40 Jahre „Emma“ Unselige Allianzen drohen

Der algerische Journalist und Autor Kamel Daoud. Foto: AFPDer algerische Journalist und Autor Kamel Daoud. Foto: AFP

Osnabrück. Unselige Allianzen könnten in Europa den Stand der Gleichberechtigung von Männern und Frauen zurückschrauben. Davor möge der Feminismus bewahren – und die Stimme aller, die ein Klima gesellschaftlicher Geringschätzung von Frauen nicht wieder erleben wollen.

Es ist richtig, worin Alice Schwarzer dem algerischen Autor Kamel Daoud zustimmt: Viele Flüchtlinge müssen noch einmal Tausende Kilometer gehen, um in der Gleichberechtigung der Geschlechter anzukommen. Doch mit dem erstarkenden Rechtspopulismus in Europa und Amerika und seinem rückwärtsgewandten Frauenbild bleiben diesen Flüchtlingen möglicherweise solche Schritte erspart. Forderungen liberaler Gesellschaften verlieren an Verbindlichkeit, wenn sie nicht mehr aus einem Munde, also einem gemeinsamen Wertekanon, kommen. Wer ohnehin Widerstände gegen gleichberechtigte Frauen mitbringt, wird sich solche Ungereimtheiten leicht zunutze machen.

Vor solch unseligen Allianzen bewahre der Feminismus – und nicht nur er: Alle, die nicht in ein Klima gesellschaftlicher Geringschätzung von Frauen zurückfallen wollen, müssten sich auf ihre demokratischen Hinterbeine stellen. Denn es ist gar nicht so lange her: Noch in den 70er-Jahren durften sich junge Frauen Sätze wie den von einem Gymnasiallehrer anhören: „Was strengen Sie sich hier eigentlich so an, Sie werden ja doch nur Hausfrau und Mutter.“


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