Stadt und Strand, Kunst und Küche Ausflugstipp Aarhus: Kopenhagens coole Schwester

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Aarhus. Aarhus. Immer wieder Aarhus. Die Redaktion des Lonely Planet kürte die dänische Stadt jüngst zu einem der Top-10-Ziele in Europa. Das Magazin National Geographic nahm sie in die Liste der Orte auf, deren Bewohner weltweit am meisten Grund zum Glück haben - neben Koh Samui, Kuala Lumpur und Auckland. Und für das nächste Jahr erhielt Aarhus den Zuschlag als europäische Kulturhauptstadt. Was ist dran am Hype um die Ostsee-Stadt im nördlichen Jütland? Die NOZ hat nachgesehen.

Stadtbild: Schön. Hypermoderne Architektur, gemütliche Gassen mit Kopfsteinpflaster und Stockrosen, Kaufmannshäuser aus der Gründerzeit und Relikte aus dem Mittelalter - Aarhus bietet alles, und zwar eingerahmt in sanfte Hügel und romantische Buchenwälder, während an der Küste Steilufer und Strand ostseetypisch lieblich wechseln. Tipp: Die Stadt ist klein, der Verkehr entspannt. Erkunden lässt sich Aarhus daher bequem mit dem Auto, aber auch ein Fahrrad zu leihen ist wegen der kurzen Wege eine gute Alternative.

Hafenviertel: Cool. In manchen Küstenstädten sieht man das Wasser kaum. Industrieanlagen versperren den Weg. Anders in Aarhus: Schon vor Jahren entschied die Stadtverwaltung, den Containerhafen aus der Stadt zu verbannen. Er wurde um einige Kilometer nach Süden verlagert. Stattdessen entstand eine direkte Verbindung von Stadtzentrum und Wasser und ein ganz neues Wohnviertel: Aahus {*d} mit einer spektakulären Architektur. Die Dänen planten den Bezirk mit ihrer eigenen Philosophie. Nobel-Appartments mit eigenem Bootssteg mischen sich mit Studentenheimen mit Photovoltaikfassade, Backsteinlofts mit neuen Sozialwohnungen. Tipp: Ganz auf der Spitze der Halbinsel lässt sich hinter der Wohnanlage „Eisberg“ (die sieht so aus, wie sie heißt) ein bisschen alternatives Christiania-Gefühl erleben: Die Bewohner des Viertels ziehen in einer gewaltigen Fläche von Holzkisten ihr eigenes Gemüse. Einfach mal durchspazieren.

Gastronomie: Genial. Dass dänische Köche etwas können, weiß man, seit das Noma in Kopenhagen Jahr für Jahr als weltbestes Restaurant gekürt wird. Aber auch abseits davon macht die bodenständige, köstliche Küche des Königreichs in ihrer modernen Variante Schlagzeilen. Alleine Aarhus hat drei Sternerestaurants. Traditionelle Produkte der Region kommen auf den Teller, saisonal ausgewählt, immer frisch und rustikal präsentiert. Da gibt es dann Makrelenmuß oder Tartar mit Gurke und Erbsen, immer wieder Beeren und jede Sorte von Kohl, das aber mit ungeahnter geschmacklicher Frische und Intensität - unbedingt probieren, ebenso wie zwischendurch ein Hot-Dog und Softeis mit Lakritz. Tipp: Das Langhoff og Juul bietet für Einsteiger in die nordische Küche eine passende Kombination von Qualität, Preis und Ambiente und verfügt über eine interessante Karte, ohne zu überfordern.

Leute: Modern. Aarhus‘ Szene und hervorragende Bildungseinrichtungen ziehen Menschen aus ganz Jütland und darüber hinaus an. Die 320.000-Einwohner-Stadt wächst schnell, zuletzt um bis zu vier Prozent im Jahr. Zunehmend kommen auch aus dem Ausland Studenten. Folge: Junge Menschen prägen das Stadtbild wie in keiner anderen dänischen Stadt. Für Jütland ist das zweischneidig. Während sich Aarhus zur coolen Festlandsschwester Kopenhagens mausert, leiden Industrie- und Mittelstädte wie Esbjerg, Kolding oder Hadersleben, um von den Dörfern an der unwirtlichen Nordseeküste ganz zu schweigen. Tipp: Gehen Sie ins Bürgerzentrum Dokk1. Hier haben die Dänen Bücherei und Gemeindeverwaltung zu einer Art sozialem Servicecenter kombiniert. Wer einen Pass braucht, kommt hierher, wer Informationen sucht ebenfalls, aus skandinavisch-stylishen Sesseln lässt es sich auf das Kreuzfahrt-Pier blicken, es gibt ein Reparaturcafé und öffentlich zugängliche Nähmaschinen, und wenn im Krankenhaus ein Kind geboren wird, ertönt zur Feier der Schlag eines riesigen bronzenen Gongs, bedient per Ipad von der jungen Mutter. Das Gebäude illustriert die lebenswerte, modern-alternative Atmosphäre der Stadt beispielhaft.

Kultur: Sensationell. Das Kunstmuseum Aros hat weltweit einen guten Ruf. Die berühmte Regenbogen-Installation von Ólafur Elíasson auf dem Dach fasziniert vom Kenner bis zu Kindern jeden, der hindurchschreitet. Die Wechselausstellungen sind ebenfalls von Rang. Ein Klassiker der dänischen Museumslandschaft ist das Gamle By (Altes Städtchen). Vom mittelalterlichen Handelshof bis zur 70er-Jahre-WG sind hier stimmungsvoll alte Häuser und Wohnungen aus dem ganzen Land versammelt – kann man gut besuchen. Noch legerer geht es im Tivoli zu, einem traditionsreichen und stimmungsvollen Freizeitpark mit Stil und ohne viel Gedudel, in dem auch Konzerte stattfinden. Nächstes Jahr gibt es dann kein Halten mehr: Als Kulturhauptstadt klotzt die Stadt mit Festivals, Ausstellungen und Aktionen wie etwa einer großflächigen Freiluft-Version des Wikingerepos Röde Orm, inszeniert vom Königlichen Theater. Tipp: Ein Fest für Historien-Fans ist das etwas außerhalb gelegene Moesgård Museum für Ur- und Frühgeschichte. Didaktisch und fachlich absolut auf der Höhe nutzen die Ausstellungsmacher hier geschickt die Klaviatur digitaler Techniken in einer Weise, die funktioniert und nicht nur Sinn, sondern auch noch Spaß macht. Nur einen Hauch davon wünschte man sich auch in deutschen Häusern. Moesgård setzt Maßstäbe der historisch-musealen Präsentation.

Einkaufen: Schick. Dänisches Produktdesign ist vielfach preisgekrönt. Da sollten auch Shopping-Muffel einen Blick riskieren, zum Beispiel im mitten in der Fußgängerzone gelegenen Kaufhaus Magasin. Dessen Sortiment lässt nur wenige Wünsche offen. Im nahe gelegenen Latinerquartier finden sich individuellere Läden. Beliebt sind auch die dänischen Haushaltswarengeschäfte mit Produkten von beispielsweise Eva Solo, Georg Jensen und natürlich Royal Copenhagen.

Unterkunft: Äh ja. Hotels in Dänemark sind nicht billig. Die Preise können beim Doppelten dessen liegen, was man bei einer Städtereise in Deutschland zahlt. Die üblichen Anbieter sind natürlich auch in Aarhus vertreten. Abseits davon drei Tipps: Das Guldsmeden-Hotel ist wie die bekannten Kopenhagener Häuser dieser kleinen Kette stilvoll und immerhin halbwegs bezahlbar. Etwas außerhalb bietet das auch bei Dänen beliebte Hotel Marselis bei einem vernünftigen Preis aus jedem seiner etwas barocken Zimmer einen spektakulären Meerblick bei absolut ruhiger Lage - filmreif. Laufen am Strand oder eine Morgenrunde im Kajak sind hier kein Problem; der Stützpunkt der dänischen Renn- und Marathonkajaker liegt direkt vor der Tür. Budget-Angebote in absoluter Innenstadtlage unterbreitet das Cabinn-Hotel. Charme, Geräumigkeit und Ruhe sind hier allerdings ebenso wenig zu erwarten wie ein Parkplatz direkt vor der Tür.

Anreise: Entspannt. Einfach auf der A7/E45 ein paar Stunden nach Norden. Zumindest nördlich von Hamburg ist die Fahrt meistens staufrei. Anders als auf dem Weg nach Kopenhagen fallen keine Kosten für Fähre oder Brücke an. Tipp: Eine Fahrt nach Aarhus lässt sich gut mit einem Naturerlebnis an der Nordsee verbinden. Entweder gleich hinter der Grenze Richtung Rømø abbiegen, wo einer der breitesten Strände Europas mit dem Auto befahrbar ist. Oder von Aarhus aus einen Ausflug nach Norden machen, wo sich bei Skagen Nord- und Ostsee treffen und spektakuläre Dünengürtel beginnen. Auch an der Wikinger-Weltkulturerbestätte Jelling mit ihren Runensteinen und Königsgräbern kommt man bei Hin- oder Rückfahrt direkt vorbei. Möglich ist es natürlich ebenfalls, Aarhus vom Nordsee-Ferienhaus aus für eine Tagestour zu besuchen oder der Sommerhauswoche zwei oder drei städtische Tage vorzuschalten, bevor es in die Einsamkeit geht.


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