„Menschenverachtend“ Heftige Kritik an Flüchtlings-Satire zu Bundespresseball

Von Lorena Dreusicke


Osnabrück/Berlin. Das satirische Begleitheft zum diesjährigen Bundespresseball sorgt für Wirbel. Grund ist ein Beitrag über Schwimmkurse für Flüchtlinge im Mittelmeer, für die eine fiktive Bundesbade-Agentur „viel Spaß und Erfolg“ wünscht.

Das Satire-Magazin „Almanach“, das die Gäste des jährlichen Balls nach dem Treffen zugeschickt bekommen, befasst sich traditionell mit politischen Themen des vergangenen Jahres. Und das nach eigenen Angaben „Explosiv. Ironisch. Bissig. Und das direkt aus der Feder des deutschen Spitzen-Journalismus.“

Die aktuelle Ausgabe löst Empörung aus. In ihr wird eine Schwimmschule namens „Refugium“ vorgestellt. Eine vermeintliche Bundesbade-Agentur (Slogan: Mit uns gehen Sie baden) präsentiert auf drei Seiten ihr Angebot: Kurse von „Baby-Flüchtlingsschwimmen“ bis „Refugium-Flüchtlingsseepferdchen“. Laut Text bereiten die Kurse vor auf „das richtige Überlebensschwimmen“, zu dem „Festhalten an Treibgut“ gehöre sowie „Springen vom Schlauchbootrand“ und „andere Flüchtlingskinder abwehren, die sich festhalten wollen“. Auf einer Doppelseite ist in einer Karte des Mittelmeers eingezeichnet für welche „Mittelmeerrouten“ die Schwimmkurse angeboten werden.

Shitstorm auf Twitter

Mehrere Hauptstadtjournalisten haben die fraglichen Seiten des „Almanach“ fotografiert und über das Internet verbreitet. Robert Roßmann, Korrespondent für die Süddeutsche Zeitung verurteilte den Beitrag auf Twitter als „Menschenverachtend“. Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen kommentierte auf Twitter: „So viel Zynismus und Menschenfeindlichkeit macht fassungslos.“ Medienjournalistin Silke Burmester twitterte: „Der Bundespresseball ein Fall für den Presserat.“

Weitere Reaktionen auf Twitter:

Statement des Vorstands

Der Vorstand der Bundespressekonferenz veröffentlichte am Mittwochnachmittag eine Erklärung. Darin bittet er um Entschuldigung, mit dem Beitrag Gefühle und Wertvorstellungen verletzt zu haben. Der Beitrag sei intern kontrovers diskutiert worden. Die Mehrheit der Verantwortlichen sei davon überzeugt gewesen, dass der Text „die Grenzen der Satire zwar austestet, aber nicht überdehnt.“

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Die Autoren hätten überspitzt auf die vielen Toten bei Fluchtversuchen über das Mittelmeer hinweisen wollen. Zudem hätten sie damit die Diskussion über das Schleusertum anregen wollen. In der Mitteilung erklärt der Vorstand auch, wer den „Almanach 2016“ erstellte – Mitglieder der Bundespressekonferenz. Der Vorstand kündigte an, sich im nächsten Jahr mit der „Struktur“ und den „Verantwortlichkeiten von Redaktion und Herausgeber“ zu beschäftigen.

Von der „Almanach“-Redaktion hatte sich in der Nacht zu Mittwoch bereits der Journalist Jens Peter Paul geäußert. Laut der Deutschen Presse-Agentur sagte er dazu: „Tatsächlich ist das Stück ganz bitter und böse. Es ist anstößig. Es war Gegenstand mehrerer intensiver Diskussionen. Es gefällt mir selbst absolut nicht. Und lustig ist es erst recht nicht. Aber – Überraschung – das soll es auch nicht.“


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