Album erscheint am 28. Oktober Familientreffen bei Marius Müller-Westernhagen

Bei „MTV-Unplugged“ spielten Udo Lindenberg (links) und Marius Müller-Westernhagen zusammen. Foto: Tine Acke/Virgin Records/dpaBei „MTV-Unplugged“ spielten Udo Lindenberg (links) und Marius Müller-Westernhagen zusammen. Foto: Tine Acke/Virgin Records/dpa

Berlin. Am Freitag, 28. Oktober, erscheint das neue Album von Marius Müller-Westernhagen. Für das „Unplugged“-Album hat der Musiker zu einem Konzert-Abend der besonderen Art eingeladen: WG-Kumpel Udo Lindenberg trommelte, Tochter Mimi sang und Regisseur Fatih Akin filmte.

Der Abend endet, wie er begonnen hatte: mit Jonny Walker. Vor dem „Unplugged“-Konzert in der Berliner Volksbühne werden Drinks auf Basis des Whiskys im Foyer ausgegeben. Als Zugabe spielt Westernhagen seine berühmte Hymne auf das Getränk. Und natürlich ist „Jonny W“ auch das letzte Lied des dazugehörigen Albums, das an diesem Freitag (28. Oktober) erscheint. Daneben gibt es zahlreiche Hits aus mehreren Jahrzehnten: Von „Mit 18“ und „Sexy“ über „Weil ich Dich liebe“ und „Freiheit“ bis „Wieder hier“ und „Alphatier“ – jeweils „unplugged“, also ohne elektronische Verstärker. Aber bisweilen auch neu interpretiert und mit Unterstützung besonderer Künstler.

Duett mit der Tochter

„Wenn ich schon Gäste habe, sollte ich zu ihnen eine Beziehung haben“, sagt der 67-Jährige. So spielt sein alter Kumpel Udo Lindenberg zu „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ Schlagzeug. Bei dem „Panikrocker“ sowie Komiker Otto Waalkes hatte Westernhagen einst in der Hamburger WG gehaust.

Mit seiner Lebensgefährtin und „Angebeteten“, der südafrikanischen Sängerin Lindiwe Suttle, präsentiert Westernhagen das neue Lied „Luft um zu atmen“. Ein besonderer Höhepunkt ist das Duett mit Tochter Mimi (31). Die beiden singen den Klassiker „Lass uns leben“, es ist der erste gemeinsame Auftritt überhaupt. „Sie war sehr nervös, aber sie hat es auch lange genug rausgeschoben“, sagt der Vater.

Vor Jahren Angebot bekommen

Fünf Jahrzehnte ist Westernhagen mittlerweile als Musiker aktiv. Und die Frage ist berechtigt, warum er nicht schon viel früher auf den berühmten Barhockern der „Unplugged“-Reihe Platz genommen hat. Rief der Musiksender MTV doch bereits 1989 – als Westernhagens Karriere gerade den Höhepunkt anstrebte – die Reihe ins Leben. Zu den bekanntesten Auftritten gehören die von Eric Clapton und der Grunge-Band Nirvana. Herbert Grönemeyer war 1994 als erster deutschsprachiger Künstler dabei. Später folgten Die Fantastischen Vier, Die Toten Hosen, Udo Lindenberg, Revolverheld und Cro.

Er habe bereits vor vielen Jahren ein Angebot bekommen, erklärt Westernhagen. „Aber ich habe mich damals nicht dazu bereit gefühlt. Für mich ist das eine Königsdisziplin, eine Werkschau.“ Es gehe darum, mit Sorgfalt, Ehrgeiz und Ernsthaftigkeit an das Projekt heranzugehen. Die Songs „neu zu bearbeiten, neu zu empfinden“. „Ich halte gar nichts davon, einfach das gleiche zu spielen wie immer – nur mit Akustikgitarren. Das kann es nicht sein und das hätte mich auch nicht interessiert.“

Musik im neuen Gewand

Und in der Tat: Zu hören gibt es einen Künstler, der sichtlich Freude daran hatte, seine Musik in familiärer Atmosphäre und teils im neuen Gewand zu präsentieren – nicht zuletzt durch die Wahl der mitwirkenden Gäste. Neben Tochter Mimi und WG-Kumpel Lindenberg ist auch Selig-Sänger Jan Plewka dabei, mit dem Westernhagen eine energiegeladene Version von „Mit 18“ liefert. Dazu kommt ein Duett mit der Straßenmusikerin Elen zu „Durch Deine Liebe“.

Überraschend ist ein englisch-deutsches Cover von „Heroes“, eine Hommage an den im Januar 2016 gestorbenen Superstar David Bowie. Keine leichte Aufgabe: „Du versuchst schon, dem Geist von Bowie gerecht zu werden“, sagt Westernhagen. „Denn du willst natürlich nicht, dass sich der Meister im Grab umdreht.“

Auftritte gefilmt

An zwei Abenden hatte der Sänger im Sommer in die Berliner Volksbühne geladen. Regisseur Fatih Akin („Tschick“, „Gegen die Wand“) setzte die Auftritte für die DVD filmisch in Szene. Westernhagen habe ihm damit ein Geschenk gemacht, erklärt der Regisseur. „Musik ist Essen für die Seele, und er hat mir ein vorzügliches Menü serviert.“

Kein Wunder: Schließlich blickt der gebürtige Düsseldorfer auf eine enorme Karriere zurück. Mit Alben wie „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ feierte der Schauspieler („Theo gegen den Rest der Welt“) Ende der 70er Jahre größere Erfolge. Der ganz große Triumph kam ab 1989. Die Hymne „Freiheit“ geriet zum Soundtrack der Wiedervereinigung. Mit Alben wie „Halleluja“, „Ja Ja“ und „Affentheater“ wurde er zum Superstar, der Massen zu seinen Shows in die Stadien zog.

Doch der Hype sei ihm zu riesig geworden, sagte Westernhagen. 1999 verabschiedete er sich von den ganz großen Bühnen und zog fortan kleinere Konzertauftritte vor. Und bei seinem Auftritt in der Volksbühne sagt der gerührte Gastgeber: „Wir haben so viele Konzerte gespielt vor Tausenden Leuten, aber die beiden Abende hier übertreffen alles.“ Denn: „Es geht um die Musik.“


Westernhagen schließt Rückkehr zum Film nicht aus

Sänger Marius Müller-Westernhagen (67) kann sich vorstellen, wieder als Schauspieler zu arbeiten: „Wenn irgendwann mal ein Skript kommt und ich denke, das musst du spielen, sonst wirst du es ewig bereuen – dann kann das schon sein“, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das Problem sei, dass er so viele Jahrzehnte nicht mehr gespielt habe. „Mit jedem Jahr steigt da draußen bei den Leuten die Erwartung an meine Schauspielkünste. Das ist natürlich eine Aufgabe mit Fallhöhe. Sich der zu stellen ist nicht ganz so einfach.“

Für sein „Unplugged“-Album, das am 28. Oktober erscheint, hat Westernhagen mit Regisseur Fatih Akin („Tschik“, „Gegen die Wand“) zusammengearbeitet, der das Konzert in der Berliner Volksbühne filmisch in Szene gesetzt hat. „Wir kannten uns vorher kaum, aber wir sind richtig dicke Freunde geworden. Und es kann sein, dass es nicht die letzte gemeinsame Arbeit ist. Mit ihm wieder etwas zu machen, ja – das kann ich mir gut vorstellen.“

Westernhagen, Sohn eines Schauspielers, übernahm schon als Jugendlicher erste Filmrollen. In den 1960er, 70er und 80er Jahren spielte er in zahlreichen Produktionen, bekannt wurde er vor allem durch das Roadmovie „Theo gegen den Rest der Welt“ (1980). (dpa)

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