Könige versteckt im Schummerlicht Hohenzollerngruft im Berliner Dom vor Sanierung

Von dpa

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Berlin. Im Untergeschoss des Berliner Doms ruhen fast 100 Angehörige der Hohenzollern-Dynastie. Dahin muss man aber erstmal finden. Sollte es demnächst mit der Renovierung klappen, könnte noch ein prominentes Familienmitglied dazukommen.

Der Weg zu den Königen führt durch ein enges Treppenhaus in die Tiefe: Wer im Berliner Dom zur Grabstätte der Hohenzollern will, muss suchen. Von der prunkvollen Erhabenheit anderer royaler Ruheorte ist nichts zu spüren – kein Pomp wie in der Wiener Kapuzinergruft, keine Monumentalität wie im Pantheon in Madrid. Wer in Berlin die Särge toter Fürsten sehen will, muss an den Toiletten und dem Technikraum vorbei.

Jetziger Zustand sei unwürdig

Geht es nach der Kirchengemeinde im Herzen Berlins, soll im „Petersdom“ des deutschen Protestantismus die Grabstätte der Preußenkönige bald in neuem Licht erscheinen. Immerhin ruhen im Keller der einstigen Staatskirche fast 100 Hohenzollern, darunter der erste Preußenkönig Friedrich I., seine zweite Gattin Sophie-Charlotte und der Große Kurfürst, auch bekannt als Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688).

Mehr als 700 000 Menschen besuchen den Dom jedes Jahr. Nach der für 2019 vorgesehenen Eröffnung des Berliner Schlosses rechnet die Domverwaltung mit einem weiteren Schub. Die Vorstellung, dass sich die Massen dann noch immer durch das enge Treppenhaus zwängen müssen, graust Svenja Pelzel. Sie leitet das Renovierungsprojekt.

Der jetzige Zustand sei unwürdig, sagt sie. Der Zugang erinnere an den Weg in einen Heizungskeller. Der Umbau solle mehr Platz schaffen. Der riesige Raum unter der neobarocken Kirche liegt in schummrigem Licht, die Hinweisschilder sind nur mit sehr guten Augen problemlos lesbar. „Zu dunkel, zu feucht, zu warm“, bringt Pelzel den Zustand der königlichen Grablege auf eine knappe Formel.

Gruft spiegele Heiratspolitik der Preußen wider

Pelzel erhofft sich für die Renovierung die Unterstützung der Politik – „immerhin ist das ein Ort der deutschen Geschichte“. Die Dom-Gemeinde hat dafür gute Karten. Wenn schon das Hohenzollern-Schloss wieder aufgebaut wird, warum soll dann nicht auch die Ruhestätte ihrer Erbauer hergerichtet werden?

Bis jetzt stehen dort schmucklos hinter kniehohen Gittern in Reih und Glied 94 Sarkophage aus Holz, Zink und Marmor. Sie waren als persönliche Denkmäler für die Nachwelt gedacht. In einer Krypta steht der weiße Sarg der „Namenlosen Prinzessin“. Die Enkelin von Kaiser Wilhelm II. starb ungetauft am Tag ihrer Geburt am 4. September 1915.

Die Domgruft zeichne den Weg des brandenburgischen Landesstaats zur europäischen Macht nach, schreibt der Historiker Wolfgang Neugebauer (Humboldt-Universität) in einer Expertise. In der Gruft spiegele sich die Heiratspolitik der Preußen wider. Über konfessionelle und politische Grenzen hinweg hätten sie ein europäisches Netzwerk geknüpft.

Auch der Zustand der Gruft ist Konsequenz der deutschen Geschichte. Bei einem Luftangriff 1944 brannte die Kuppel des Doms aus, die Reste stürzten in die Tiefe. Dabei wurde der Holzsarg von Königin Elisabeth Christine (1715-1797) zerstört, der Gemahlin Friedrichs des Großen (1712-1786). Mit dem Abriss der Denkmalskirche, dem nördlichen Teil des Doms, wurde noch dazu der ursprüngliche Zugang zur Gruft verbaut. Zu DDR-Zeiten waren die Särge der ungeliebten Feudalherrscher in einem Nebenraum aufgestapelt, 1999 wurden sie mit dem Dom-Wiederaufbau wieder an ihrem Originalort aufgestellt.

Unterstützung durch Sponsoren nötig

Die Renovierung kann die rund 1600 Mitglieder zählende Domgemeinde aus eigener Kraft nicht stemmen. Die Summe liegt im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Besonders teuer wäre der barrierefreie Zugang. Zwar verlangt die Kirche für den Besuch Eintritt. Auch die Vermietung für Konzerte und Staatsakte füllt die Kasse und trägt zum Jahresetat von 5,6 Millionen bei. Doch das Geld wird für Betrieb und Erhalt gebraucht. Unterstützung erhofft man sich ebenfalls von Sponsoren, auch von den Hohenzollern-Nachfahren und dem Land Berlin. Aus dem Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) wurde bereits Bereitschaft zu einer Mitfinanzierung geäußert.

Dombaumeisterin Charlotte Hopf lobt die Bausubstanz der von 1894 bis 1905 errichteten Kirche am Lustgarten. „Beste wilhelminische Technik“, sagt sie. Mit der Erneuerung der Gruft wolle sich die Kirche mit der hochwertigen Architektur der Nachbarschaft annähern – der Museumsinsel und dem Berliner Schloss.

„Soldatenkönig“ könnte umziehen

Die renovierte Ruhestätte soll aber kein „Gruftmuseum“ werden, sagt Pelzel. Mit einer geschickten Lichtführung sollen die Särge angestrahlt werden, der Marmorboden, der zur Zeit noch das Licht Decke reflektiert, soll matt werden. Darüber spreche man mit dem Denkmalschutz.

Und ein neuer Gast könnte dazu kommen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten habe signalisiert, dass sie der Überführung von Friedrich Wilhelm I. (1688-1740), dem „Soldatenkönig“, von der Potsdamer Friedenskirche zu Ehefrau und Kindern im Dom zustimmen könnte. Von Kaiser Wilhelm II., dem letzten Hohenzollern-Herrscher, will der Dom indes nichts wissen. „Der ist politisch zu umstritten“, sagt Pelzel. In 100 Jahren könne man vielleicht wieder darüber reden.


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