Frieden, Labor, junges Publikum Nils-Arne Kässens: Konzept für Osnabrücker Museen



Osnabrück. Nils-Arne Kässens, neuer Osnabrücker Museumsleiter, hat sein Konzept vorgestellt. Seine Häuser sollen offener werden. Und das Publikum jünger.

Kurz vor Schluss seiner Präsentation sagt er den Satz, der es in sicht hat. „Man darf nicht immer mit dem moralischen Zeigefinger kommen“, sagt Nils-Arne Kässens zu seinem Umgang mit Felix-Nussbaum-Haus und Kulturgeschichtlichem Museum. Das sitzt. Gerade das Felix-Nussbaum-Haus, in dem das Werk des Osnabrücker Malers und Holocaust-Opfers Felix Nussbaum verwahrt wird, gilt als Herzstück der Osnabrücker Friedenskultur. Jetzt bereitet der neue Leiter einen Kurswechsel vor, der es in sich haben könnte. Das Museum als Gedenkort, als Mahnmal gar - das soll in den Hintergrund treten. Im Zeichen des von Kässens beschworenen „offenen Museums“ ist das Museum als Labor gefragt. Diesen Kurs gab Kässens vor dem Osnabrücker Kulturausschuss am 16. Februar 2017 vor. Hier weiterlesen: Osnabrücker Ausstellungen zum Thema Totentanz.

„Stadtlabor für den Frieden“

„Ich will die Tanker der Osnabrücker Museen endlich auf Kurs bringen“, formulierte Kässens vollmundig. Die zwei Museen mit ihren insgesamt vier Häusern sollten endlich in einem Konzept zusammengefasst und auf diese Weise besser wahrnehmbar sein. Kässens will Museen dabei nicht „als retrospektiven Ort des Sammelns und Bewahrens“ verstanden wissen, sondern sie als „Stadtlabor für den Frieden“ in neuer Weise für das Publikum öffnen. Sein Rezept: Mehr Wechselausstellungen statt statischer Sammlungspräsentation, mehr Themen zu Flucht und Vertreibung statt einer nur an der Biografie Felix Nussbaums orientierten Dauerausstellung. „In den Museen wird aktiv gearbeitet. Und warum soll man nicht auch mal eine Party feiern“, sagte Kässens weiter. Hier weiterlesen: Felix Nussbaum und sein Bild „Triumph desTodes“ .

Neuer „roter Faden“

Für die einzelnen Häuser des Museumsquartiers in der Stadtmitte hat Kässens konkrete Pläne. Im Felix-Nussbaum-Haus will er die Werke Nussbaums mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler zu den Themen Flucht und Identität in Beziehung setzen. Damit soll die permanente Sammlungspräsentation neu bewegt werden. Im Kulturgeschichtlichen Museum will der neue Leiter die Stadtgeschichte neu konzipieren, den Besuchern vor allem einen „roten Faden“ der Erzählung an die Hand geben. Dabei sollen auch die Bürger selbst einbezogen werden. Als „Labor für den Frieden“ ist die Villa Schlikker vorgesehen, wo das Wirken Hans Calmeyers fokussiert werden soll. Kässens will schließlich das Akzisehaus „zum Leuchten bringen“. Als sichtbarster Ort des Museumsquartiers soll das Haus als Ort für Lesungen, Konzerte oder mit Präsentationen als „24-Stunden-Museum“ neu erlebbar sein. Hier weiterlesen: Neuer Direktor für das Felix-Nussbaum-Haus - Nils-Arne Kässens im Interview.

Café in der Villa?

Kässens mahnte für seine Häuser eine „tragfähige Personalstruktur“ an, forderte eine ansprechendere Gestaltung der Außenbereiche rund um die Museen. „Das ist alles nur Transitareal. Ich möchte aber, dass die Leute verweilen“, so Kässens. Gerade dafür aber müsse ein Café eingerichtet werden. Der Museumsleiter nannte dafür die Terrasse der Villa Schlikker als idealen Ort. Das gesamte Museumsquartier soll nach seinen Worten mit einer gemeinsamen Dachmarke neu positioniert werden. „Wir brauchen einen Namen für das Kind“, sagte Kässens. Auf dieser Grundlage könnten ein neues gemeinsames Design und eine aufgefrischte Webseite entworfen werden. Kulturdezernent Wolfgang Beckermann, wie Kässens neu in Osnabrück, versprach dem Museumsleiter „Rückenwind“. Das neue Konzept müsse „mit aller Energie“ angegangen werden, da die Museen ansonsten nicht zukunftsfähig seien. „Das hat aber auch mit finanziellen Dingen zu tun“, sagte der Dezernent vieldeutig. Hier weiterlesen: Osnabrücker Museumszentrum - Agenda für den Neustart.


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