Premiere des Kinderstücks „Der dicke Sternschnuppe“ im Theater Osnabrück

Sie halten zusammen: Johanna Franke als Schnuppy, Jost op den Winkel als Rudy und Benjamin Werner als Hamster. Foto: Uwe LewandowskiSie halten zusammen: Johanna Franke als Schnuppy, Jost op den Winkel als Rudy und Benjamin Werner als Hamster. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Autorin Julia Penner und Regisseur Philipp Moschitz ergänzen sich ideal beim Erzählen des berührenden Kinderstücks „Der dicke Sternschnuppe“ im Emma-Theater der Städtischen Bühnen Osnabrück. Am Samstagnachmittag wurde es uraufgeführt.

Eigentlich liegt Julia Penners Stück „Der dicke Sternschnuppe“, mit dem sie den 2. Preis beim zweiten Durchgang des Osnabrücker Dramatikerpreises gewann, ein trauriger Stoff zugrunde: Die Mutter vom Jungen Rudy ist vor einiger Zeit gestorben. Weil aber sein Vater Martin nicht mehr über sie redet und auch alle Fotos von ihr weggestellt hat, hält es Rudy einfach nicht mehr aus und ist mit seinem liebsten Kuscheltier-Hamster abgehauen.

Mit zwei selbst gebackenen Kirschmuffins und einem Foto als Lockstoff wartet er nun in der Nacht auf eine Sternschnuppe. Die doch bekanntlich Wünsche erfüllt: Die Mutter soll vom Himmel zurückkehren. Doch dann kracht da ein so netter Sternschnuppen-Junge von der Milchstraße, glüht und raucht noch ein Weilchen – und ist noch viel pummeliger und hilfsbedürftiger als Rudy. Sodass der gar nicht anders kann, als zu helfen. Denn Schnuppy will möglichst schnell verglühen, weil alle anderen Sterne immer über sein Ungeschick lachen.

Hamster macht mit cooler Sonnenbrille und Longdrink auf beinharten Trainer. Rudy und Schnuppy hüpfen, und strampeln, bis die Pfunde schmelzen. Zwischendurch schafft Schnuppy schon mal eine Flugrunde über Osnabrück, und die drei sausen in Filmsequenzen übers Theater, den Piesberg und sogar die New Yorker Freiheitsstatue. Vermutlich, weil die so ähnliche Zacken an sich hat wie Schnuppy.

Die neuen Schauspieler Jost op den Winkel, Johanna Franke und Benjamin Werner im Kinder- und Jugendtheater „Oskar“ spielen Rudy, Schnuppy und Hamster, aber auch den Vater (Benjamin Werner) und die Patentante Carlotta (Johanna Franke) total überzeugend und bewundernswert natürlich. Johanna Franke schafft es, wie ein Junge zu sprechen und sieht mit ihrer übergroßen Brille auch so aus. Ein Lob auch für Elisabeth Benning, die mit pfiffigen Details in Bühnenbild und Kostümen für ein wenig Verglüh-Atmosphäre sorgt. Das gilt auch für den Gifhorner Musiker Billy Ray Schlag mit seinen wunderschönen Sphärenklängen. Nichts ist schräg, hektisch oder intergalaktisch laut im Bühnenspiel – was für eine Erholung von Filmen wie „Star Wars – Angriff der Klonkrieger“ , der mehr etwas für Neunjährige sei, heißt es augenzwinkernd im Text.

Nur der Hamster, dem Benjamin Werner eine leicht bräsige Stimme verleiht, darf maulen, mosern und als fieser, geldsüchtiger Entführer querschießen, weil er eifersüchtig ist auf Rudys neuen Freund. Hamster ist halt schon ausgewachsen und hat die Hintergedanken und Strategien aus der Erwachsenenwelt voll drauf. Dagegen hilft nur: Offen aussprechen, was man fühlt.

Diesen herzerwärmenden Grundton von Julia Penners Stück trifft der junge Regisseur Philipp Moschitz haargenau. Er lebt und arbeitet momentan vorwiegend in München, ist aber in Osnabrück auch mit ersten Schauspielrollen am Theater aufgewachsen. Mit Julia Penner und Philipp Moschitz haben sich anscheinend die zwei Richtigen gefunden: Beide erzählen mit so einfachen wie klugen Mitteln und sprühender Lebendigkeit eine Geschichte, die im „großen Universum des Herzens“ etwas zurechtrüttelt, die Kraft gibt, dass am Ende alles wieder gut werden kann. Bei großem Kummer und Stress kann es auch mal vorkommen, dass ein Kuscheltier spricht. Solange Eltern das verstehen und so toll mitspielen wie in Philipp Moschitz’ einfach genialem Schluss, ist alles in Ordnung.

Auch der begeisterte Premieren-Schlussapplaus legte nahe: Dieses so einfache und doch tiefgründige Stück hat das Zeug dazu, von anderen Bühnen nachgespielt zu werden.


Weitere Aufführungen: Mi., 28., Do. 29. und Fr., 30. September jeweils um 9 Uhr und 11.30 Uhr. Kartentel. 0541-7600076

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