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Ampelmännchen im flotten Schritt

Die "Siegessäule" bietet Halt: Dorothea Neumann (links) und Renate Michalik.Die "Siegessäule" bietet Halt: Dorothea Neumann (links) und Renate Michalik.

Sie studierten gemeinsam am Fachgebiet Kunst der Universität Osnabrück, gehörten zu den Gründungsmitgliedern des heute noch bestehenden "Ateliers 90" an der Sutthauser Straße - und stellen endlich einmal wieder zusammen aus. Renate Michalik und Dorothea Neumann sorgen so für eine Wiedervereinigung im Kleinen.

Immerhin vertritt Renate Michalik nun die Bezirksgruppe Osnabrück im Bund Bildender Künstler (BBK), während ihre seit 1990 in Potsdam ansässige Kollegin Neumann jetzt für die Brandenburger BBK-Gruppe dabei ist. Die Ausstellung als Ost-West-Kulturaustausch? Ein bisschen schon. Denn über alle Gemeinsamkeiten hinweg - Michalik wie Neumann setzen Fundstücke in ihre Werke ein - spiegeln sich in ihren Arbeiten auch unterschiedliche Erfahrungskontexte und Sichtweisen.

Denn Dorothea Neumann nimmt die Sache mit dem Fundstück ganz wörtlich und trägt in den Straßen Potsdams seit Jahren zusammen, was die Zeitläufte bei ihrem schnellen Fluss an den Rand des Geschehens spülen. Alte Schiefertafeln und Löffel, Metallteile oder ein Autoreifen - die Künstlerin findet die Wirklichkeit im greifbaren Objekt. Renate Michalik dagegen fischt im Bilderstrom der Medienwelt und zieht auf großes Format, was Werbefachleute als Träume von einem schöneren Leben zum Bild werden lassen.

Unterschiedliches Material, zweierlei Kunst: Während Dorothea Neumann ihre aus allerhand Fundstücken gebaute "Siegessäule" mit einem grünen Ampelmännchen im DDR-Design bekrönt und so eine Persiflage auf fröhlichen Aufbau-Optimismus gestaltet, kreiert Renate Michalik mit "Grenzenlos" einen turbulenten Mix aus Reklamebildern, die um die leere Mitte des Konsumgetriebes kreiseln. Mögen solche Arbeiten auch fast beispielhaft Ost- und Westerfahrungen spiegeln - gemeinsam ist ihnen die Intention, gleich ganze Zeitstimmungen Gestalt werden zu lassen.

Absicht und Ausführung sind jedoch gerade in der Kunst zwei Dinge, die nicht immer zur Deckung kommen müssen. Die Ausstellung im "Kunst Quartier" zeigt dies mit Arbeiten, die ihre Stärken haben und zugleich ihre Grenzen nicht verbergen können. Dies betrifft nicht allein das äußere Format von meist additiv gefügten Werken, denen eine Bedeutsamkeit aufgeladen wird, die sie mit ihren künstlerischen Möglichkeiten einfach nicht einlösen können. Das betrifft vor allem eine Kompositionsweise, die das Fundstück nicht immer überzeugend in einen künstlerischen Zusammenhang einfügt. Bei Dorothea Neumann bleiben beiläufige Dinge oft nur, was sie sind, wenn sie schlicht auf Bildträger aufgebracht werden. Und Renate Michalik hat ihre liebe Mühe, nicht nur eine geradezu globale Themenvielfalt, sondern auch den Mix der Materialien und Darstellungsweisen halbwegs im Rahmen einer stringenten Gestaltung zu halten. Gleichviel: Die Ausstellung erzählt eine andere, spannende Geschichte - die von zwei Freundinnen, die nach Jahren der Trennung wieder die Nähe ausprobieren.


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