Rätselhafte Salamander-Comics Warum darf Salamander Lurchi nicht mehr nackt sein?

Ein Held dank Salamander-Schuhen: die Comic-Figur Lurchi. Illustration: Heinz Schubel, „Lurchis Abenteuer“, Band 1, Esslinger VerlagEin Held dank Salamander-Schuhen: die Comic-Figur Lurchi. Illustration: Heinz Schubel, „Lurchis Abenteuer“, Band 1, Esslinger Verlag

Berlin. Jahrzehnte lang trug Lurchi nichts als seine Salamander-Schuhe. Inzwischen ist der Comic-Held, der nächstes Jahr den 80. Geburtstag feiert, eingekleidet. Wieso?

Sie fordern keine Gage, sie leisten sich keine Skandale und stecken voll kultureller Bedeutungen: Tiere sind ideale Werbeträger. Auf dieser Seite lüften wir die Geheimnisse von sechs Klassikern – vom Kampf des Esso-Tigers mit seinem Kellogg’s-Kollegen bis zur Frage, warum der Trigema-Affe kein Trigema-Shirt trägt.

Lurchi, der Nacktwanderer unter den Comic-Superhelden

Seit 79 Jahren trommelt der Comic-Star Lurchi in paargereimten Versen für Salamander. Und das effektiver, als alle Stars aus Sport und Entertainment es könnten. Denn den Hut mal ausgenommen, trägt der Feuersalamander nichts anderes am Leib als sein solides Schuhwerk! Das stimmt allerdings nur, wo vom Original die Rede ist. Wer heute auf Lurchis Website klickt, erblickt einen schamhaft eingekleideten Schwanzlurch. Der ängstliche Relaunch aus dem Jahr 2000 ist einer der vielen Irrtümer in Lu rchis wechselvoller Geschichte. Denn wenn die Comics eins deutlich gemacht hatten, dann dies: Wer Salamander-Schuhe trägt, braucht keine andere Kleidung mehr. Lurchi haben sie nicht nur Medaillen in diversen olympischen Disziplinen eingebracht. Mit gut geschnürten Schuhen hat er auch eisenbeschlagene Türen eingetreten, Freunde aus Kaktuswäldern gerettet und beim Weltraumeinsatz die Schwerelosigkeit überlistet. (Wer hat das Walross Antje aus dem NDR-Logo vertrieben?)

Die ersten Lurchi-Verse stammten vom Konzernchef

Wie groß die Not auch ist, immer gilt: „Lurchi aber hilft im Nu. Er hat Salamander-Schuh. Diese sind, das weiß ein jeder, aus besonders gutem Leder.“ In brenzligen Fällen rüstet der Nacktwanderer unter den Superhelden deshalb auch seinen gesamten Freundesreis mit Schuhen aus. Der Markenname wird dabei auf fast jeder Seite erwähnt und stets farbig hervorgehoben. Und am Ende jedes Abenteuers erschallt der Jubelruf: „Von Ferne tönt es lange noch: Salamander lebe hoch!“ Die Begeisterung, mit der ein Fabrikant hier sein eher dröges Produkt zum Actionstar für Grundschüler stilisiert, ist entwaffnend. Besonders wenn man weiß, dass der Chef persönlich den Comics die Leidenschaft eingepflanzt hat: Die ersten fünf Hefte (1937–1939) dichtete der Salamander-Generaldirektor Alex Haffner. (Lügt der Duracell-Hase? Attacke vom Energizer-Bunny)

Salamander-Mysterium: Wer ist Lurchis Erfinder?

Wer die Figur grafisch gestaltet hat, ist bis heute ein Geheimnis. Einer versteckten Signatur zufolge, könnte der anonyme Künstler Pinder geheißen haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedenfalls werden seine fünf Ursprungshefte von Heinz Schubel neu gezeichnet. Der Grafiker prägt ab 1952 mit dem Texter Erwin Kühlewein Lurchis klassische Phase. Nach 20 Jahren und 52 Heften kommen ab 1972 etliche neue Zeichner zum Zuge, die mitunter nur einzelne Hefte betreuen, in schwankender Qualität. Das Durcheinander der Publikationsgeschichte sorgt für eine Überlieferung voller Raritäten, die Lurchi auch für Sammler attraktiv macht. Für Leser ist er es sowieso immer geblieben. Seit 2008 legt der Verlag Esslinger die Geschichten des Feuersalamanders wieder auf. Gerade sind die ersten beiden Sammelbände in einer Doppelausgabe erschienen. 336 Seiten kosten 14,99 Euro. (Bärenmarke: Wieso braucht der Bär den Retro-Look?)



Schwarz-gelb das Bein, gelb-schwarz die Hand,

so ist uns dieser Held bekannt.

Zuhaus ist er in Schuhgeschäften,

wo er in schönen, grünen Heften

alltäglich stürzt ins Abenteuer –

vom Raumschiff bis zum Ungeheuer.

Zwei braune Schuh, ein grüner Hut,

mehr trägt er nicht, ihm steht das gut.

Jedoch: Wie nennt sich dieser Mann, da?

Gestatten, Lurchi Salamander!

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