Gelungene Märchenverfilmung Schauerromantik mit Botschaft: „Das kalte Herz“


Osnabrück. Die Neuverfilmung vom Märchen „Das kalte Herz“, anders als etwa die Fassung der DEFA von 1950, erweist sich nicht als simple „Geld verdirbt den Charakter“-Studie, sondern als komplexes Erzählwerk.

Nebel liegt über den Hügeln, Rauchschwaden wabern durch die Täler, Ablenkung vom Alltag bietet nur das Wirtshaus: Das Leben Anfang des 19. Jahrhunderts im Schwarzwald ist bestimmt von Mühsal, aber auch von sozialen Unterschieden. Und niemand scheint dies eher zu spüren zu bekommen als der junge Köhler Peter Munk ( Frederick Lau ). Nicht nur, dass er den Hass und Spott anderer Handwerker und der Bürger zu spüren bekommt – er verliebt sich auch noch in die falsche Frau. Lisbeth (Henriette Confurius) wurde standesgemäß bereits an den Sohn des reichen Etzel (Roeland Wiesnekker) vergeben.

Sollte Peter aber 500 Gulden aufbringen, so mag er seine Lisbeth heiraten. Eine Lösung für das Problem des Habenichts liegt im Wald verborgen. Gibt Peter dem geisterhaften Holländer-Michel ( Moritz Bleibtreu ) sein Herz, erhält er im Gegenzug Reichtum und Macht. Nur: Wo einst seine Gefühle entstanden, wird dann ein kalter Stein sein. Ein kluges Geschäft?

Natürlich nicht. Das Bildnis des „Herzen aus Stein“, das die dem Film zugrunde liegende Erzählung von Wilhelm Hauff (1802 – 1827) beeinhaltet, erweist sich naturgemäß als faustischer Handel, als symbolhaftes Zeichen dafür, dass man Glück nicht kaufen kann.

Und doch erweist sich die Neuverfilmung, anders als etwa die Fassung der DEFA von 1950 , nicht als simple „Geld verdirbt den Charakter“-Studie, sondern als komplexes Erzählwerk. Denn „Das kalte Herz“ geriet auch dank nur gezielt eingesetzter Spezialeffekte nicht zum faden Fantasy-Spektakel, sondern wurde unter Johannes Nabers Regie zu einer naturalistischen Parabel über die Natur des Menschen und des Menschlichen.

Kinder brauchen Märchen , hat mal der Psychologe Bruno Bettelheim tituliert. Erwachsene aber auch. Vor allem, wenn sie so gelungen sind wie hier.




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