Auftritt am 30. November in Osnabrück Johann König hat nie davon geträumt, Komiker zu werden

Osnabrück: Comedian Johann König in der Osnabrückhalle. Archivfoto: Jörn MartensOsnabrück: Comedian Johann König in der Osnabrückhalle. Archivfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Bekannt wurde er wegen seiner brüchigen Stimme, mit der er seine Gedichte vortrug. Dass das nur eine Auswirkung seiner Nervosität war, verrät Komiker Johann König im Interview mit unserer Redaktion. Am Mittwoch, 30. November, kommt er mit seinem Programm „Milchbrötchenrechnung“ in die Osnabrückhalle.

Wünschen Sie sich manchmal, doch Lehrer zu sein? Drei Monate Ferien im Jahr klingen verlockend.

Ich habe jetzt mehr frei. Im Sommer habe ich sogar vier Monate. Ich habe eigentlich den ganzen Tag frei und muss nur abends arbeiten. Ich denke sowieso nie daran, dass ich jetzt lieber Lehrer wäre. Jetzt ist es nämlich so: Alle fahren ins Wochenende und ich fahre zur Arbeit. Aber ich bin ein Abend- und Nachtmensch. Ich tue mich schwer damit, morgens aufzustehen. Das muss ich jetzt mit Schulkindern machen, das ist furchtbar. Also ich bin auf jeden Fall auf der richtigen Seite gelandet.

Was hat Sie damals vom Lehrerberuf weggeführt?

Dass die Leute so über meine Gedichte gelacht haben, die ich in einem Literaturcafé vorgetragen habe. Ich war 26 und mir war klar, dass ich Lehrer werde und dann habe ich aus Spaß ein Gedicht vorgelesen. Vorher habe ich zehn Kölsch getrunken, damit ich genug Mut habe und die Leute haben so gelacht, dass ich dachte, na das muss ja witzig sein. Ich glaube, man ist ein bisschen dazu verpflichtet auf die Bühne zu gehen, wenn man die Gabe hat, Leute zum Lachen zu bringen. Ich habe es damals zufällig entdeckt, die meisten wissen davon viel früher, weil sie vorher schon Leute auf Familienfesten unterhalten haben. Das habe ich ja nie gemacht.

Was haben Familie und Freunde damals zu Ihrer Entscheidung gesagt, Comedian zu werden?

Meine Eltern fanden das furchtbar und total irrsinnig. Mit dem Wissen, dass ich wieder zurück an die Uni kann, war das dann okay und sie haben gemerkt, dass es mir Spaß macht. Aber mein Vater hat das Geld, das er mir während des Studiums zugesteckt hat, aufgerechnet, um zu zeigen, dass das jetzt für die Katz war. Aber ich musste es immerhin nicht zurückzahlen.

Was für ein Lehrer wären Sie? Lustig mit einem passenden Spruch für jeden Schüler oder streng?

Mit einer guten Mischung, so wie ich jetzt auch die Kinder erziehe. Lehrer sein heißt ja auch, Erzieher sein. Das ist die große Herausforderung, dass man die Waage hält. Dass man noch ernst genommen, aber nicht als humorloser Sack abgestempelt wird.

Waren Sie früher ein guter Schüler?

Nee, ich war ziemlich faul, hatte keine Lust und habe es mit Ach und Krach geschafft. Ich bin auch sitzen geblieben. Danach ging es dann erst los mit dem schönen Leben.

Wann haben Ihre Kinder verstanden, was Sie beruflich machen? Und wie war die Reaktion?

Als sie letztens Plakate von mir gesehen haben, kam die Frage, ob ich berühmt sei, aber so richtig begriffen haben die das noch nicht. Die Kindergärtnerin hat ihnen mal ein Video gezeigt, in dem ich das Burnout-Lied singe. Jetzt glauben sie, dass ich Sänger bin und das stimmt ja auch irgendwie.

Was fasziniert Sie am Gedichteschreiben?

Damit habe ich aus purer Langeweile angefangen. Ich hatte nichts damit zu tun, wobei ich immer Heinz Erhardt geliebt habe. Ich habe mit Nachtwachen im Krankenhaus mein Studium finanziert. In den zwölf Stunden war nicht viel zu tun. Dann habe ich Gedichte geschrieben.

Ist Heinz Erhardt auch Ihr Vorbild?

Als ich mal ein Gedicht vorgetragen habe, wurde mir gesagt, dass Heinz Erhardt wohl mein Vorbild sei. Daraufhin habe ich ihn erst besser kennengelernt und gemerkt, dass er mir ein bisschen ähnlich ist. Weil er auch Gedichte unterbricht, das Publikum ermahnt oder ein Gedicht ohne Pointe auslaufen lässt. Das sind schon Parallelen, die ich auch mache. Ich habe mir als Student viel Kleinkunst angesehen, aber nie im Leben mit dem Vorsatz, selbst auf der Bühne zu stehen. Es hat mich einfach fasziniert, dass einer alleine auf der Bühne steht und einen Saal unterhält.

Und wenn Ihr Sohn in ein paar Jahren sein erstes Solo-Programm schreibt und sagt „Papa, ich werde Künstler“?

Dann sage ich „Ach du scheiße, noch so einer. Willst du nicht erst mal Lehrer werden?“ (lacht) Ich würde niemanden zum Studium zwingen, aber ich habe nach dem Abitur auch eine Ausbildung zum Kinderkrankenpfleger gemacht. Das würde ich ihm auch raten: Er soll erst mal irgendwas abschließen, bevor er durch die offenen Bühnen des Landes tingelt.

Haben Sie Groupies oder ist das eher ein Rockstar-Problem?

So etwas gibt es nicht in der Comedy, außer man ist jemand wie Luke Mockridge – aber der wird auch älter. (lacht) Gestern wurden bei meinem Auftritt Plakate in der ersten Reihe hochgehalten und da stand: „Johann, ich bin ein Kind von dir!“ Ich habe aber gelesen „Ich will ein Kind von dir“ – das andere war natürlich viel lustiger, das habe ich aber erst am Ende der Show gemerkt. Es war aber ein junger Mann also hat das mit Groupie nicht viel zu tun. Er war aber auch Gott sei Dank zu alt, um mein Kind zu sein. (lacht)

In Ihrem letzten Programm ging es um Burnout. Was glauben Sie hat sich in der Gesellschaft in den letzten Jahren verändert, dass so viele Arbeitnehmer diese Diagnose bekommen?

Das Wort ist ja relativ neu und in dem Lied ging es mir darum, den inflationären Gebrauch dieses Wortes zu zerstören. Viele Menschen hatten vorher sicher auch ein Erschöpfungssyndrom, bevor dieser Begriff auftauchte. Das englische macht diesen Begriff so sexy – ich finde ihn einfach schrecklich. Die Menschen sagen, dass der berufliche Druck durch die ständige Erreichbarkeit größer geworden ist und dass man dadurch auch häufiger krank wird. Ich glaube schon, dass es durch diesen Druck mehr Burnout-Diagnosen gibt. Mir ging es aber keinesfalls darum, mich über die Krankheit lustig zu machen, sondern nur über einen Begriff für etwas, das es auch schon vorher gab. Mir wurde auch vorgeworfen, dass ich mich über depressive lustig mache. Aber so lernt man mit heiklen Themen und Shitstorms umzugehen.

Mit welchem Gefühl sollen die Menschen aus Ihrer Show rausgehen?

Ich fände es schön, wenn sie auf dem Heimweg noch schmunzeln. Ich versuche immer die Leute von dem abzulenken, was ihnen Sorgen macht. Ich versuche auch immer etwas zu erzählen, bei dem die Leute Zuhause noch überlegen, wie ich das denn eigentlich gemeint habe. Ich höre oft, dass die Zuschauer sich fragen, ob ich etwas ironisch gemeint habe oder nicht. Und das weiß ich ja manchmal selbst nicht.

Was war Ihre schlimmste Erfahrung auf der Bühne?

Einmal haben die Zuschauer mir nicht ins Gesicht geguckt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Hosenstall auf war. Das war zwar auch lustig, aber sehr unangenehm. In Halle an der Saale gab es mal einen Auftritt, bei dem über eine Stunde lang niemand gelacht hat. So etwas vergisst man nicht. Da habe ich gedacht „Ach, ich werde doch Lehrer“. (lacht)

Und Ihre Schönste?

Das Ziel der Kunst ist es, das Zeitgefühl beim Zuschauer verschwinden zu lassen. Und es gibt immer Momente im Programm, in denen man alles vergisst. Die Leute lachen, ich lache dann auch. Das ist wie bei gutem Sex, dass man alles um einen herum vergisst.

Ich habe gelesen, dass sie Listen über Ihre Auftritte führen und diese dann bewerten. Wie hat Osnabrück denn bisher so abgeschnitten?

Also der letzte Auftritt hatte ein „gut plus“. Es war mein erster Auftritt in einer so riesigen Halle, ich weiß, dass ich sehr aufgeregt war. Man sagt den Norddeutschen ja nach, dass sie nicht die Lustigsten sind, aber das war einer der besten Auftritte neben Bremen und Hamburg. Vielleicht liegt das an meinem norddeutschen Humor – mein Vater kommt aus Glückstadt, meine Mutter aus Norddeich.

Wie haben Sie sich seit Ihrem ersten Auftritt in den 90er-Jahren verändert?

Ich war früher sehr schüchtern und hatte diese Stimme, die durch die Aufregung sehr hoch geworden ist. Das war eher unfreiwillige Komik. Das hat sich alles gelöst, jetzt bin ich total locker. (lacht) Ich habe ja nie von diesem Beruf geträumt, aber jetzt ist es mein Traumberuf. Ich traue mich jetzt viel mehr und habe irgendwann angefangen zu singen und zu tanzen. Aber das erste Mal auf der Bühne zu tanzen, war ein riesiger Schritt. Jetzt mache ich das mit links.

Was können die Zuschauer in Osnabrück bei Ihrem neuen Programm erwarten?

Es gibt wie immer Gedichte, Gesang und Tanz. Es geht darum, dass das Leben eine Milchbrötchenrechnung ist. Man versucht, sich korrekt zu verhalten, und dann hat man doch wieder eine Plastiktüte in der Hand. Das macht einem dann die ganze Ökobilanz kaputt. Bei allem, was man macht, tappt man in die Falle. Man denkt, etwas Gutes zu tun und dann liest man, dass es doch nicht so gut ist. Ich versuche auch immer ein bisschen zu improvisieren und zu gucken, was es in der Stadt besonderes gibt. Gibt es zum Beispiel eine Bausünde oder sprechen die komisch?


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