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Bernadette Knollers „Ferien“ „Ferien“: Wie viel Buck steckt im Debütfilm seiner Tochter?

Von Daniel Benedict


Berlin. „Ferien“ ist der erste Spielfilm von Detlev Bucks Tochter Bernadette Knoller. Wie viel Buck steckt in ihrem Debüt?

Nach dem juristischen Staatsexamen ist Vivi auf dem besten Weg in eine Karriere als Staatsanwältin. Mit ihrem Freund dekoriert sie daheim gerade die gemeinsame Wohnung. Alles sieht nach einem Musterstart ins Erwachsenenleben aus – aber genau das scheint sie nervös zu machen. Im Gerichtssaal hat die Juristin einen Nervenzusammenbruch, ihren Freund serviert sie ab – und am liebsten würde sie jetzt wieder bei ihrer bei Mutter einziehen. Weil die allerdings keinen Platz mehr für das Kind hat, nimmt Vivi eine Auszeit auf einer Nordsee-Insel.

Worum geht‘s in Knollers „Ferien“?

Provinz statt Metropole, Pausieren statt Voranpreschen, Lebenserfahrung statt Erfolg: In ihrem Abschlussfilm „Ferien“ verweigert die Regisseurin Bernadette Knoller alles, was das Zeitalter der Selbstoptimierung für ein gelungenes Leben vorschreibt. Auf der Insel konfrontiert sie Vivi mit Menschen, die keinen Erwartungsdruck ausüben – weil sie selbst alle auf die ein oder andere Weise mit dem Scheitern vertraut sind. Biene, bei der Vivi sich einquartiert, wurde gerade von ihrem gesamten Bastelkreis verlassen, weil ihre Kreativideen zu langweilig waren. Bienes 13-jähriger Sohn muss mit ansehen, wie sein akribisch errichteter Werkzeugschuppen in Flammen aufgeht. Und Otto, bei dem die Aussteigerin anheuert, führt ein Geschäft für unverkäufliche Waren, geht rätselhaften Forschungen nach und träumt von einem Durchbruch als Wissenschaftler.

In der Absurdität der Figurenzeichnung steckt mal gekonnte Übertreibung, mal ist sie einfach nur ein bisschen unglaubwürdig. Aufgefangen wird das von durchweg guten Schauspielern wie Inga Busch als Biene und – verblüffend talentiert – dem Schriftsteller Ferdinand von Schirach als Otto. Die Hauptrolle von Vivi übernimmt Britta Hammelstein (Til Schweigers „Tatort“-Kollegin) und legt sie als Teenager im Körper einer Erwachsenen an. (Toni Erdmann: Wie reagiert das Publikum auf den Cannes-Liebling?)

Wie viel Buck steckt im Knoller-Debüt „Ferien“?

Die Insulaner lassen Vivi sein, wie sie ist. Nur einer will hartnäckig was aus ihr machen: der mitgereiste Vater. Den spielt Detlev Buck, der im wirklichen Leben der Vater der Regisseurin ist. Wer nach seinen Erbanlagen im Werk der Tochter sucht, wird fündig: Den liebevollen Blick für Landeiner teilen beide genauso wie die Lust am lakonischen Knalleffekt: Gleich am Anfang knallt der Heldin eine tote Taube auf die Sahnewaffel, ohne das es sie groß irritieren würde. Was „Ferien“ vom etablierten Buck-Kosmos unterscheidet, sind die Independent-Gesten: Knoller folgt einer offenen Dramaturgie und setzt stark auf Stimmungen. Prägend ist dabei die Band A Key Is A Key , deren Songs nicht nur aus dem Off zu hören sind. In besonders lässigen Szenen stehen die Musiker einfach am Strand und singen mit Vivi zusammen. („Verräter wie wir“: Darum ist der Le-Carré-Thriller mit Ewan McGregor so schlecht)