Theatermuseum Hannover Schau erinnert an den Schauspieler Heinrich George


Hannover. Vor 70 Jahren starb Heinrich George – erstmals erinnert eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover an einen der größten und umstrittensten deutschen Schauspieler.

Wer das Theatermuseum Hannover betritt, blickt am Eingang auf ein riesiges Foto. Im Vordergrund sitzt die Schauspielerin Berta Drews inmitten ihrer Söhne Jan und Götz George . Im Hintergrund hängt ein Gemälde von Max Beckmann von 1935, das den Ehemann und Vater Heinrich George beim Theaterspielen darstellt. Mit seiner Leibesfülle und seinem Spiel drückt er die ihn umgebenden Personen an den Bildrand und thront über den vor ihm sitzenden Familienmitgliedern.

Ein Riese, an dem sich bis heute die Geister scheiden – das Foto ist die passende Einleitung für die gerade eröffnete Ausstellung „Heinrich George. Eine Begegnung“ über Leben und Schaffen eines der berühmtesten deutschen Schauspieler. Der brillierte in den 20er Jahren in seiner Theater-Paraderolle als Götz von Berlichingen, spielte in Döblins „Berlin Alexanderplatz“ den Franz Biberkopf, trat im Klassiker „Metropolis“ von Fritz Lang auf, wurde für Hollywood-Filme engagiert – und starb vor 70 Jahren im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen, in das er wegen seiner Hauptrollen in NS-Propagandafilmen sowie der Unterstützung des Nazi-Regimes gesperrt worden war.

Familienalben und Requisiten

„Bislang gab es keine Ausstellung über Heinrich George. Wir wollen das ändern“, sagt Carsten Niemann, Leiter des Theatermuseums Hannover. Hinter Vitrinen sind Familienalben mit Fotos zu sehen, die Eiserne Hand aus der Rüstung Götz von Berlichingens, Spazierstöcke, Hüte, Schallplatten, Theater- und Filmprogramme, Autogrammkarten. Dazu können Besucher Theater- und Filmaufnahmen auf sich wirken lassen und sich in Zeitungsartikel und Aufsätze vertiefen. Meistens sind es positive Theaterkritiken, die den 1893 in Stettin geborenen Georg Schulz unter seinem Künstlernamen Heinrich George als einzigartigen Vollblutschauspieler würdigen. In Hannover sind Theaterfotos und Plakate der Berliner Erstaufführung von 1924 mit George in dem Anti-Kriegsstück „Hinkemann“ von Ernst Toller zu sehen. Auch an die Filmrolle in „Dreyfus“ von 1930 wird erinnert, in dem George als Schriftsteller Emile Zola eine flammende Rede gegen den Antisemitismus hält.

„Eiserne Männlichkeit“

Wie kann so einer drei Jahre später in „Hitlerjunge Quex“ einen Kommunisten spielen, der zum Nationalsozialisten wird? Wie kann er in „Jud Süß“ von 1940 den Hass auf die Juden befördern? Wie kann er in „Kolberg“ kurz vor Kriegsende zum Durchhalten aufrufen? Am 17. April 1945, kurz nachdem britische Truppen auf Tausende von Toten bei der Befreiung des KZ Bergen-Belsen gestoßen sind, veröffentlicht der „Völkische Beobachter“ folgenden Appell Georges: „Mag die barbarische Zerstörungswut unserer Feinde die Denkmäler unserer vaterländischen Geschichte brandschatzen und vernichten, sie werden im Gedächtnis der Nation umso fester und unzerstörbarer fortbestehen. Unsere Zeit ist keine Zeit der Klage, sie ist eine von eiserner Männlichkeit.“

Tod in Sachsenhausen

In der Ausstellung wird weniger nach Erklärungen für diesen Wandel gesucht, sondern an bessere Zeiten Georges erinnert – und an sein Ende in Sachsenhausen. Nach 15 Monaten Lagerhaft stirbt er dort nach einer Blinddarmentzündung am 25. September 1946.

Der vor kurzem verstorbene Schauspieler Götz und der heute in Berlin lebende Fotograf Jan George erinnern in Filmausschnitten an verfolgte Schauspieler, denen ihr Vater Schutz geboten hat, an die Rehabilitierung Heinrich Georges durch Russland 1998 – andere Themen meiden sie. Götz George dazu: „Und die ganze politische Situation vom Vater, dass er sich weit aus dem Fenster gelehnt hat, interessiert mich nicht. Ich will einfach diesen großen Menschen und vor allem den Künstler sehen.“


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