Henri Quatre-Romane im Blick Theater Osnabrück: Heinrich Mann in der „Lesereise“

Von Dr. Stefan Lüddemann

Auftakt zur Lesereise „Henri Quatre“: Im Oberen Foyer des Theaters Osnabrück lasen Helene Stupnicki und Klaus Fischer. Foto: Hermann PentermannAuftakt zur Lesereise „Henri Quatre“: Im Oberen Foyer des Theaters Osnabrück lasen Helene Stupnicki und Klaus Fischer. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Das Theater Osnabrück hat seine neue Lesereise gestartet. Bis 2017 steht Heinrich Manns Roman um den König Henri Quatre auf dem Programm.

„Paris ist eine Messe wert“: Nicht nur mit diesem berühmten Satz avancierte Frankreichs König Henri Quatre (1553-1610) zur Legende. Für den Thron konvertierte der Protestant Heinrich von Navarra zum Katholizismus, um sein Land nach Religionskriegen und dem Gewaltexzess der Bartholomäusnacht von 1572 wieder zu einen. Als Henri Quatre und großer Versöhner ging dieser König in die Geschichte ein - nachdem er 1610 in Paris selbst dem Attentat eines religiösen Fanatikers zum Opfer gefallen war. „Das große Thema Versöhnung“ machte Ralf Waldschmidt, Intendant des Theaters Osnabrück, zur Einführung in die neue Lesereise seines Hauses als Anliegen des Monarchen aus. Gerade deshalb habe ihn Heinrich Mann in seinem zweibändigen Hauptwerk „Die Jugend des Königs Henri Quarte“ (1935) und „Die Vollendung des Königs Henri Quarte“ (1938) auch literarisch verewigt. Hier weiterlesen: Schreibdruck im Schlossturm - Honoré de Balzac und sein Schloss Saché.

Lesung an sechs Abenden

An sechs Abenden tragen Schauspielerinnen und Schauspieler des Theaters wesentliche Partien aus dem umfangreichen Romanwerk vor. Am Montagabend machten Helene Stupnicki und Klaus Fischer den Anfang. Die beiden Vorlesenden saßen im Oberen Foyer des Theaters am Domhof an einem schlichten Tisch. Davor hatten Bühnenbildner allerdings mit Stulpenstiefeln, rotem Umhang und Lorbeerkranz royale Requisiten ausgebreitet. „Der Knabe war klein, die Berge waren ungeheuer“: Mit diesem ersten Satz aus Heinrich Manns großer Königssaga hob Klaus Fischer an. Gemeinsam mit seiner Kollegin zeichnete er den Weg den kleinen Henri nach, einen Weg, der den Jungen von der wilden Natur der Pyrenäen an den Königshof nach Paris führen sollte. Fischer und seine Kollegin Stupnicki legten Hintersinn in ihre Stimmen. Und das nicht ohne Grund, schließlich gerät der kleine Henri sehr bald in das Räderwerk der Machtkämpfe am Hof. Hier weiterlesen: Aufklärer mit Mut zum Risiko - der Romancier Michel Houellebecq.

Ab 1933 im Exil

Heinrich Mann ging bereits 1933, kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, zunächst nach Frankreich, später nach Amerika ins Exil. Im historischen Stoff des „guten Königs“ der Franzosen fand der Bruder von Nobelpreisträger Thomas Mann („Die Buddenbrooks“) das Sujet für einen Roman, in dem es eigentlich um die dramatische Gegenwart geht. Heinrich Mann konzipiert historische Persönlichkeiten als Chiffren für Figuren der Gegenwart. Im Herzog von Guise erkennt der aufmerksame Leser Adolf Hitler wieder, in den Grausamkeiten der Bartholomäusnacht die Schrecken des NS-Terrors. Mann begnügte sich allerdings nicht nur mit einer Zeitkritik im Gewand des Historienromans, er formte die Figur Henri Quatres auch zum Bild des guten Herrschers, der sich mit dem Philosophen Michel de Montaigne über die Güte unterhält. Hier weiterlesen: Wiege einer neuen Kultur - der Palazzo Ducale in Urbino.

Weitere Stationen der Lesung

Die neue Lesereise des Theaters - in den letzten Jahren wurde unter anderem aus Thomas Manns „Der Zauberberg“ und Uwe Tellkamps „Der Turm“ vorgelesen - setzt sich in fünf weiteren Stationen fort. Dabei treten die Schauspieler unter anderem im Kunstraum hase29, im Diözesanmuseum und im Lortzinghaus als Gäste der Freimaurerloge „Zum Goldenen Rade“ auf.


Lesereise „Henri Quatre“: Alle Termine im Überblick

2. Station IM LABYRINTH

Donnerstag, 17. November 2016, 20 Uhr, Kunstraum hase29, Hasestr. 29/30

3. Station BLUTNACHT

Donnerstag, 19. Januar 2017, 20 Uhr, Diözesanmuseum

4. Station DER WEG ZUR MACHT

Donnerstag, 16. Februar2017, 20 Uhr, Katharinenkirche/Orgelempore

5. Station DIE VERSCHWÖRUNG

Donnerstag, 16. März 2017, 20 Uhr, Lortzinghaus

6. Station DAS HERZ DES KÖNIGS

Donnerstag, 6. April 2017, 20 Uhr, Johanniskirche/Kapitelsaal

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