zuletzt aktualisiert vor

Faszination aus Fernost

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der Saal ist in Dämmerlicht getaucht. Auf den schweren, schwarzen Vorhang projeziert, glüht die rote Sonne der japanischen Nationalflagge. Durch das Dunkel leuchtet rechts und links der Bühne effektvoll das Grün einiger großer Bambusstauden. Weiße Banner mit schwarzen Schriftzeichen hängen elegant von der Decke bis auf den Boden. Und in der Luft schweben anfangs vibrierende, dann zunehmend dominierendere Rhythmen. Der markante Klang japanischer Trommeln (Taiko) füllt kraftvoll den Raum.

Taiko aus Osnabrück, das hat Seltenheitswert. Und so erzeugt die Gruppe Wojotaiko - Wolfgang Sparenberg und Josef Hegge - spontane Begeisterung. Im Haus der Jugend eröffneten die beiden Musiker das Samstag-Abend-Programm vom Festival des Neuen Japanischen Films, das alle zwei Jahre für drei Tage aktuelle Trends des Filmgeschehens und klassische Zeremonien jananischer Kultur präsentiert.

Erstmalig in diesem Jahr konnten die Organisatoren Cristina Szasz, Gunnar Kählke und Olaf Perrey neben dem Haus der Jugend als traditionellem Veranstaltungsort mit dem Cinema-Arthouse einen weiteren Aufführungsort präsentieren. Hier waren die farbenprächtigen Produktionen "Sakuran - Wilde Kirschblüte" und "Faces of a Fig Tree" zu bewundern.

Mit zehn Filmen, davon drei deutschen Produktionen und einer Europa-Premiere, zeigte sich das Programm ausgesprochen abwechslungsreich. Neben "Sakuran" bestach "Faces of a Fig Tree", der rätselhafte 53. Film der Regisseurin Kaori Momoi, der sich allerdings einer Analyse nach westlichen Denkmustern verweigerte. Exemplarisch für die melancholische Note der diesjährigen Filme steht die Dramödie "Happily Ever After", die als Europa-Premiere zu sehen war. Die Geschichte um ein unglückliches Paar am Scheideweg fesselte insbesondere durch seine unprätentiöse Darstellung tiefer Emotionen.

Viel Neues präsentierte diesmal das Rahmenprogramm: Neben den musikalischen Darbietungen vor den 20-Uhr-Vorstellungen bot sich nach aufwühlenden Hör- und Seh-Erfahrungen im Shiatsu-Pavillon eine exklusive Gelegenheit, die Sinne zu entspannen. Seit zehn Jahren übt Cordula Töpfer die effektvolle Kunst der Berührung (Shiatsu) in ihrer Praxis in Osnabrück oder im Gerry-Weber-Sportparkhotel aus.

Schön wäre der Besuch beim Kalligraphie-Workshop gewesen, doch der war lange im Vorfeld des Festivals komplett ausgebucht. Und spätestens in diesem Moment drängt sich die Erkenntnis auf, dass das japanische Filmfest in den zwölf Jahren seines Bestehens viel mehr bewirkt hat, als Menschen zum Kinobesuch zu animieren.

Speziell diese sechste Ausgabe des liebenswerten und sehr persönlichen Festivals bewies durch den regen Zuspruch gerade auch auf sein Rahmenprogramm, dass ein nachhaltiges Interesse an japanischer Kultur eingesetzt hat. Nach ehrgeizigem Lernen üben inzwischen die einen Trommel-Techniken, die anderen Berührungskunst selber aus. Wieder andere setzen sich an einem Sonntagnachmittag hin, um konzentriert Kulturerzeugnisse aus dem Land der aufgehenden Sonne kennenzulernen.

Das auch kulinarisch reiche Festival überzeugte letzte Zweifler endgültig durch die Sushi-Bar und den Film zum Sonntags-Frühstück. "Mein Grandpa" präsentierte einen Mann, der getreu der Samurai-Werte lebt, und zeigt nachdrücklich, dass Kinder respektable Vorbilder brauchen - keine Popstars.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN