Rassentrennung und Rassenwahn Biopic über Jesse Owens nicht immer gelungen

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Osnabrück Dem historischen Bio-Pic über die Teilnahme des Ausnahmeathleten Jesse Owens bei den Olympischen Spielen 1936 mangelt es an einer klaren Handschrift.

Boykottieren oder nicht? Beim Amerikanischen Olympischen Komitee kochen die Wellen im Vorfeld der Olympischen Spiele 1936 hoch. Angesichts der bereits kurz nach dem Machtwechsel erkennbaren massiven Judenverfolgungen in Nazi-Deutschland könne ein freies Land wie Amerika doch niemals das Image der Hitler-Diktatur mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin aufpolieren, argumentieren die Boykott-Befürworter, allen voran Jeremiah Mahoney ( William Hurt ). Sein schärfster Gegner in dieser Frage, Avery Brundage ( Jeremy Irons ), holt das bis heute gültige Totschlagargument Nummer Eins aus der Tasche: Politik habe im Sport doch nun wirklich nichts zu suchen!

Nazi-Spiele 1936

So zu sehen in einer frühen Schlüsselszene des Filmes „Zeit für Legenden – die unglaubliche Geschichte des Jesse Owens“. Und obwohl es mal mehr, mal weniger unterschwellig immer auch um sportpolitische Fragen vor dem Hintergrund der Nazi-Spiele von 1936 und die schon damals nicht immer rühmliche Rolle teils korrupter Funktionäre geht, steht tatsächlich das legendäre Ausnahmetalent Jesse Owens im Mittelpunkt der Handlung.

Die erzählt vordergründig zunächst einmal mit den Mitteln eines typischen Sportlerdramas den raschen Aufstieg des Ausnahmeathleten Owens (Stephan James), dessen väterlicher Coach und Förderer Larry Snyder ( Jason Sudeikis ) ihm zur Zeit der US-amerikanischen Rassentrennung tatkräftig zur Seite steht. Die weitere Geschichte ist bekannt. Der Afro-Amerikaner düpiert schließlich den Rassenwahn seiner Gastgeber und sichert sich gleich vier Goldmedaillen bei den Nazi-Spielen.

Passable Sportlerbiografie

Hinter der passablen Sportlerbiografie steckt das erkennbare wie ehrenwerte Bemühen, die Ereignisse in ein gesellschaftshistorisches Gewand zu kleiden, das unsere Gegenwart spiegeln soll. Während Owens‘ Landsleute den Rassenwahn der Nazis lauthals ablehnen, sieht der sich auch nach seinem olympischen Erfolg dem gesellschaftlichen Gift der Rassentrennung ausgesetzt.

Leider gelingt Regisseur Stephen Hopkins keine klare Handschrift. Es finden sich ein paar gelungene Schlüsselszenen, in denen er seine Intention ausdrückt. Aber an anderen Stellen wirkt sein Film mit dem im Original doppeldeutigen Titel „Race“ (für „Rennen“ sowie „Rasse“) plakativ bis peinlich. Und die von zweifelhafter historischer Ignoranz geprägten Sequenzen mit Leni Riefenstahl (Carice von Houten) und Joseph Goebbels (Barnaby Metschurat in seiner mit Abstand schlechtesten Rolle) sind einfach nur zum Fremdschämen.

Gekürzte Synchronfassung

Die deutsche Synchronfassung wurde um eine Viertelstunde „in Abstimmung mit Produktion und Regie“ gekürzt, wie der Verleih mitteilt. Das betrifft vor allem jene Sequenzen, in denen „Riefenstahl für Goebbels übersetzt, was in der deutschen Fassung aus Gründen der Sinnhaftigkeit wegfallen musste“, so die Begründung der Verleihfirma. Das nimmt dem Film immerhin ein paar Peinlichkeiten der Originalfassung, in der die Riefenstahl schon beinahe in die Rolle einer klammheimlichen Widerstandskämpferin gerückt wird.


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