Zuckerwatte und Spinnweben The Cure geben hypnotisches Konzert in Hamburg

Robert Smith, Frontmann der britischen Band The Cure, beeindruckte beim Auftakt der Deutschlandtour in der Barclaycard Arena in Hamburg. Foto: dpaRobert Smith, Frontmann der britischen Band The Cure, beeindruckte beim Auftakt der Deutschlandtour in der Barclaycard Arena in Hamburg. Foto: dpa

Hamburg. The Cure – Robert Smith und seine Combo – begeisterten zum Auftakt ihrer ersten Deutschlandtour seit vielen Jahren 12.000 Fans mit einem fast dreistündigen Auftritt in der Hamburger Barclaycard Arena.

Robert Smith ist eine der schillerndsten Figuren der Pop-Geschichte. Der Frontmann von The Cure begleitet seit fast 40 Jahren mit seinen hochtoupierten Haaren und der traurig-beseelten Stimme Generationen von Träumern und Idealisten. Es sind Songs wie „Fire in Cairo“, „A Forest“ oder „Killing an Arab“, die The Cure längst unsterblich haben werden lassen.

The Cure haben es verstanden die Brücke zu schlagen zwischen Zeitgeist und Alleinstellungsmerkmal. Die Band hat längst Kultstatus, viele Lieder sind Hymnen. Das Mysterium der Gruppe aus dem südenglischen Crawley fängt damit an, dass sie kaum einem Genre zuzuordnen ist. Post-Punk, Gothic, Wave, alles trifft zu, nichts ins Schwarze. Schwarz ist höchstens Smiths Grundhaltung, dessen melancholisches Timbre doch so vielen aus der Seele spricht. Doch die Transformation des Depressiven heißt bei The Cure Tanzen und all die unerfüllten Sehnsüchte zelebrieren.

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Zunächst dachten viele, im verkehrten Film gewesen zu sein. Der Sound war breiig, Smith verduftete sich nach rechts von der Bühnenmitte, die ersten Songs waren langatmig. Doch seine Fangemeinde ist treu, was vor allem auch an dieser verschrobenen Persönlichkeit liegt. Mit roten Lippen, tiefschwarz geschminkten Augen und seinen hochstehenden schwarzen Haaren wie Zuckerwatte drang er in die Zwischenräume der Synapsen ein.

Bis zur Hüfte im Nebel

Das Publikum war sehr gemischt. Viele ältere Semester waren im Publikum, ein paar Grufties, verträumte Teenager und biertrinkende Normalos. Spätestens beim Hit „Boys Don’t Cry“ rastete die Menge komplett aus. Die Lichtshow zeigte einiges an Symbolen, die unverwechselbar mit The Cure zu assoziieren wären: Kerzen, Spinnweben und Möwen in der Dämmerung. Bis zu den Hüften stand der mittlerweile 57-Jährige Smith im Bühnennebel. Es war der Tourneeauftakt in Deutschland. Insgesamt spielt The Cure 30 Konzerte in 17 europäischen Ländern.

So in der Mitte des Konzerts wurde klar, dass die Fans hier nicht nur Zeuge musikalischer Zeitgeschichte wurden, sondern Smith „at his best“ erlebten. Er gilt als verschlossen, verschroben, soll saufen, gibt kaum Interviews, doch als er im letzten Drittel mit seiner hypnotischen Stimme nicht locker ließ und auch seine tief gestimmte Gitarre den schlechten Sound längst kaschiert hatte, lag Magie in der Luft. Da war der Meister längst in der Mitte der Bühne angelangt und hatte auch seinen zuvor wild rumzappelnden Bassisten domestiziert und zum Saitenduett aufgefordert.


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