Beispiele von Beuys bis Christo Kunst: Was ist eigentlich eine Installation?


Osnabrück. „Forma Forma“ heißt die Riesen-Installation in der Kunsthalle Osnabrück. Aber was ist eigentlich eine Installation? Eine kurze Reise durch ein zentrales Stück Gegenwartskunst.

Gregor Schneider ist der Meister der gebauten Beklemmung. Zur Ruhrtriennale 2014 will er am Duisburger Lehmbruck-Museum ein begehbares Tunnelsystem errichten. Dem Oberbürgermeister Sören Link (SPD) ist das zu viel Suspense. Er sagt das Projekt ab. Die Begründung: In der vom Loveparade-Unglück gebeutelten Stadt sei ein Kunstwerk, das mit bedrängender Raumenge arbeite, nicht zu vermitteln. Bei einer Massenpanik in einer Unterführung waren bei der Loveparade 2010 in Duisburg 21 junge Leute zu Tode gekommen. Mit der Absage hat die Ruhrstadt 2014 ihren handfesten Kunstskandal. Hier weiterlesen: „Forma Forma“ - darum geht es bei der Installation in der Kunsthalle Osnabrück.

Alle Grenzen aufgehoben

Und dies umso mehr, als Gregor Schneider ein Star jener Kunstform ist, die seit Jahren für Begeisterung und Befremden gleichermaßen sorgt. Diese Kunstform ist die Installation. Sie hebt die Grenze zwischen Raum und Kunst, Betrachter und Raum auf. Die Installation erhebt einen im Extremfall totalen Anspruch. Denn sie macht nicht nur buchstäblich alles von Objekt bis Raum zu ihrem Material, sie holt auch den Besucher radikal in die Kunst hinein. Installationen wollen nicht nur betrachtet sein, sie wollen erfahren, ertastet, erfühlt, erwandert, erkundet werden. Diese Kunstwerke appellieren an alle Sinne des Menschen. Hier weiterlesen: Der Haustechniker der Kunsthalle Osnabrück - Wilfried Wienstroer im Porträt.

Ein ganzes Haus als Kunstwerk

Gregor Schneider baut seit 1985 sein Elternhaus in Mönchengladbach-Rheydt zu einem Kunstwerk um. Er fügt in das Einfamilienhaus ein ganzes System künstlicher Räume, toter Gänge, überraschender Türen. Mit einem Haus im Haus verwandelt Schneider das Gebäude in eine Installation. „Haus u r“, so der Name des mehrjährigen Projektes, gehört zu den Klassikern der Gegenwartskunst, Gregor Schneider ist inzwischen vielfach geehrt, unter anderem mit dem Goldenen Löwen der Kunstbiennale von Venedig. Sein Werk hat Schule gemacht. „Forma Forma“, die Riesen-Installation, die David Rauer und Joshua Sassmannshausen in der Kunsthalle Osnabrück errichten, wäre ohne das Vorbild Schneiders wohl kaum denkbar. Hier weiterlesen: Was bleibt von der Projektwoche „24/7“ in der Kunsthalle Osnabrück.

Kunst auf Expansionskurs

Installationen beziehen den Raum ebenso mit in die Kunst ein wie unübersehbare viele Materialien. Mit der Installation befindet sich die bildende Kunst auf rasantem Expansionskurs - und das seit Jahrzehnten. Schon 1923 verwandelte Kurt Schwitters seine Wohnung in Hannover in den „Merzbau“, eine über die Grenzen des Ateliers hinaus wuchernde Materialinstallation. Zur gleichen Zeit experimentiert Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy mit seinem Licht-Raum-Modulator, einem Projektionswerk, das den Raum in Lichtwirkungen auflöst. Viele Künstler folgen diesen Vorbildern. Hier weiterlesen: Fragen und Fakten: Was sind eigentlich die „Skulptur-Projekte“ in Münster?

Räume von Joseph Beuys

Große Rauminstallationen prägen die Kunst der Gegenwart. Die von Joseph Beuys eingerichteten Räume wie „Palazzo Regale“ oder „Zeige mir Deine Wunde“ sorgten seinerzeit für handfeste Skandale. Louise Bourgeois hat Räume installiert, die mit ihren Möbeln, Puppen, Stoffen und Objekten wie böse Träume erschrecken. Jason Rhoades besetzt ebenso ganze Räume mit seinen Total-Installationen wie der Schweizer Thomas Hirschhorn, der zuletzt in der Kunsthalle Bremen eine ganze Galerie als Kunstruine gestaltete. Minimal-Art-Klassiker Dan Flavin, der Lichtkunstwerke aus Leuchtstoffröhren komponiert hat, benutzte den Begriff „Installation“ als erster Künstler 1967 und brachte damit eine ganze Strömung der Gegenwartskunst auf den Begriff. Hier weiterlesen: DJ der Bilder - der Künstler Olaf Breuning .

Künstliche Wasserfälle

Fast alles kann heute eine Installation sein. Installationen besetzen vorhandene Räume oder kreieren eigene Räume. Sie können in die Natur ausgreifen oder als Skulpturen erscheinen. Es gibt Video-Installationen und Ansammlungen aus lauter Fundstücken. Olafur Eliasson etwa hat in New York 2008 künstliche Wasserfälle installiert. Und Christo ließ mit seinen „Floating Piers“ 2016 Hunderttausende über den Wasserspiegel des italienischen Iseo-Sees wandeln. Installationen haben längst spektakuläre Ausmaße erreicht. Sie verwandeln ganze Lebensumgebungen und stehen oft genug für die ganze zeitgenössische Kunst selbst - als Spektakel und Rätsel, Event und Verunsicherung. Hier weiterlesen: Der Streit um die Volksbühne Berlin - ein Krieg der Künste?


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