Omar Sy in französischem Wohlfühlfilm „Plötzlich Papa“: Heiter-gefühliges Rührstück


Osnabrück Komödie? Drama? Tragödie? Der Wohlfühlfilm „Plötzlich Papa“ mit „Ziemlich beste Freunde“-Star Omar Sy versucht mal eben, alles nacheinander abzuarbeiten.

Längst hat sich der sogenannte Wohlfühlfilm zu einem eigenen Genre entwickelt. Welche Faktoren dieses Genre aber genau ausmachen, das ist noch weitgehend ungeklärt. Zur Klärung dieser und weiterer Fragen versucht nun sogar das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in einem Projekt , „eine präzise Bestimmung des Wohlfühlfilms als einen klar differenzierbaren Filmtypus vorzunehmen“.

Dabei werden die Mitarbeiter dann mit Sicherheit auch auf „Plötzlich Papa“ stoßen, dessen Hauptdarsteller Omar Sy seit seiner Rolle in „ Ziemlich beste Freunde „, dem Wohlfühlfilm aller Wohlfühlfilme, vor fünf Jahren zum Star avancierte. Und sie werden feststellen, dass dieses noch unscharf definierte Genre im Wesentlichen aus Komödie besteht, das allerdings auch eine gewisse Portion Drama und Tragödie benötigt, ohne deswegen gleich die Ansprüche einer klassischen Tragikomödie erfüllen zu müssen.

So beginnt „Plötzlich Papa“ dann auch damit, dass ein durch und durch verantwortungsloser Partylümmel und Frauenheld eines schönen Morgens mit den Folgen eines längst vergessenen Schäferstündchens konfrontiert wird. Kristin ( Clémence Poésy ) heißt die Frau, die eines Tages in Südfrankreich bei Sam (Sy) am Strand der Côte d’Azur vorbeischaut, ihm ein Baby in die Arme drückt und verschwindet.

Sams Versuch, Kristin in London ausfindig zu machen, scheitert auf ganzer Linie. Stattdessen strandet er in der britischen Metropole, wo er zufällig als Stuntman entdeckt wird und ganz nebenbei in die Rolle des liebevollen, allein erziehenden Vaters hineinwächst. Acht Jahre später sind er und seine Tochter Gloria (Gloria Colston) ein Herz und eine Seele.

Aber just in dem Moment – zwei Drittel des Filmes sind gerade vorbei – als Sam seiner Tochter die Wahrheit über ihre Mutter erzählen möchte, taucht diese wie aus dem Nichts aus New York auf, und die Komödie mutiert zum Drama. Kristin verlangt ihr Kind zurück!

Wie sich die ganze Geschichte unter der Regie von Hugo Gélin dann auch noch zur Tragödie zuspitzt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Aber auch ohne diese finale Überhöhung wirkt „ Plötzlich Papa „ wie ein an den falschen Stellen überfrachtetes Rührstück, das die drängendsten Fragen unbeantwortet lässt. Weshalb die Mutter einst ihr Kind aus den Händen gab und nun zurückfordert, das wird hier nur oberflächlich angerissen.

Dieser Mangel an Erzählkunst wird allerdings durch die Schauspielkunst der ganz und gar hervorragend agierenden Darstellerin Poésy in ihrer undankbaren Rolle als Rabenmutter wieder wettgemacht. Poésy verleiht dem Film mit ihrer Figur der Kristin dank leiser Gesten und unterschwelliger Mimik ein Stückchen Wahrhaftigkeit. Damit ragt die unsicher und verletzlich wirkende Kristin darstellerisch deutlich über die ansonsten eindimensional gezeichneten erwachsenen Charaktere hinaus. Einzig die kindliche Hauptdarstellerin Colston weiß darüber hinaus noch dank ihres spielerischen Naturtalents zu überzeugen.

Unterm Strich funktioniert „Plötzlich Papa“ über weite Strecken als heiter-gefühliges Rührstück über eine besondere Vater-Tochter-Beziehung, dessen überraschendes Ende allerdings für Irritationen sorgen kann.


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