Neue Serie: Traumfrauen Die richtige Idee vom Leben: Senta Berger

Von Joachim Schmitz


Osnabrück. Sie will weder eine „Grande Dame“ noch eine Diva sein: Senta Berger. Eine starke Frau ist sie aber auf alle Fälle. Um sie dreht sich die erste Folge unserer neuen Serie „Traumfrauen“.

Eine „Grande Dame“ will sie nicht sein. „Grauenhaft“ findet Senta Berger diesen Begriff: „Das ist doch so etwas von daneben“. Und auch ein anderes gern verliehenes Etikett schüttelt sie mit Leichtigkeit ab: „Eine Diva bin ich nicht, das ist so furchtbar langweilig.“ Bei einer Diva wittert die 72-Jährige viel Einsamkeit - und „das ist nicht die Idee, die ich von meinem Leben habe“.

Eine Traumfrau ist sie dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb. Eine Traumfrau in den Augen derer, die starke Persönlichkeit dem Starrummel vorziehen, die Engagement mehr schätzen als Eitelkeit, die Selbstbewusstsein von Selbstbezogenheit zu unterscheiden wissen. Senta Berger weiß, was sie kann und was sie will - und das dreht sich längst nicht immer nur um sie selbst.

Hollywood, Frankreich, Italien, Deutschland - Senta Bergers Filmkarriere umspannt die ganze westliche Welt, ist mit zunehmenden Alter geprägt von einem sicheren Gespür für starke Rollen - und lässt sich doch auf eine Wurzel zurückführen: „Ich bin ein Arbeiterkind, das hat mir immer Kräfte gegeben,“ sagt die Schauspielerin mit dem Faible für die wirklich klugen Kalendersprüche: „Indem man das eine Leben lebt, verpasst man alle anderen.“

Mitten im Krieg, am 13. Mai 1941, wird sie in Wien geboren und bekommt auf Wunsch ihres Vaters, eines kunstbeflissenen Handwerkers, einen für die damalige Zeit völlig außergewöhnlichen Vornamen: Die Senta aus Wagners „Fliegendem Holländer“ hatte es dem Vater als Verkörperung der weiblichen Tugend angetan. Mit sechs Jahren wird sie in Ballett und Ausdruckstanz unterrichtet, steht mit 14 erstmals vor einer Kamera und wird als 16-Jährige am berühmten Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen. Gerade mal 20, schafft sie mit der Simmel-Verfilmung „Es muss nicht immer Kaviar sein“ den großen Durchbruch und flüchtet anschließend aus Opas Kino nach Hollywood: Dort dreht sie mit Superstars wie Richard Widmark, Kirk Douglas, Charlton Heston, Yul Brunner und John Houston.

Doch wandelbar ist Senta Berger nicht nur in ihren Rollen: Sie dreht Hollywood den Rücken, erobert sich den französischen und italienischen Film, dreht mit Alain Delon und Marcello Mastroianni, der später sagen wird: „Eine wie sie gibt es nur einmal.“ Aber auch solche Komplimente können sie nicht halten: 1969 lässt sich Senta Berger in einer wunderbaren Villa in München-Grünwald nieder - zusammen mit ihrem Mann, dem Arzt, Produzenten und Regisseur Michael Verhoeven, mit dem die Mutter zweier Söhne mittlerweile seit 47 Jahren verheiratet ist.

Aber auch ein ausgefülltes Familien- und Berufsleben mit Dutzenden erstklassiger Rollen im deutschen Film sind Senta Berger nicht genug: Sie kämpft für die Wahl Willy Brandts zum Bundeskanzler, für die Rechte der Frauen, für Abrüstung, Umweltschutz und das Asylrecht, und sie unterstützt noch immer das internationale Kinderhilfswerk „Plan“.

„Die besten Jahre waren die, in denen die Kinder klein waren und mein Leben sehr konzentriert auf ein Ziel war,“ sagt sie Ende 2011 in einem Interview mit unserer Zeitung. Man könnte meinen, diese starke Frau habe das eine Leben gelebt und kein anderes verpasst.