Französische Tragikomödie Herb, trocken und schwer: „Saint Amour - Drei gute Jahrgänge“


Osnabrück. In der französischen Tragikomödie „Saint Amour – Drei gute Jahrgänge“ begibt sich Gérard Depardieu mit Benoît Poelvoorde und Vincent Lacoste auf einen weinseligen Selbstfindungstrip durch Frankreich. 

Herb, trocken und schwer: Nach diesen Weinkategorien ließen sich auch die drei Protagonisten des Films charakterisieren. Um drei Männer, Wein und Humor geht es nämlich in der französischen Tragikomödie „Saint Amour – Drei gute Jahrgänge“ des Regieduos Benoît Delépine und Gustave Kervern.

Schauplatz Pariser Agrarmesse: Während Altbauer Jean (Gérard Depardieu) seinen Zuchtbullen trimmt, liefert sich sein erwachsener Sohn Bruno (Benoît Poelvoorde) handfeste Besäufnisse durch die Weinstände des Messegeländes – sofern er sich nicht gerade mit Kumpel Thierry im Ferkelgehege austobt. Dritter im Bunde ist der junge Taxifahrer Mike (Vincent Lacoste), der das ungleiche Vater-Sohn-Gespann auf eine weinselige Odyssee zwischen Rhonetal und Bordeaux kutschieren darf.

Vorliebe für derben Humor

Handfest geht es zu in der Tragikomödie, mit der das Regieduo Benoît Delépine und Gustave Kervern („Mammuth“) einmal mehr seine Vorliebe für derben Humor unter Beweis stellt. Für die brachialen Anteile zuständig ist vor allem der belgische Komiker Benoît Poelvoorde als Bruno: Der beherrscht vom Komasaufen bis zur finalen Scham nicht nur sämtliche Trunkenheits-Stufen, sondern lässt sich unter dem Vorwand einer Hausbesichtigung schnell mal von einer sexy „Maklerin“ verführen. Den jungen Mike zieht es hingegen in diversen Ortschaften zu verflossenen Liebschaften. Für leise Momente sorgt Gérard Depardieu: Der schwergewichtige Mime und passionierte Weingutbesitzer berührt als trauernder Witwer, der auf die Mailbox seiner verstorbenen Frau spricht oder mit dem vom Landleben angeödeten Sohn ins Gespräch kommen will. In einer Szene, in der Jean sich die Sorgen der jungen Kellnerin Jennifer (Soléne Rigot) anhört, wirkt der weißhaarige Bauer geradezu verletzlich weich.

Die „Obelix-Seite“

Seine „Obelix-Seite“ zeigt er an einem Hotelbuffet, wo er sich reichlich mit Würsten bedient. Dass er dabei mit einer reiferen Dame ins Gespräch kommt, mit der er bald nicht nur die Teller, sondern auch das Hotelbett teilt, gehört zu den zahlreichen „Episoden am Rande“ des Films, die wohl den Roadmovie-Charakter verstärken sollen. Dazu gehört auch ein Gastauftritt von Schriftsteller Michel Houellebecq („ Unterwerfung“) als Herbergsvater mit herrlich stumpfer Buster-Keaton-Mimik. Dazu kommt die klassisch inspirierte Filmmusik von Sebastian Tellier, die die Schönheit der französischen Weingebiete unterstreicht.

Ihre Erfüllung finden Jean, Bruno und Mike schließlich in einem lauschigen Baumhaushotel. Dorthin gelotst werden sie von einer rothaarigen Amazone mit dem bezeichnenden Namen Venus (Céline Sallette). Die macht nicht nur auf dem Pferd vor dem Eiffelturm eine gute Figur, sondern zeigt den drei Weinkennern die Vorzüge weiblicher Lieblichkeit. Fazit: Für Fans weinseliger Männerträume ist der Film im Ansatz trocken-herb, im Abgang lieblich-süffig.


„Saint Amour – Drei gute Jahrgänge“. F 2016. R: Benoît Delépine, Gustave Kervern. D: Gérard Depardieu, Benoît Poelvoorde, Céline Sallette u.a. 101 Min. Ab 12 Jahren.

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