Expertin für Kulturfinanzierung Eske Nannen: Chefin der Kunsthalle Emden wird 75

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Emden. Eske Nannen feiert am 4. Januar 2016 ihren 75. Geburtstag. Die Museums-Chefin hat die Kunsthalle Emden zum Erfolg geführt. Als Expertin der Kulturfinanzierung ist sie weithin gefragt.

Ihre Besuche seien lieb und meist teuer, kalauern Kulturpolitiker in der Landeshauptstadt Hannover gern über Eske Nannen. Die Museums-Prinzipalin aus dem äußersten Nordwesten genießt lieber still das Kompliment, das in dieser Formulierung steckt, als sich über ihren Mangel an Charme zu grämen. Denn die Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden gilt weithin als selten erreichtes Vorbild einer Kulturmacherin, die ihren Elan für die Kunst perfekt mit jener Hartnäckigkeit verbindet, die man braucht, um Geld für die Kultur einzuwerben. 22 Millionen Euro soll sie im Lauf der Jahre für ihre Kunsthalle akquiriert haben. Da das ihr Verwaltungsleiter ausgerechnet habe, werde die Zahl wohl stimmen, kommentiert Eske Nannen dieses imposante Resultat trocken. Hier weiterlesen: Chefin der Emder Kunsthalle - Eske Nannen im Interview .

Klarer Kurs für den Kunst-Liner

Tochter eines Fassfabrikanten, als Zahlmeisterin zur See gefahren, in der Wirtschaft gearbeitet - wie kommt man da zur Kunst? Die Emderin Eske Nannen begeistert sich für Malerei ohne falsches Pathos. Und sie hält ihr Museum wie einen Ozeanliner auf Kurs - mit Blick für die Großwetterlagen der Kulturpolitik und Gefühl für ihre Crew. Dabei war sie immer schon viel mehr als die Steuerfrau neben dem großen Henri Nannen, den sie 1990 heiratete. Gemeinsam gründeten die Nannens 1986, was eigentlich nur ein Haus für die eindrucksvolle Sammlung des „Stern“-Gründers sein sollte, der sich vor allem für den Expressionismus der „Brücke“ und die Farbenpracht des „Blauen Reiter“ begeistert hatte. Eske Nannen ist besonders zu verdanken, dass aus dem Bilderhaus ein international konkurrenzfähiges Museum wurde. Hier weiterlesen: Kunst aus Norwegen - Emden zeigt Nikolai Astrup.

Veritable Lasten geschultert

Die Frau mit der schnittigen Kurzhaarfrisur verweist bei Fragen nach ihrer Leistung gern auf ihre fähigen Mitarbeiter. Dabei hatte Eske Nannen nach dem Tod ihres Mannes veritable Lasten zu schultern. Die Ausbauschritte 2000 und 2007, zuletzt der Kampf um eine bessere finanzielle Ausstattung der Kunsthalle durch das Land Niedersachsen - Eske Nannen vergrößerte ihr Haus zielstrebig und machte damit zukunftsfähig, was als heimeliger Klinkerbau 1986 begonnen hatte. Eske Nannen heimste nicht ohne Grund zahllose Ehrungen, darunter auch einen Preis für „unkonventionelle Kunstvermittlung“ ein. Sie stritt mit der Politik um mehr Geld, erwies sich aber auch dann schon als Meisterin des Fundraisings, als viele ihrer Kulturkollegen nicht einmal das Wort kannten. Als zielstrebige Kaufmannstochter schreckte Eske Nannen 2014 auch nicht davor zurück, ihrem Haus mit einer als Event zelebrierten Versteigerung zusätzliches Geld zu verschaffen. Der Erfolg für ihr bedrängtes Haus war ich wichtiger als das Naserümpfen mancher Kulturpuristen. Hier weiterlesen: Museum an der Zeitenwende - wer kommt nach Eske Nannen?)

Kinder im Museum

Dabei bewies Eske Nannen früh echten Enthusiasmus für die Kunst und ihre Vermittlung. Sie wird nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die Emder Malschule schon vor der Kunsthalle gegründet wurde. Kinder im Museum - das gehört in der Kunsthalle Emden zum Charme eines Hauses, dass große Malerei noch immer in der Atmosphäre eines Wohnzimmers präsentiert, und den Besuchern deshalb so besonders lieb ist. Stefan Borchardt übernimmt nun von Eske Nannen das Ruder. Aber die Dame, die am 4. Januar 2016 ihren 75. Geburtstag feiert, wird im Hintergrund weiter für ihre Kunsthalle wirken - von einem schweren Schreibtisch aus, an dem einst Henri Nannen in der Hamburger Redaktion seine „Stern“-Ausgaben plante. Hier weiterlesen: Leuchtturm im Nordwesten - Kunsthalle Emden wird 25 Jahre alt .)


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