Frankfurter Buchmesse 2016 Buchbranche entdeckt virtuelle literarische Welten

Ein Messen-Superlativ: Der britische Maler, Fotograf und Multimediakünstler David Hockney mit seinem „Sumo - A Bigger Book“ mit mehr als 450 seiner Werke. Foto: Arne Dedert/dpaEin Messen-Superlativ: Der britische Maler, Fotograf und Multimediakünstler David Hockney mit seinem „Sumo - A Bigger Book“ mit mehr als 450 seiner Werke. Foto: Arne Dedert/dpa

Frankfurt. Was gehört bei der Frankfurter Buchmesse zu einem ersten Fachbesuchertag nach Maß? Prominente Autoren, spektakuläre Buchinszenierungen, thematische und technische Neuheiten und Buchtrends. Ein Überblick.

Virtuelle literarische Welten

Das hat sich die Buchmesse von der Gamesbranche abgeschaut: Virtual Reality (VR) als Zukunftstechnologie ist in diesem Jahr auch ein großes Thema in den Fokus der Branchenschau gerückt, wenn es um Innovationen geht. Das diesjährige flämisch-niederländische Gastland führt mit drei Beispielen eindrucksvoll vor, wie Schriftsteller gemeinsam mit Multimediakünstlern und Musikern fantastische virtuelle literarische Welten erschaffen können: So zu erleben durch die VR-Brille und Kopfhörer beispielsweise in der berührend-faszinierende „Fernweh-Oper“ von Daniel Ernst mit dem Libretto von Maud Vanhauwaert, die in ein Opernhaus im Weltall entführt. Taiwan präsentiert mit Jimmy Liaos „All of My World is You“ ein Bilderbuch als interaktives VR-Erlebnis mit eigenem Soundtrack. Die neue Messe „The Arts+“, die der Marktplatz für das Geschäft mit kreativen Inhalten sein will, bietet nicht nur Kunst aus dem 3D-Drucker, sondern auch VR-Games und -Kunstinstallationen.

Dass der Blick durch die VR-Brille für das Buchmarketing der Zukunft interessant sein kann, das zeigte die VLB-TIX GmbH mit einem Beispiel einer 3-D-Programmvorschau. Das Unternehmen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels betreibt mit VLB-TIX seit Anfang des Jahren bereits ein digitales Titelinformationssystem für den Buchhandel.

Mit dem Aufsetzen der VR-Brille am Messestand bewegt man sich in einer virtuelle Wohnung, in der man in jedem Zimmer ein Buch entdeckt, es vom Tisch oder aus dem Regal nehmen kann, in einer Leseprobe blättert oder sich eine Hörprobe anhört. Und wenn das Buch hinunterfällt, muss man sich genauso wie in der realen Welt bücken, um es aufzuheben.

Ob, in welchem Maße und wie schnell die 3-D-Technologie in der Praxis der Buchwelt zur Anwendung kommen kann, kann Markus Fertig von der VLB-TIX GmbH nicht sagen. Er sieht aber „sehr viel Potenzial“ für die Buchbranche, meint er im Gespräch: Viel werde davon abhängen, ob und wann die Preise für 3-D-Brillen fallen, die derzeit zwischen 800 und 1000 Euro kosteten. Was also auf den ersten Blick wie eine spielerische Zukunftsvision aussieht, ist hier auch ein Statement: „Die Buchbranche ist schon gerüstet. Wir sind startklar für diesen Markt“, sagt Fertig.

Prominente Autoren auf dem Sofa

Der erste Fachbesuchertag in der realen Welt beginnt mit dem Literaturgespräch auf dem „Blauen Sofa“: Der erste Gast auf dem traditionellen Podium für Autorengespräche ist der aktuelle Deutsche Buchpreisträger. Diesmal ist es Bodo Kirchhoff , der über seine Novelle „Widerfahrnis“ redet. Mittags folgt Liedermacher Wolf Biermann . Er hat seine bereits viel beachtete Autobiografie mitgebracht und erzählt hier aus seinem „langen, verrückten Leben“ und davon, dass ihm nach seiner DDR-Ausbürgerung 1976 nicht nur die vertrauten Freunde, sondern auch die „vertrauten Feinde“ fehlten. Auf großes Publikumsinteresse stößt eine Stunde später auch das Gespräch mit US-Bestsellerautorin Donna Leon, die erzählt, dass sie nun überwiegend in der Schweiz lebt, weil Venedig durch die vielen Kreuzfahrer zu überlaufen sei.

Stargast mit Super-Kunstbuch

Keine Messe ohne Superlativ: 2003 sorgte der Taschen Verlag für Aufsehen, als er Muhammad Ali zur Frankfurter Buchmesse einlud und ihn in einem Boxring das riesige und schwergewichtige „Sumo“-Buch „Goat - A Tribute To Muhammad Ali“ inszenierte. Die „Sumo“-Reihe versammelt die teuersten Kunstbücher der Welt. Sie startete 1999 mit Helmut Newton. Es sind vom Künstler handsignierte, in limitierter Auflage erscheinende Bücher im XXXXL-Format.

In diesem Jahr ist es der 79-jährige Maler, Fotograf und Multimediakünstler David Hockney, dessen „Sumo - A Bigger Book“ mit mehr als 450 seiner Werke auf seine 60-jährige Schaffenszeit zurückblickt. Es erscheint in einer Auflage von 10000 Exemplaren. Stückpreis: 2000 Euro. Bereits am Dienstag hatte er auf der Eröffnungspressekonferenz unter großem Medieninteresse einen Einblick in seine Arbeit als Zeichner am iPad demonstriert. Am Mittwoch sorgte er dann für den wohl meisten Fachbesucherandrang der noch jungen diesjährigen Messe.

Schwerpunkt: Lutherbibel 2017

Die 500-Jahr-Feier der Reformation im kommenden Jahr wirft ihre publizistischen Schatten voraus: Auf der Open-Stage-Bühne im Zentrum des Messegeländes feiert die Deutsche Bibelgesellschaft den Verkaufsstart der revidierten „Lutherbibel 2017“ mit Eckart von Hirschhausen sowie die Premiere von Dieter Falks Soundtrack „A Tribute to Martin Luther“ zum Reformationsjubliäum. Nicht nur sämtliche Neuerscheinungen zu Martin Luther und der Reformation sind zu sehen, es werden auch Kuriositäten wie das „Luther-Reformationsbier“ oder die Luther-Nudel werden präsentiert.


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