Verdi-Oper „Falstaff“ in Köln Feiner und doch vitaler Opernabend

Von Pedro Obiera

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Spannendes Theater auf karger Shakespeare-Bühne: Szene aus Dietrich W. Hilsdorfs Neuinszenierung von Verdis „Falstaff“ an der Kölner Oper. Foto: Paul LeclaireSpannendes Theater auf karger Shakespeare-Bühne: Szene aus Dietrich W. Hilsdorfs Neuinszenierung von Verdis „Falstaff“ an der Kölner Oper. Foto: Paul Leclaire

Köln. Eine Produktion, die pures und in keiner noch so kleinen Pointe plattes Vergnügen bereitet: Dietrich W. Hilsdorf inszeniert an der Oper Köln Verdis „Falstaff“.

Es ist elf Jahre her, dass Dietrich W. Hilsdorf in Essen einen so dezenten „Falstaff“ von Giuseppe Verdi auf die Bühne stellte, wie man ihn von dem bis dahin provokanten Regisseur niemand erwartet hat. Jetzt setzte sich Hilsdorf erneut mit Verdis letztem Werk auseinander und für die Kölner Oper geht er noch abgeklärter und feiner, aber beileibe nicht milder mit dem Stoff um.

Geschickt arrangiert sich Hilsdorf mit den eingeschränkten Möglichkeiten im Deutzer Staatenhaus. Ihm genügen ein dreieckiges, zum Parkett zugespitztes Bühnenpodest, ein paar Tische und ein schlichter Zwischenvorhang, um eine Verbindung zum historischen Shakespeare-Theater herstellen zu können. Selbst die Kostüme bringen nur wenig Farbe auf die Bühne. Umso unverstellter stehen die Figuren im Zentrum der rundum überzeugenden Aufführung.

Pointierte Personenführung

Was die detailgenaue und pointierte Personenführung, aber auch den Umgang mit dem Chor angeht, gehört Hilsdorf zu den besten Vertretern seiner Zunft. Und den Humor verabreicht er mit feinen Nadelstichen, nicht mit der Klamauk-Keule. Souverän steuert er die bei Shakespeare extrem wichtigen Tempowechsel, so dass ein vitaler Opernabend garantiert ist, der Verdis altersweisem, aber keineswegs altersmüdem Werk vollauf gerecht wird.

Darin geht Hilsdorf konform mit Will Humburg am Pult des sehr aufmerksam reagierenden Gürzenich-Orchesters. Die unzähligen überraschenden Tempo- und Stimmungswechsel führt der in Köln immer gern gesehene Dirigent äußerst profiliert und souverän aus. Auch die sich ständig wandelnde Klangfarbenpalette wird selbst unter den nicht idealen akustischen Bedingungen des Staatenhauses hörbar. Dabei setzt Humburg durchaus scharfe Akzente, ohne jedoch die fein gestrickte Musik zu vergröbern. Hilsdorf und Humburg empfehlen sich erneut als ideale Partner.

Ensemble agiert überzeugend

Nicht weniger überzeugend agiert das Ensemble. Erstaunlich, dass ein so bühnenerfahrener Sänger wie Lucio Gallo in dieser Produktion zum ersten Mal als „Falstaff“ szenisch in Erscheinung tritt. Die Reife kommt seiner hintergründigen, kultivierten Darstellung entgegen. Und stimmlich begeistert Gallo nach wie vor mit seinem voluminösen, technisch sauber geführten und fein differenzierenden Bariton. Ein Glücksfall.

Auch sonst ist kein einziger nennenswerter Ausfall zu beklagen. Perfekt aufeinander eingestimmt sind die Meg von Adriana Bastidas Gamboa, die Alice von Natalie Karl und die Mrs. Quickly des Publikumslieblings Dalia Schaechter. Dem jungen Fenton verleiht Liparit Avetisyan tenoralen Glanz, der Nannetta Emily Hindrichs jugendlichen Charme mit leicht angestrengten Höhen.

Nicholas Pallesen hat es nicht leicht, sich als Ford stimmlich gegen den überragenden Lucio Gallo durchzusetzen, dürfte aber noch an der Rolle wachsen. Dezent-derbe Komik verbreitet das Dienerpaar Lucas Singer als Pistola und Ralf Rachbauer als Bardolfo. Der Chor lässt sich von der Spiellaune der gesamten Produktion hörbar inspirieren.

Eine Produktion, die pures und in keiner noch so kleinen Pointe plattes Vergnügen bereitet. Entsprechend begeistert fiel der Beifall des Premieren-Publikums für alle Beteiligten aus.


Die nächsten Aufführungen im Staatenhaus Deutz: am 4., 6., 10., 12. und 16. November. Infos und Karten: 0221/221 28400/www.oper.koeln.de).

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