„Blue & Lonesome“ Rolling Stones veröffentlichen Blues-Album

Von Tom Bullmann

Im Studio bei den Aufnahmen für das 23. Album: Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones. Foto: Universal MusicIm Studio bei den Aufnahmen für das 23. Album: Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones. Foto: Universal Music

Osnabrück. Nach zehn Jahren gingen die Rolling Stones mal wieder ins Studio, um ein Album aufzunehmen. Innerhalb von vier Tagen entstand das Album „Blue & Lonesome“, das am Freitag, den 2. Dezember veröffentlicht wird.

Jetzt ist die berühmteste Zunge der Welt blau! Das im Original knallrote Markenzeichen der Rolling Stones, das seit 1970 den Rock’n’Roll der britischen Musiker symbolisiert, prangt jetzt in Blau auf einem brandneuen Album, das heute erscheint. Es ist die erste Langrille, die Jagger, Richards, Wood und Watts nach „A Bigger Bang“ veröffentlichen, also nach über zehn Jahren Studiopause. Und warum wurde die Zunge blau? Weil die Rockdinos ein Blues-Album eingespielt haben. Nun könnte man zynisch sein und behaupten, dass fast alle Rocker, die in die Tage kommen, irgendwann anfangen, Blues zu spielen. Schön gemächlich und gediegen.

Nicht so die Stones, denn die gehen mit voller Wucht zurück zu ihren Wurzeln. Natürlich waren es Songs von Jimmy Reed, Willie Dixon, Little Walter und Howlin’ Wolf, die sie Anfang der 60er-Jahre interpretierten und denen sie ihren sehr eigenen Stempel aufdrückten. Und natürlich ist der Name Rolling Stones auf einen der ungekrönten Blueskönige zurückzuführen: Muddy Waters.

Eine wahre Pracht

Und so, wie diese Blues-Urgesteine sich früher ins Studio gesetzt haben und die Songs eingespielt haben, ohne großartig zu proben oder hinterher an den Songs herumzuschleifen, so haben die Rollenden Steine das Album „Blue & Lonesome“ jetzt innerhalb von vier Tagen aufgenommen, direkt, unverblümt, unretuschiert. Es ist eine wahre Pracht, wie Keith Richards den Southside Chicago Blues dreckig aus den Saiten quetscht. Jagger röhrt, brüllt und raspelt, was das Zeug hält. Häufig greift er zur Mundharmonika und zeigt damit äußerst versiert eine Facette seiner Kunst, die manch einer gar nicht von ihm kennt. Aber auch Watts und Wood scheinen sich im Blues äußerst wohlzufühlen. „Wir hatten kein Bluesalbum geplant. Aber Mick kam mit immer neuen Vorschlägen aus seiner Bluessammlung“, erinnert sich Keith Richards. Also ließ man den Vibrationen freien Lauf, ließ es einfach geschehen.

Eric Clapton als Gast

Das Album startet mit „Just Your Fool“ von Little Waters, das dank Richards Gitarre eine Menge Rock-’n’-Roll-Feeling transportiert. Auch „Commit A Crime“ von Howlin Wolf ist kein simpler Blues, sondern hat Schmackes. Sogar ohne Jaggers charakteristische Stimme erkennt man sofort, dass hier die Stones am Werk sind. Das Titelstück „Blue And Lonesome“, auch von Little Walter, hat Soul, und zu „I Gotta Go“ kann man sogar tanzen. Es lohnt sich, das Album bis zum Ende anzuhören, denn auch „Hoo Doo Blues“ und „Little Rain“ haben außerordentliche Qualitäten. Und vielleicht bekommen einige ja auch heraus, bei welchen Songs ein Freund des Stones-Clans die Finger im Spiel hatte: Slowhand Eric Clapton tritt bei zwei Stücken als Gast auf.

Rolling Stones: „Blue & Lonesome“ (Polydor)


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