Film von Dani Levy Schräge Komödie: „Die Welt der Wunderlichs“


Osnabrück In seinem neuen Kinofilm „Die Welt der Wunderlichs“ kann sich Regisseur Dani Levy nicht zwischen Familienkomödie, Road-Movie und Mediensatire entscheiden.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, und ihre Behandlung mit der Droge Ritalin sorgen in zunehmendem Maß für kontroverse Diskussionen sowie wachsendes Misstrauen gegenüber der Pharmaindustrie. In manchen Komödien wird dieser Themenkreis aber auch schon mal zum Running Gag marginalisiert. So nun auch in Dani Levy s (Buch und Regie) neuestem Kinofilm „Die Welt der Wunderlichs“.

Der beginnt damit, wie der kleine Felix (EWi Rodriguez) unter lautem Beifall und Gejohle seiner Mitschüler seine Lehrerin in einem Schrank gefangen hält. Klarer Fall, dass Mutter Mimi (herausragend:  Katharina Schüttler ) umgehend beim Direktorium antanzen muss. Zum vierten Mal in diesem Monat! Das kostet sie den Job im Elektronikmarkt.

Total dysfunktional

Darüber hinaus wird sie von seltsamen Anrufen aus der Schweiz behelligt. Irgend jemand hat in ihrem Namen eine Bewerbung für die TV-Castingshow „Second Chance“ eingereicht. Die Produzenten wollen sie unbedingt haben. Vor allen Dingen auch deshalb, weil sie aus einer total dysfunktionalen Familie stammt.

Mimis bipolar veranlagte Mutter Liliane ( Hannelore Elsner ) hatte als Schlagersängerin vor vielen Jahrzehnten einen Hit. Vater Walter ( Peter Simonischek ) drängt darauf, aus der psychiatrischen Klinik entlassen zu werden. Schwester Manuela (Christiane Paul) ist ein egoistisches Miststück. Und Felix‘ leiblicher Vater Johnny (Martin Feifel), mit dem Mimi einst auch auf der Bühne stand, ist nur noch ein Wrack. Der kleine Felix weiß: „Ich bin nur ballaballa, weil du zu viel Drogen genommen hast.“ Gegen Mimis Willen folgt ihr die gesamte Sippe nach Zürich zu der TV-Show.

Mit seiner „Welt der Wunderlichs“ verhebt sich Levy am Versuch einer Groteske. Unterm Strich wirkt sein Film einfach nur unentschlossen. Die Geschichte beginnt als schrille, melancholisch gefärbte Familienkomödie, nimmt im Mittelteil eine Wendung zum Road-Movie und scheitert schließlich mit dem Versuch einer Mediensatire. Der finale Akt über die fiktive Casting-Show gerät viel zu bieder, brav und vordergründig, um den Medienzirkus auch nur ansatzweise bloßzustellen. Was bleibt, ist eine schräge Komödie um eine Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs.


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