Wie gut ist Joseph Gordon-Levitt? Stones „Snowden“: Eine Heldengeschichte ist zu wenig

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Ausbruch aus dem System: Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden. Foto: Universum FilmAusbruch aus dem System: Joseph Gordon-Levitt als Edward Snowden. Foto: Universum Film

Berlin. „Snowden“ im Kino: Oliver Stone hat Edward Snowdens Leben verfilmt. Mit europäischem Geld wird das Biopic zum Plädoyer in einer inneramerikanischen Debatte – als vehement formulierte Heldengeschichte.

In den USA hat Oliver Stone seine Snowden-Biografie nicht finanzieren können. Gedreht wurde deshalb in München, mit europäischen Geld. Entstanden ist dabei allerdings ein Film, der sich um so vehementer an das amerikanische Publikum richtet – an eine Öffentlichkeit also, in der über die Frage nach Heldentum oder Verrat des Whistleblowers noch heftig gerungen wird. Stones „Snowden“ geht als leidenschaftliches Plädoyer in diese Debatte. Er zeichnet das Bild eines Patrioten, der sich für die Ideale seiner Nation geopfert hat – gegen den Widerstand der eigenen Regierung.

„Snowden“: Selbstopfer aus Vaterlandsliebe

Stone beginnt im Jahr 2013 bei Snowdens Treffen mit den „Guardian“-Reportern Ewen MacAskill und Glenn Gleenwald und Laura Poitras, deren Doku „Citizenfour“ 2015 den Oscar holte. In diesem Rahmen entfaltet „Snowden“ seine die Geschichte wie eine Lebensbeichte, die der reale Whistleblower am Ende mit einem Auftritt vor der Kamera legitimiert. Schon der Beginn akzentuiert die Vaterlandsliebe des Protagonisten: Snowden wird Soldat, um im Irak zu kämpfen. Als er sich in der Ausbildung beide Beine bricht, wechselt der hochbegabte Informatiker zur CIA, ausdrücklich, um seinem Land auf andere Weise zu dienen. Beide Motive ziehen sich durch den Film: Im Flirt mit seiner Freundin steht Stones Snowden so fest zu seinen Idealen wie im Streit über die Verfassungsmäßigkeit seiner Geheimdienstarbeit. Und wenn er für seine Überzeugungen sein bürgerliches Leben aufgibt, ist das nur das größte von vielen Opfern. Snowden hat sich nicht nur die Knochen gebrochen, sondern auch als Epileptiker den Dienst über die Gesundheit gestellt. („Snowden“-Star Joseph Gordon-Levitt im Interview)

Was taugt Josep Gordon-Levitt als Snowden?

Dem Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt gelingt es dabei in einer detailverliebten Anverwandlung, seine Figur als den scheuen Überzeugungstäter zu zeigen, der aus Interviews bekannt ist. Stone unterstützt dessen Verantwortungsethik dabei mit allen Kunstgriffen der filmischen Rhetorik. Die Dialoge wägen Freiheit gegen Sicherheit ab und entkräften den Irrtum vom ehrlichen Bürger, der nichts zu verbergen hat. O-Töne von Obama und Trump dienen der Selbstentlarvung. Montagesequenzen im Stil Michael Moores geben dem Publikum sogar reines Faktenwissen mit. Im Finale schreitet Snowden zum feierlichen Klang von Streichern ins Abendlicht, in seinen Augen leuchtet die Gewissheit, das Richtige getan zu haben.

Oliver Stone vs. John Oliver: Wer fasst Snowden besser?

Das alles ergibt eine gut erzählte Heldengeschichte. Und die muss gerade denen zu wenig sein, die sich schon vorher zu Snowden bekannt haben. Die NSA-Schnüffelei ist skandalös, natürlich, aber ist die Veröffentlichung Tausender sensibler Dokumente die richtige Antwort darauf? Hat Snowdens Einsatz die breite Masse der Amerikaner überhaupt erreicht? Vor einem Jahr brauchte der US-Satiriker John Oliver nur eine Viertelstunde mit Snowden, um die Komplexität von dessen zweifellos mutigen Tat herauszuarbeiten. Oliver Stone bleibt in der Bewunderung für seinen amerikanischen Helden 135 Minuten lang in empörter Schwarz-weiß-Malerei stecken.

„Snowden“. USA/D 2016. R: Oliver Stone. D: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley. 135 Minuten, ab 6 Jahren.



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