Ankäufe und Erwerbungen aus sieben Jahren Kunstsammlung NRW: Neue Kunst für 100 Millionen


Düsseldorf. Kunst im Wert von 100 Millionen Euro hat Marion Ackermann für die Kunstsammlung NRW erworben. Zum Ende ihrer Amtszeit im Oktober 2016 zeigt sie die Neuzugänge.

Wie Millionen andere Amerikaner sitzt Nancy Spero in den sechziger Jahren vor dem Fernsehgerät und ist schockiert über die Bilder vom Vietnam-Krieg. Vor der Mattscheibe malt die 2009 verstorbene Künstlerin verstörend präzise Aquarelle von den Verheerungen des Krieges. Heute gehören die Blätter zur Kollektion der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Marion Ackermann, die sich als Direktorin gerade verabschiedet, um die Leitung der Kunstsammlungen in Dresden zu übernehmen, zieht Bilanz mit einem Blick auf die Ankäufe, die das Haus in ihrer Amtszeit seit 2009 tätigen konnte. Werke von Künstlerinnen haben ihr dabei besonders am Herzen gelegen. Ackermann ging es von Anfang darum, die Männerriege der Kunststars in der Sammlung aufzubrechen. Hier weiterlesen: Museumsleiterin Marion Ackermann geht nach Dresden - eine Kolumne.

Heimliche Nationalgalerie

Immerhin zwei Millionen Euro an Landesmitteln kann das gern auch als „heimliche Nationalgalerie“ titulierte Museum pro Jahr für Kunstkäufe aufwenden. Dazu kommen Schenkungen. Auf insgesamt rund 100 Millionen Euro bezifferte Ackermann jetzt im Gespräch den Wert der Erwerbungen ihrer Amtszeit. Diese Aktivitäten bleiben unter Galeristen und Sammlern natürlich nicht verborgen. So seien die Preise für Werke von Nancy Spero zuletzt stark gestiegen. „Jetzt hat auch François Pinault Interesse an Spero gezeigt“, verweist die Museumsleiterin mit dem Namen des Sammlers, der seine Kollektion in Venedig im Palazzo Grassi präsentiert, auf die Dynamik der Preisentwicklungen auf dem Kunstmarkt. Hier weiterlesen: Amazon-Foto - neue Bilder von Andreas Gursky in Düsseldorf.

Bilder von Documenta-Stars

„My Phantasies“ heißt die Präsentation mit den Neuerwerbungen des Düsseldorfer Hauses. Ob die „Antlitze“ von Jürgen Klauke, eine ganze Bilderwand mit Fotos von Vermummten, Thomas Struths Riesenfoto einer Ölbohrplattform, Strickbilder von Rosemarie Trockel oder eben die Anti-Vietnam-Zeichnungen von Documenta-Star Spero - die Präsentation versammelt wichtige Positionen der Kunst der letzten Jahre und erkennt ihnen damit musealen Rang zu. Jeder Kunstkauf eines Museums verändert den Kunstkanon: Nur an wenigen Orten wird das so deutlich wie in der Kunstsammlung NRW, die eine Maßstäbe setzende Sammlung der Kunst des 20. Jahrhunderts besitzt, und an ihrem zweiten Standort, der „K 21“, die Kunst der Gegenwart in großem Format präsentiert. Hier weiterlesen: „Tote Hosen“ - das Riesenfoto vom Rockkonzert

Ganze Ausstellungsräume erworben

Das Wort vom Format darf dabei auch wörtlich genommen werden. Mit „Palazzo Regale“ von Joseph Beuys oder dem „Genter Raum“ von Imi Knoebel gehören ganze Werkensembles berühmter Künstler zur Sammlung. Ackermann hat genau da angeknüpft und aus einer Ausstellung von Foto-Star und Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans einen ganzen Raum erworben. Auch ein Werkkonvolut des Avantgardisten Kasimir Malewitsch füllt allein ein Ausstellungskabinett. Für alle Erwerbungen gilt hingegen, dass vor der endgültigen Aufnahme in die Sammlung die Herkunft der Kunstwerke durchleuchtet. Raubkunst soll nicht in das Haus kommen, so Ackermann. Hier weiterlesen: Zum Tod von Hilla Becher - das Künstlerpaar als Erfolgsmodell.

Glücksfall zu Weihnachten

Dafür weiß sie von unverhofften Glücksfällen zu berichten: Kurz vor einem Weihnachtsfest habe sie noch Geld des Landes erhalten, berichtete die Museumschefin. Mit diesem Betrag habe sich eine Rauminstallation von Janet Cardiff und George Bures Miller ankaufen können. „Ich musste das in wenigen Stunden über die Bühne bringen“, berichtete die Kuratorin von ihrem schnellsten Kauf.


0 Kommentare