Nächste Runde im Eröffnungsfestival Muti begeistert in der Elbphilharmonie - der Kleine Saal auch


Hamburg. Das Eröffnungsfestival der Elbphilharmonie geht weiter: Das Chicago Symphony Orchestra unter Riccardo Muti begeistert im Großen Saal und das Ensemble Resonanz im Kleinen.

Der Maestro amüsiert sich. Manchmal steht er ganz still da und lässt sein Orchester einfach spielen. Mal lächelt er seine Musikerinnen und Musiker an, mal beugt er sich mit weit geöffneten Augen zum Konzertmeister herunter und deutet mit der rechten Hand nach hinten: „Hör zu, das Flötensolo!“ sagt die humorvolle Geste. Einmal dreht er sich sogar zum Publikum um, weil gar so viele in die Satzpause husten, zuckt lächelnd mit den Schultern und gibt den Einsatz zum dritten Satz von Peter Tschaikowskys vierter Sinfonie. Und da muss Riccardo Muti tatsächlich nicht viel machen: Die Streicher des Chicago Symphony Orchestra wissen, wie sie Drive in dieses rein gezupfte („pizzicato“) Scherzo kriegen, und die Bläser wissen es auch. Weiterlesen: Die Hamburger Philharmoniker ziehen in die Elbphilharmonie ein

Das erste Spitzenorchester im Großen Saal

Das „CSO“ ist das erste internationale Spitzenorchester im neuen Konzerthaus. Und siehe da: Die Kombination funktioniert hervorragend.

Zwei Abende gastiert das Orchester im Großen Saal, mit Werken, in denen sich sowohl ein Orchester, als auch einen Raum beweisen kann, ja muss. Zum Beispiel Modest Mussorgskys “Bilder einer Ausstellung“ am ersten Abend. Oder die vierte Sinfonie von Peter Tschaikowsky, mit der Muti und das Orchester am zweiten Abend triumphieren.

Für sich eingenommen hatten sie aber schon bei der Tondichtung „Don Juan“ von Richard Strauss: Der 24-jährige Komponist zeigt da seine große Instrumentationskunst, und die geben Orchester und Dirigent vortrefflich wieder. Freilich schlägt dabei das Blech mitunter mit voller Wucht zu, aber selbst dann sieht man nicht nur, wie Streicher sich abarbeiten - man hört sie auch im wüsten Getümmel noch, das der gnadenlosen Verführer veranstaltet. Und wenn man der Bassposaune mitten in den Schalltrichter blickt, darf man sich nicht wundern, wenn einem deren Sturm ins Gesicht bläst: Wie sollte das auch anders sein in einem Saal, in dem man schön hört, wenn der Musiker sein Wasserglas leise auf den Boden stellt. Genau dieser transparente Raumklang bringt dann ja auch den Soloklarinettisten im leisesten Pianissimo und überhaupt die brillante Holzbläserriege wunderbar zur Geltung. Und dank des seidigen Streicherklangs bereitet sogar „Contemplazione“ des italienischen Opernkomponisten Alfredo Catalani Freude, ein Schmachtfetzen vor dem Herrn. An diesem Abend klingt der Große Saal der Elbphilharmonie so hervorragend, wie er klingen soll, und das Chicago Symphony Orchestra und Riccardo Muti sorgen für Geborgenheit in Musik - so soll es sein.

Ein Schatz: Der Kleine Saal

Nun verfügt die Elbphilharmonie aber noch über ein weiteres, echtes Juwel: den Kleinen Saal. Das Ensemble Resonanz hat hier seine Heimat als Residenzensemble gefunden und sich den Raum mit der Uraufführung von „Release“ von Georg Friedrich Haas im wahrsten Sinne des Wortes erspielt. Denn wenn das Publikum den Raum betritt, spielen die rund zwei Duzent Streicher nicht auf der Bühne, sondern oben auf der Galerie. Der Raum selbst wirkt heimelig; fast automatisch will man über die Holzvertäfelung mit ihren sanften Wölbungen streicheln, um sie haptisch zu erfahren, und das rötliche Licht vermittelt Geborgenheit. Hier fächert das Ensemble Resonanz die mikrotonalen Klangflächen von Haas auf und erobert sich im Lauf einer guten halben Stunde nach und nach die Bühne. Für romantische Sinnlichkeit sorgen die „Sieben frühen Lieder“ von Alban Berg, von Johannes Schöllhorn für Streicher bearbeitet und von der Sopranistin Sandrine Piau wunderbar innig gesungen. Und in Béla Bartóks Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta zeigt das Ensemble Resonanz unter der Leitung von Emilio Pomàrico, wie versiert es mit klassischer Moderne umgeht. Dieses Ensemble und der Kleine Saal sind ein großer Schatz für die Elbphilharmonie.


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