlesen: Das Konzept der Skulptur Projekte - Kuratorin Marianne Wagner im Interview.

Ein ganzer Berg als Lichtkunstwerk

Dabei haben Kunst und Künstler ihre vermeintlich angestammten Orte längst verlassen. Christo installierte seine safrangelben Stege im italienischen Iseo-See, Olafur Eliasson in New York seine künstlichen Wasserfälle. James Turrell verwandelt mit dem Roden Crater, einem erloschenen Vulkan im amerikanischen Arizona, einen ganzen Berg in ein Lichtkunstwerk. Die Orte der Kunst liegen bisweilen weitab vom eigentlichen Kunstbetrieb. Gerade die Klassiker der Land Art haben das Verhältnis von Kunst und Ort völlig neu definiert - indem sie mit gewaltigen Kunstwerken Niemandsland überhaupt in einen Ort verwandelten. Hier weiterlesen: Kunstformat in Münster - was sind eigentlich die Skulptur-Projekte?

Billardkugeln am Aasee

Wo gehört die Kunst hin? Inzwischen buchstäblich überall. Ausstellungsmacher definieren das Verhältnis von Kunst und ihrem Ort permanent neu, indem sie jene Kunst favorisieren, die sie ortsspezifisch nennen. Die Skulptur Projekte in Münster liefern immer neue Beispiele dafür. Claes Oldenburg etwa platzierte riesige Billardkugeln aus Beton am Aasee. Joseph Beuys formte seine Skulptur „Unschlitt/Tallow“ nach den Umrissen einer Unterführung. Ein viel diskutiertes Beispiel lieferte der Bildhauer Gregor Schneider, der sein Elternhaus in Mönchengladbach-Rheydt mit Einbauten in eine einzige Skulptur „Totes Haus u r“ verwandelt hat. Kunst hat nicht nur einen Ort, sie markiert Orte. Hier weiterlesen: Genre der Kunst - was ist eigentlich eine Installation?

Öffentlicher Raum im Blick

Und die liegen inzwischen überall im öffentlichen Raum. Öffentlicher Raum wird längst nicht nur mit Kunst ausgestattet. Kunst stellt ihn selbst zur Diskussion. Kuratoren und Künstler sprechen von Interventionen in den Raum, wenn sie eine Kunst ansprechen, die sich mit herkömmlichem Werkbegriff nicht mehr fassen lässt. Indem sie sich an alle denkbaren Orte adressiert, macht Kunst klar, dass sie sich nicht einen Ort sucht, sondern Orte zur Erscheinung bringt - als Kreuzungspunkte von Kunst, Leben, Politik. Hier weiterlesen: Das Auge des Medienzeitalters - Gerhard Richter wird 85 .


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