Gemälde von Leonardo da Vinci Mona Lisa: Arte-Dokumentation über das Bild der Bilder



Florenz. Jeder meint sie zu kennen – jene Mona Lisa, die Leonardo da Vinci auf dem berühmtesten Gemälde der Welt verewigte. Andrew Graham-Dixon macht sich in seiner Dokumentation auf den Weg zu Mona Lisa. Ihre Rätsel kann aber auch er nicht endgültig lösen.

Dabei verspricht die Arte-Dokumentation nicht weniger, als der „Wahrheit über Leonardos Meisterwerk“ endlich auf den Grund zu gehen. Der britische Kunsthistoriker Andrew Graham-Dixon, bekannt durch seine TV-Dokumentationen über Kunst, ist nicht der Erste, der sich auf die Spurensuche begibt. Die Aufmerksamkeit ist ihm dabei von vornherein sicher. Denn das gerade einmal 77 mal 53 Zentimeter große Bild, das Leonardo da Vinci wohl zwischen 1502 und 1503 malte, ist unter den Kunstwerken der Star der Stars. Wer sich dem Bild im Pariser Louvre nähert, findet sich in einer wogenden Menschentraube wieder. Alle knipsen und filmen mit dem Smartphone – wie im Rockkonzert. Hier weiterlesen: Forscher finden Nachkommen von Leonardo da Vinci.

Blick in die Archive

Andrew Graham-Dixon schaut nicht im Louvre vorbei, er beugt sich über Archivdokumente, schaut Restauratoren über die Schulter, betritt Banktresore. Zu geheimnisvoll wabernder Musik inszeniert sich der Dokumentarfilmer als Sonderermittler in Sachen Mona Lisa und gibt sich den Anschein, als erster Forscher überhaupt gewissen Fakten und Hintergründen auf die Spur zu kommen. Natürlich erfordert die Dramaturgie der Fernsehreportage einen Protagonisten in der Rolle des Entdeckers, der seine Zuschauer an jene Orte führt, die mit der Mona Lisa zu tun haben, und mit jenen Experten spricht, die Aufschluss über Hintergründe zu dem Bild geben können. Aber Andrew Graham-Dixon deckt in weiten Teilen des Films nur auf, was alle Kunsthistoriker schon wissen. Hier weiterlesen: Mit Smartphone und Selfie-Stick zur Mona Lisa?

Wer ist die Frau eigentlich?

Dabei leitet er zutreffend zu jenen Rätseln hin, die das Bild umgeben. Wer ist die dargestellte Frau wirklich? Warum hat Leonardo das Gemälde seinem Auftraggeber nicht abgeliefert, sondern bis zu seinem Tod behalten? Und warum weist die Mona Lisa ein Format auf, das für ein schlichtes Erinnerungsporträt einfach zu groß ist? Hier weiterlesen: Affekte und Öffentlichkeit - was uns alte Meister über Trump und Pegida lehren.

Viel guter Wissensstoff

Die Arte-Dokumentation breitet viel gut bebilderten Wissensstoff aus. Wir erfahren, welches Dokument den entscheidenden Hinweis auf die Datierung gibt, kommen den näheren Lebensumständen der porträtierten Florentiner Kaufmannsgattin Lisa del Giocondo, die auf dem Bild wohl dargestellt ist, auf die Spur, nehmen jenes Bild in Augenschein, das einige Zeit lang für eine zweite Version des Porträts gehalten wurde, bevor Experten das verblüffend ähnlich aussehende Porträt mit chemischen Analysen als spätere Kopie entlarvten. Hier weiterlesen: Große Kunst im Kino - die Welle der Künstlerfilme .

Tröstender Ersatz für die Mutter?

Das Problem: Andrew Graham-Dixon folgt mit seiner Spurensuche zu Lisa del Giocondo nur einer jener Theorien, die sich um Leonardos Rätselbild ranken. Was ist mit der Hypothese, das Porträt zeige die früh verstorbene Geliebte Lorenzo de Medicis und sei als tröstender Mutterersatz für dessen kleinen Sohn Ippolito gedacht gewesen? Oder wie steht es mit der Vermutung, bei der Frauenfigur handle es sich in Wirklichkeit um ein männliches Aktmodell, dem Leonardo zugetan gewesen sein soll? Viele dieser Theorien klingen zunächst abwegig, aber für jede von ihnen lassen sich handfeste Indizien anführen. Die TV-Dokumentation lässt das alles beiseite und verengt damit den Blick auf das Bild. Lesen Sie auch: Das Superjahr der Kunst - was 2017 die Kunstwelt bewegen wird. Eine Vorschau.

Das unergründliche Lächeln

Natürlich muss auch Andrew Graham-Dixon am Ende vor Leonardos Wunderwerk die Waffen strecken. Kein Wunder. Dieses Porträt bleibt unergründlich. Mit dem Lächeln Mona Lisas konserviert es die Flüchtigkeit eines magischen Moments für die Ewigkeit. Deshalb ist es zum Bild der Bilder avanciert, zum ultimativen Rätselwerk – wie Shakespaeres „Hamlet“ oder Mozarts „Zauberflöte“. Hier weiterlesen: Künstlerpaare zwischen Symbiose und Konkurrenz.

Mona Lisa, ein lächelndes Rätsel. Samstag, 21. Januar 2017, 20.15 Uhr. Arte


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