Sprachkolumne Luthers Deutsch: Der Lutherklang

Von Paul-Josef Raue

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In der Lutherbibel 2016 wird der „Lutherklang“ wieder hörbar, Musiker würden vom Luther-Sound sprechen. Foto: dpaIn der Lutherbibel 2016 wird der „Lutherklang“ wieder hörbar, Musiker würden vom Luther-Sound sprechen. Foto: dpa

Osnabrück. In der Lutherbibel 2016 wird der „Lutherklang“ wieder hörbar, Musiker würden vom Luther-Sound sprechen.

„Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt“ – da stocken wir schon in der Weihnachtsgeschichte. Steht nicht in Luthers Übersetzung statt „jeder“: „ein jeglicher in seine Stadt“? In der Tat wandelten die Revisoren der Übersetzung in den siebziger und achtziger Jahren Luthers „jeglicher“ ins modern anmutende „jeder“ um.

Noch ein Beispiel aus dem Weihnachts-Evangelium nach Lukas: „Als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte.“ Steht nicht bei Luther: „Als sie daselbst waren“? Die aktuelle Lutherbibel von 2016 revidiert die Revision und kehrt zu Luthers Worten zurück. Der ehemalige Eisenacher Bischof Christoph Kähler, der das Revisoren-Team leitete, spricht vom originalen „Lutherklang“, der wieder hörbar wird, Musiker würden vom Luther-Sound sprechen.

Luthers Sprache hat einen eigenen Rhythmus, den selbst kleine Veränderungen stören können. Pronomen wie „daselbst“ (ersetzt in diesem Fall das Wort Bethlehem) beachten wir kaum, also Fürwörter, die Luther einsetzt, um ein Substantiv nicht wiederholen zu müssen. Diese Fürwörter lieben schon Kinder und üben den Rhythmus der Sprache, wenn sie auf einen Gegenstand zeigen: „Das da! Das da! Das da!“ Luther wird den Kindern auf der Straße gelauscht und Wörter wie „daselbst“ geschätzt haben wie auch das wohlklingende „allda“: „Wenn ein Krieg oder der Türke käme, so sollte niemand aus einem Dorfe fliehen, sondern allda die Strafe Gottes durchs Schwert erwarten.“

Die Revisoren der siebziger Jahre wollten Luthers altertümlich wirkenden Klang entfernen, eben den Lutherklang. Die Revisoren um Bischof Kähler wussten, dass sie einen „gewissen altmodischen Duktus“ verstärken – aus einem guten Grund: „Luthers Übersetzung ist poetisch, sie ist emphatisch (was man lange Zeit nicht genügend gewürdigt hat) und stilprägend.“

So kommen die Vorzüge von Luthers Stil zum Zuge: Wir können ihn wieder gut lesen, gut sprechen und im Gedächtnis behalten – solange wir die alten Wörter noch verstehen, sprechen und singen wie „desto“, „etlich“ oder „auf dass“.


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