Kulturtipp Elbphilharmonie: Das Buch zum Konzertsaal

Das Allerheiligste: Der Große Saal in der Elbphilharmonie. Foto: Christian Charisius/dpaDas Allerheiligste: Der Große Saal in der Elbphilharmonie. Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Ein Jahrhundertwerk braucht eine umfassende Dokumentation. Die ist dem Autoren Joachim Mischke und dem Fotografen Michael Zapf mit „Elbphilharmonie“ gelungen.

Jetzt, wo die Eröffnung der Elbphilharmonie in greifbare Nähe rückt, empfindet Hamburg nur noch eins: Vorfreude. Baukosten und -zeit haben den Charakter von Anekdoten angenommen, die nurmehr lächelnd erwähnt werden, als seien sie bedeutungslos geworden. So leicht macht es Joachim Mischke den Lesern mit dem Bildband „Elbphilharmonie“ nicht.

Vision und Vertragsdschungel

Er rollt die Genese des Baues noch einmal auf - ohne viel Häme, sondern mit dem nüchternen Blick des Journalisten lässt er die Genese des epochalen Projektes noch einmal Revue passieren: von der Vision eines Hamburger Ehepaars und den anfänglichen Vorbehalten der Politik über einen Vertragsdschungel bis zum Finale, dem am 11. Januar beim Eröffnungskonzert das Glanzlicht aufgesetzt wird. Im Zeitraffer durchschreitet Mischke die Baugeschichte, erklärt die Visionen der Architekten Herzog & de Meuron, die Ansätze des Akustikers Yasuhisa Toyota, um einen der besten Konzertsäle der Welt zu erschaffen, führt den Leser vom Parkhaus über die „Tube“ genannte Rolltreppe in den Kleinen und schließlich in den Großen Saal.

Wohnungen unterm Wellendach

Dabei gelingt ihm das Kunststück, so präzise zu beschreiben, dass einem das Haus bereits beim ersten Besuch vertraut vorkommt. Und außerdem wirft Mischke Blicke in Bereiche, die dem Normalsterblichen vermutlich für die nächsten Jahrzehnte verborgen bleiben werden: Er hat auch eine der Wohnungen besucht, die unter dem Wellendach der Elbphilharmonie auf solvente Käufer und Mieter warten. Und schließlich rundet er sein Buch ab mit einem Überblick über die Hamburger Musikgeschichte, von der Gänsemarkt-Oper der Händel- und Telemann-Zeit bis zu den Beatles, zu Lindenberg und Ligeti, zur Staatsoper und eben zur Elbphilharmonie.

Zu einer runden und opulenten Sache wird Mischkes Elbphilharmonie in Geschichte und Gegenwart aber erst durch die Bilder des Hamburger Fotografen Michael Zapf. Wie Mischke hat er das Projekt Elbphilharmonie von Anfang an begleitet und das Werden und das Sein in spektakulären Bildern festgehalten. So ist ein 246 Seiten starker Bildband geworden, der bei aller kritischer Distanz doch auch die berechtigte Vorfreude auf eines der spektakulärsten Kulturbauwerke des 21. Jahrhunderts ausdrückt.


Joachim Mischke, Michael Zapf: „Elbphilharmonie“. Edel Germany, 246 S., 29,95 Euro

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