Nach Jojo Moyes’ Bestseller Konventionelles Liebesdrama: „Ein ganzes halbes Jahr“

Von Wolfgang Mundt


Osnabrück. Lou (Emilia Clarke) wird Pflegerin des querschnittsgelähmten Will (Sam Claflin), der als reicher Banker das nette Mädchen von nebenan zuerst ablehnt. Die romantisch dramatische Komödie „Ein ganzes halbes Jahr“ nach der Buchvorlage von Jojo Moyes fasst ein heißes Thema an.

„The Buttered Bun“ – „Das gebutterte Brötchen“ – heißt das Café, in dem die schrille und naive Kleinstädterin Lou (Emilia Clarke) jobbte und in Leopardenfellmuster gekleideten Kundinnen kalorienreichen, bunten Kuchen anbot. Wir befinden uns in einem britischen Bilderbuch-Dorf. Lou wird entlassen und findet einen neuen Job als Unterhalterin des depressiv-aggressiven Will (Sam Claflin), eines querschnittsgelähmten ehemaligen Londoner Bankers. Zynisch ist er, seit er als Folge eines Verkehrsunfalls vor zwei Jahren im Rollstuhl sitzt. Seinem Yuppie-Leben wurde ein jähes Ende gesetzt. Da kommt ihm die bunte und quirlige junge Frau aus der Unterschicht als eine neue Zielscheibe seiner schlechten Launen gerade recht.

Wie der „Bridget Jones“-Charakter Lou es trotz alledem schafft, sich nicht unterkriegen zu lassen, und dem reichen, aber unglücklichen Will wieder etwas Lebensfreude zu erschaffen, beleuchtet diese Verfilmung des seit 2012 kommerziell sehr erfolgreichen Romans „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes. Wenig überraschend hat die Regisseurin Thea Sharrock ihren Erstling als romantisches Liebesdrama angelegt, in dem Orte wie Burgen, Traumstrände und gut gebaute sportliche junge Männer nicht fehlen dürfen. Doch auch eine echte Arthaus-Perle, der Film „Des Hommes et des Dieux“ – „Von Menschen und Göttern“ – darf der unbedarften Lou die Augen auf die Welt öffnen!

Nur leider ist ihre Figur extrem eindimensional angelegt. Von Anfang bis Ende bleibt sie das kleine Dummerchen, das alles für ihre Familie tut und einen debilen Sportfreak als Freund hat. Ihre immer gleiche, irgendwie auch niedliche Mimik zeigt keinerlei charakterliche Entwicklung. Hauptdarstellerin Emilia Clarke (bekannt aus „Game of Thrones“) ist blass, trotz ihrer herrlich anzusehenden farbenfrohen Outfits. Und trotz der dramatischen und diskussionswürdigen Thematik im Hintergrund.


Ein ganzes halbes Jahr. USA 2015. R: Thea Sharrock. D: Emilia Clarke, Sam Claflin, Jenna Coleman,

Janet McTeer, Charles Dance. 111 Minuten. Ab 12 Jahren.

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