Ausblick auf Neuerscheinungen Literaturjahr 2017: Bestseller und Debattenbücher

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Osnabrück. Weitere Romane von Elena Ferrante, Biografien zum Geburtstag von Maria Theresia, neue Bestseller von Auster und Gaarder: Das Bücherjahr 2017 verspricht jede Menge Spannung. Ein Ausblick.

Das Mysterium geht weiter: Wer ist Elena Ferrante wirklich? Die italienische Autorin ist geheimnisumwittert. Journalisten wollen in der Übersetzerin Anita Raja die Person hinter dem Pseudonym erkannt haben. Kulturkritiker debattieren darüber, ob die Identität von Autoren bekannt sein muss. Einstweilen bleibt das Mysterium erhalten. Und es sorgt für einen gigantischen Bucherfolg. „Die Geschichte eines neuen Namens“ heißt es der gerade ausgelieferte zweite Teil der Saga, die der italienische Originalversion bereits komplett erschienen ist. Die Geschichte um die neapolitanischen Freundinnen Lila und Elena, ihre Freuden und Zerwürfnisse, begeistert vor allem Leserinnen. Suhrkamp hat die weiteren zwei Bücher des Vierteilers noch für dieses Jahr angekündigt. Hier weiterlesen: Das Desaster des Krieges - Graphic Novel „Freedom Hospital“.

Das Zeug zum Bestseller: „4321“ zählt der Titel von Paul Austers neuem Roman wie in einem Countdown zum großen Blockbuster-Knall zurück. Landet der US-Autor mit seinem Tausendseiter über vier kunstvoll komponierte Lebensläufe den größten Erfolg seiner Karriere? Rowohlt kündigt für den Februar Austers Hauptwerk an. Ein denkbar großes Thema hat sich auch T.C. Boyle für seine „Terranauten“ (Hanser) vorgenommen. Der gleich zu Jahresbeginn erscheinende Roman erzählt von Forschern, die versuchen, in einem künstlichen Ökosystem neues Leben nachzubilden. Gewohnt tiefgründig wird es bei Jostein Gaarder. Sein neues Buch „Ein treuer Freund“ (Hanser) soll als philosophischer Schelmenroman an den Welterfolg von „Sofies Welt“ anknüpfen. Mit einem großen Buch machte auch Dave Eggers von sich reden. Nach seiner Google-Kritik „The Circle“ kommt im März „Bis an die Grenze“ (Kiepenheuer&Witsch). Hier weiterlesen: „Statt etwas oder Der letzte Rank“ - das neue Buch von Martin Walser .

Autoren deutscher Sprache: Mit „Der goldene Handschuh“, einem ruppig-kunstvollen Buch über den Serienmörder Fritz Honka, landete Heinz Strunk 2015 einen Überraschungserfolg. Jetzt kommt mit „Jürgen“ im März ein neuer Roman Strunks, der laut Rowohlt-Verlag einen „armen Willi“ und seine Beziehungsprobleme in den Mittelpunkt stellt. Liefert Strunk nun die lustige Variante zur monströsen Mördergeschichte des ebenfalls beziehungsgestörten Honka? Auf ganz andere Grenzbereiche des Menschlichen zielt der Österreicher Franzobel mit seinem Roman „Das Floss der Medusa“ (Zsolnay). In dem Buch lotet der Autor die Grenzen von Mitmenschlichkeit und Zivilität aus und nimmt damit auf eine der größten Katastrophen der Seefahrt bezug, die der Maler Théodore Géricault zum Thema seines berühmten Gemäldes machte. Der Göttinger Steidl-Verlag gibt noch zwei Bücher des 2015 verstorbenen Günter Grass heraus. „In letzter Zeit“ enthält ein langes Gespräch mit dem Literaturwissenschaftler Heinrich Detering, die „Artur Knoff-Geschichten“ (beide im März) warten mit weithin unbekannten Texten aus der Frühzeit von Grass auf. Eine literarische Entdeckung? Das bleibt abzuwarten. Hier weiterlesen: 2017 - das Superjahr der bildenden Kunst .

Drei große Leben: Sie hatte sechszehn Kinder und herrschte über ein Riesenreich: Maria Theresia (1717-1780) gilt als Prototyp der Herrscherin. Im Mai 2017 jährt sich ihr Geburtstag zum 300. Mal. Das Leben der österreichischen Kaiserin liefert deshalb neben Martin Luther im Kontext des Reformationsjahres den wichtigsten Gegenstand für neue Biografien. Mit der französischen Philosophin und Feministin Elisabeth Badinter und der Münsteraner Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger kommen im März zwei gewichtige Lebensdarstellungen mit denkbar gegensätzlichem Akzent auf den Markt. Badinter betont in ihrem, bei Hanser erscheinenden Buch die starke Frau in der Kaiserin, Stollberg-Rilinger legt in ihrem fast tausend Seiten starken Epochalwerk (C.H. Beck) den Akzent auf die Technikerin der Macht. Das verspricht starke Thesen für den Vergleich mit jenen Frauen, die heute die Geschicke von Gesellschaften lenken. Wie sehr auch Pop-Stars schnell zu Klassikern avancieren können, belegen die Biografien, die über Prince und Paul McCartney erscheinen werden. Matt Thornes Prince-Darstellung ist für den April bei Edel annonciert, Philip Normans Biografie über den Beatles-Heroen McCartney erscheint im Juni bei Piper - und ist mit 960 Seiten so umfangreich wie Stollberg-Rilingers Buchkoloss zu Maria Theresia. Hier weiterlesen: Wien zeigt große Ausstellung zu Maria Theresia.

Fragen an die Geschichte: Deutsche Geschichte löst seit jeher skeptische Befragungen aus. Das wird auch 2017 so weitergehen. „Was ist deutsch?“, fragt Dieter Borchmeyer mit dem Titel seines im Februar bei Rowohlt erscheinenden Buches. Sein Ziel ist nicht mehr und nicht weniger als eine Geschichte der Suche nach deutscher Identität. Nach Schuld und Verantwortung fragen Götz Aly und Hubertus Knabe. Alys neues Buch „Europa gegen die Juden“ (Fischer) erforscht die Geschichte des Antisemitismus. Knabe fasst mit „Nazis in der DDR“ (Propyläen) ein gleichfalls heikles, weil vielfach verdrängtes Thema an. Beide Darstellungen haben das Zeug zum echten Debatten-Buch. Hier weiterlesen: Der Konflikt der Religionen - Jan Assmann im Interview.

Zeit für die Klassiker: Nicht alle Neuerscheinungen folgen dem Rhythmus der Hypes und Aufreger - vor allem nicht „Reclams Buch der deutschen Gedichte“. Der prominente Germanist Heinrich Detering legt die zuerst 2007 erschienene voluminöse Anthologie neu vor. Gerade als Fürsprecher Bob Dylans ist Detering auf dem Feld der Lyrik für Neuentdeckungen jenseits des Kanons gut. Seine fast tausend Seiten starke Sammlung wartet mit weiteren Autorennamen auf. Die zwei Bände im Schuber machen sich in jeder Büchersammlung ohnehin bestens. Reclam feiert 2017 obendrein 150 Jahre Universalbibliothek. Im Februar kommt mit dem Reprint von Goethes „Faust“ jener Band wieder heraus, mit dem die Geschichte der Universalbibliothek einst begann. Einen ganz anderen Klassiker feiert der Schirmer-Verlag. Die vierbändige Beuys-Kassette erscheint zum Start des Filmes „Beuys“, der erstmals bei der Berliner Berlinale gezeigt werden wird. Das Beuys-Kompendium wird die Beschäftigung mit dem Kunst-Schamanen neu anstoßen.


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