Sieben Spots zum 80. Geburtstag Yves Saint Laurent - ein Mythos der Mode

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Paris. Am 1. August 2016 wäre Yves Saint Laurent 80 Jahre alt geworden. Sieben Gründe dafür, warum der Créateur immer noch ein Mythos der Mode ist - von „Opium“ bis Safari-Look.

„Opium“ – das Narkotikum unter den Parfüms

Ein Duft wie ein weiter, wärmender Mantel: „Opium“ umhüllt mit einer weich fließenden Wolke aus allen Aromen des Orients von Sandelholz bis Zimt. Fruchtaromen dämpfen die Schwere dieser dunkel schimmernden Komposition, ohne etwas von ihrer samtigen Fülle zu nehmen. Yves Saint Laurent platziert „Opium“ 1977 auf dem Markt und landet mit diesem Duft einen Klassiker des Parfüms, der es vielleicht sogar mit Chanels „No. 5“ aufnehmen kann. Der Name bringt dieses Parfüm anfangs in Verruf. Saint Laurent wolle mit „Opium“ tatsächlich zum Drogenkonsum animieren, klagen Kritiker. Dabei hat der Duft sein eigenes Suchtpotenzial. Er macht Lust darauf, sich selbst neu zu erfinden. Diese Botschaft verstehen die Frauen mitten in der Aufbruchsstimmung der siebziger Jahre bestens. „Opium“ verführt zum selbstbestimmten Leben. Hier weiterlesen: YSL - ein Film über den Star der Haute Couture .

Der Créateur ist nackt!

Das hatte vor ihm kein Modeschöpfer gewagt: 1971 präsentiert sich Yves Saint Laurent auf der Werbung für „YSL pour homme“, seinen ersten Herrenduft, splitternackt. Er trägt seine dunkle Designerbrille, sonst nichts. „Er wollte schockieren“, erinnert sich später Modefotograf Jeanloup Sieff, der das legendäre Foto schießt. Yves Saint Laurent trägt sein Haar lang, dazu einen Drei-Tage-Bart. Sieff, einer der großen Könner der Modefotografie, modelliert den Körper des 35 Jahre alten „YSL“ perfekt heraus. Unten drei dunkle Lederkissen, oben der runde Lichtschein um den Christuskopf – Sieff führt kluge Bildregie, um den Créateur, halb Christus, halb Adonis, zur Erlöserfigur zu stilisieren. Ein bisschen ist er das mit seinem Coming Out ja auch. Saint Laurent bekennt sich zu seinem Partner Pierre Bergé und zu seiner Homosexualität. Hier weiterlesen: Der Anzug von James Bond - der Osnabrücker Maßkonfektionär Henning Tepe .

YSL weiß, was Models wünschen

Naomi Campbell, Jerry Hall, Laetitia Casta: Drei Namen, dreimal ein großer Klang. Diese drei Supermodels verbindet eines – der enge Bezug zu Yves Saint Laurent. Dieser Modeschöpfer sieht es als seine Aufgabe, zu erspüren, was Frauen wünschen, was sie ersehnen. Das gilt auch für seine Models. „YSL“ schreibt mit seinen Kreationen nicht nur Modegeschichte, er hilft auch wesentlich mit, die Ära der Supermodels zu prägen. Dieses Verdienst teilt er sich mit jenem Créateur, der zuerst sein Freund und dann sein schärfster Konkurrent ist, mit Karl Lagerfeld. Yves Saint Laurent machte Models zu Königinnen des Laufstegs. Kein anderer Modeschöpfer paltziert und protegiert Models mit afrikanischen Wurzeln so nachdrücklich. Sein Votum gilt der absoluten Schönheit, mag sie weiß oder schwarz sein. Hier weiterlesen: Das Pariser Grand Palais zeigt Jean-Paul Gaultier.

Mit dem Gespür für die Kunst

Mode ist für Yves Saint Laurent keine Kunst. Aber der Modeschöpfer sieht sich selbst als Künstler. „YSL“ versteht sich als Kreativen und besetzt damit früh eine soziale Rolle, die heute richtig en vogue ist. Deshalb erkennt er, dass Mode und Kunst eigentlich Geschwister sind. „YSL“ flaniert durch das Riesenreich der Künste. Und er kauft Kunst. Gemälde von Picasso und Braque, Matisse und Klee, dazu Kunsthandwerk. Hunderte Objekte aus seinem Besitz werden nach seinem Tod im Jahr 2008 versteigert. „YSL“ findet in der Kunst Themen seiner Mode. Er entwirft das Mondrian-Kleid nach den geometrischen Bildern von Piet Mondrian, er bringt eine Picasso-Kollektion heraus und macht Kleider im Look der Romanwelt von Marcel Proust. „YSL“ denkt in Themen und Stilen und avanciert damit zum Klassiker der Mode – als Kunst. Hier weiterlesen: Klassiker der Modefotografie - Düsseldorf zeigt Horst P. Horst .

Von Damen-Smoking bis Safari-Look

Jeder Modeschöpfer von Rang landet einen Klassiker, der zunächst Stoff für Skandale gibt. Yves Saint Laurent macht da keine Ausnahme. Er lanciert in den sechziger Jahren den Smoking für die Dame und schockiert mit transparenten Blusen, die ohne Unterwäsche zu tragen sind. Zeitgleich mit der Erfindung des Minirocks Anfang der sechziger Jahre definiert „YSL“ so die Frau fast im Alleingang neu. Er agiert als Türöffner für eine neue Körperlichkeit der Frau, er ermutigt sie zu Selbstentwürfen jenseits streng kartierter Geschlechterklischees. Und er erfindet danach Mode als Kaskade aus lauter Wunderwelten. „YSL“ kreiert die „Schiwago-Kollektion“, er schickt die Damen mit seinem „Safari-Look“ auf die Reise, hüllt sie mit Gewändern voller Anspielungen an einen Orient der tausend Träume in immer neuen Luxus. Hier weiterlesen: Warum Designer Alexander McQueen in den Kulturkanon gehört .

Catherine Deneuve – seine große Muse

Am Ende fängt sie ihn ganz einfach auf. Yves Saint Laurent geht am 22. Januar 2002 seinen schwersten Gang. Im Foyer des Kulturpalastes Centre Pompidou richtet er ein Defilee der Superlative als Retrospektive auf sein Werk aus – und tritt ab. Nach den Models tritt er auf den Laufsteg und geht, sichtlich verunsichert, auf Catherine Deneuve zu. Die Actrice hat gerade zu seinen Ehren gesungen. Dann nimmt sie ihn, gemeinsam mit Laetitia Casta, einfach in die Arme. Der Zauberer der Haute Couture, er kann nicht mehr. Zuvor strahlt Catherine Deneuve jahrelang als Sonne in jenem femininen Universum, dem „YSL“ mit seinen Kreationen so genial einfühlsam Leben und Rhythmus eingehaucht hat. Die Deneuve trägt Saint Laurents Kleider in ihren berühmtesten Filmen, sie ist seine Muse. Als geheimnisvollste aller Frauen fasziniert sie „YSL“ vor allen anderen. Hier weiterlesen: Beispiel Handtasche - Künstler gestalten für Modelabel.

Rive Gauche – Haute Couture für alle

Yves Saint Laurent bricht in seiner Karriere manches Tabu. 1966 begeht er in den Augen vieler Puristen der Mode das größte Sakrileg. Mit seinem Konzept der „Rive Gauche“-Boutiquen verschwistert er Haute Couture und Konfektion. Kein anderer Modeschöpfer vor ihm hat diesen Schritt gewagt. Ist das die große Mode für jedermann? Ein wenig schon. „YSL“: Das Label avanciert zum Signet für Parfums und Accessoires. Den Chic der großen Couture gibt es nun auch als Duft, Handtasche oder Sonnenbrille. Ende der siebziger Jahre gibt es weltweit über 170 dieser Boutiquen. Saint Laurent macht Mode damit zum großen Thema für die Medien, die Massen. Auch wenn es die Shops nicht mehr gibt – Artikel der „Rive Gauche“-Kollektion werden bis heute verkauft. Hier weiterlesen: Nostalgie pur - ein Lob auf die Espadrilles.


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