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So schlimm ist „Suicide Squad“ Suicide Squad: Eins, zwei, drei – Hirn zu Brei

Von Daniel Benedict


Berlin. David Ayers „Suicide Squad“ ist der schrecklichste Comic-Film seit Langem: Mit narzisstischen Super-Nervensägen kopiert der DC-Verlag Marvel.

Eins muss man an dieser Comic-Verfilmung bewundern: die Entschlossenheit, mit der David Ayer (Buch und Regie) die Ekelhaftigkeit seiner „Suicide Squad“ in immer neuen Selbstentlarvungen bloßstellt. Schon auf dem Plakat nennt er seine Stars zutreffend die „Worst.Heroes.Ever“ – also die schlechtesten Helden aller Zeiten.

Als psychopathische Antwort auf die jüngeren Selbstzweifel von Kino-Superhelden bündelt der Film eine Handvoll Superverbrecher zum Selbstmordkommando. Die Regierungsbeamtin Waller holt sie aus den Hochsicherheitstrakten des Landes, um sie in irgendeinem „dritten Weltkrieg der Meta-Wesen“ einzusetzen. Damit die Profi-Killer, Kannibalen und pyrokinetischen Feuermonster nicht aus der Reihe tanzen, bekommen sie Nano-Bomben in den Leib. Deren Funktionsweise erklärt der Führungsoffizier mit einem ADHS-sicheren Merkvers: „Ein, zwei, drei – Hirn zu Brei“. Besser kann man nicht zusammenfassen, wie dieser Film über volle zwei Stunden die eigene Oberflächlichkeit zelebriert – mit neonfarbenen Texteinblendungen, Tattoo-Orgien, goldenen Maschinengewehren, bewaffneten Stoffpandas und einem exzessiven Einsatz von Rock-Pop-Evergreens.

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Suicide Squad: Die Helden sind so eitel wir ihr Regisseur

Natürlich sind die Helden eines so selbstverliebten Films schwer gestörte Narzissten; mit Cara Delevingne stößt konsequenterweise sogar ein echtes Supermodel als Hexe zum Cast. Ihren eigenen Höhepunkt erleben die zwangsrekrutierten Supersöldner in einer völlig unironischen Sequenz, in der sie ihre kunterbunten Kampfmonturen anziehen dürfen. Mit Motto-Shirts („Daddy‘s Lil Monster“) und Accessoires wie einem Plüscheinhorn weist die Suicide Squad sich als Elite der Deko-Darsteller aus; wenn der Joker (Jared Leto) und seine Geliebte (Margot Robbie) dauergrinsend durch den Film schwirren, sucht man unwillkürlich nach einer Fliegenklatsche.

So hibbelig die Helden, so statisch ihr Abenteuer. Statt eine Story zu erzählen, schwärmt Ayers Buch nur von den Figuren: Immer wieder unterbricht es die Handlung für noch eine Anekdote aus der Vorgeschichte. Dabei wechselt der Tonfall zwischen schmierig und empörend: Will Smith arbeitet mit der Sorgerechtsschmonzette seines Profi-Killers Deadshot am Image als knuffigster Hollywood-Daddy. Was immer noch besser ist als die gewissenlose Backstory von Diablo: Der häusliche Gewalttäter leidet nach dem Mord an Frau und Kindern unter einer schweren Melancholie, die Ayer mit ungebrochener Anteilnahme zur Handlungshemmung nach dem Vorbild Hamlets ausbaut. „Das größte Problem der Meta-Wesen ist ihre menschliche Seite“, heißt es einmal. Tatsächlich fehlt den DC-Helden nicht nur eine ernstzunehmende Psychologie, sondern auch jeder Anflug einer Meta-Ebene.

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Launige Gewaltverherrlichung in „Suicide Squad“

Hochgradig gedankenlos ist auch der Umgang mit Gewalt: Ayers Verehrung des Militärs ist noch das Harmloseste. Bomben-Implantate handelt er genauso lässig ab wie das Niedermähen von Zivilisten, die eine böse Hexe in Soldaten verzaubert hat. Einmal erschießt die Regierungsvertreterin Waller für einen Gag sogar ihre eigenen Soldaten.

„Suicide Squad“ ist der dritte Film, mit dem der Comic-Verlag DC das Konzept der Marvel-Verfilungen nachahmt. Leider funktioniert es. Schon jetzt liegt das Einspielergebnis bei fast einer halben Milliarde Dollar – ungeachtet der vernichtenden Kritiken, die zumindest den Batman-Darsteller Ben Affleck zu beschäfigen scheinen. Nie sah er trauriger aus als auf dem roten Teppich der Londoner Premiere.