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Eine vergessene Malerin Worpswede erinnert an Julie Wolfthorn

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Worpswede. Wer erinnert sich heute noch an Julie Wolfthorn ? Die 1864 im heute polnischen Thorn geborene Malerin gehörte 1898 zu den Mitbegründern der Berliner Sezession . Gemeinsam mit Käthe Kollwitz rief sie 1906 die „Verbindung bildender Künstlerinnen“ ins Leben. Wolfthorn porträtierte berühmte Zeitgenossen wie den Dichter Richard Dehmel und die Schauspielerin Tilla Durieux. Doch die Künstlerin und ihr Werk blieben lange vergessen. Jetzt ist Julie Wolfthorn zurück – mit einer Ausstellung im Worpsweder Barkenhoff .

„Malerinnen im Aufbruch“ nennen die Worpsweder Kunsthäuser in diesem Sommer ihre konzertierte Ausstellungsaktion. Die Schau bringt Bilder der Flensburgerin Käte Lassen mit Werken von Worpsweder Malerinnen wie Paula Modersohn-Becker, Ottilie Reylaender und Marie Bock zusammen. Die Arbeiten von Julie Wolfthorn – sie zog ihren Familiennamen Wolf und den Namen ihrer Geburtsstadt zu diesem neuen Namen zusammen – markieren in diesem Kunstkonvolut allerdings die größte Entdeckung. Wolfthorns Vita steht beispielhaft für den schwierigen Start der Frauen in die Kunst der Moderne – und für die Verfolgung von Künstlern generell. Die Nationalsozialisten grenzten ihre Kunst als „entartet“ aus. 1944 ermordeten sie die jüdische Künstlerin im Konzentrationslager Theresienstadt.

Mit ihren Gemälden repräsentiert Julie Wolfthorn eine gemäßigte Moderne. Wie viele andere Künstlerinnen ihrer Generation ging Wolfthorn nach Paris, um an einer der privaten Akademien ihre Ausbildung zu absolvieren. Deutsche Kunstakademien blieben Frauen immerhin noch bis 1918 verschlossen. Aus Paris brachte die Malerin Wolfthorn einen fein temperierten Impressionismus mit. Die Umstürze der Avantgarde waren offenbar nicht ihre Sache. Max Liebermann besaß zwei ihrer Gemälde. Kein Wunder: Wolfthorns Malerei steht der Kunstauffassung Liebermanns spürbar nahe. Wie es der Ausstellungstitel sagt, eroberte Wolfthorn in der Tat die Welt – allerdings die Welt der bürgerlichen Salons. Mit ihren Porträts arrivierter Künstler und Bürger war die Malerin sehr erfolgreich. Die Kunst der Moderne hat sie hingegen nicht neu geprägt.

Für die Ausstellung hat Beate C. Arnold, Leiterin des Barkenhoffs, rund 40 Bilder in penibler Kleinarbeit vor allem aus Privatbesitz zusammengetragen. Ihr Überblick zeigt eine Künstlerin, die mit dem psychologisch einfühlsamen, malerisch gut gearbeiteten Porträt ihr Thema gefunden hatte. Landschaften, Stillleben, überhaupt andere Bildthemen blieben Ausnahme – ebenso wie Ausflüge in andere Stile. Liegt in dieser Werkanlage auch ein Grund dafür, dass Wolfthorns Œuvre in den Hintergrund geriet? 1897 war die Malerin übrigens in Worpswede zu Gast. Das Künstlerdorf hat sie aber nicht inspiriert. „Kleine schmutzige Bauernkinder animieren mich nicht“, schrieb Wolfthorn indigniert.


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