Kunst für Emoji-Generation DJ der Bilder: Düsseldorf zeigt Olaf Breuning

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Düsseldorf. Olaf Breuning fragt nach der Identität der Smartphone-Generation. Dafür kombiniert er Picasso mit Emojis. Das NRW Forum Düsseldorf zeigt die Retrospektive.

Ist das nun der Höhenrausch des Kitsch, die Riesenrutsche des Konsums oder einfach Warhol reloaded? Olaf Breuning quirlt Klassiker der Kunstgeschichte und Emoji-Gesichtchen zu Bildern, die das Lebensgefühl der Smartphone-Generation treffen und obendrein noch so schick aussehen, dass sie auch auf dem Kunstmarkt glänzend reüssieren. Mit seiner „Sand Sculpture“, einer Sphinx aus Sand, sorgte der 46 Jahre alte Künstler auf der Art Basel schon 2008 für Aufsehen. Kein Wunder: Breuning setzte der Skulptur einen riesigen Kopf mit einem Gesicht nach einem Motiv von Paul Klee auf und kombinierte so den Look des Easy Living mit einem starken Signal der Hochkunst. Das kommt an. Hier weiterlesen: Mit Christo auf den „Floating Piers“ .

Erste Retrospektive

Jetzt zeigt das Düsseldorfer NRW Forum die erste deutsche Retrospektive des vor allem in den USA bereits sehr erfolgreichen Schweizers, der zunächst als Fotograf begann und dann an der Hochschule für Kunst und Gestaltung in Zürich studierte. Rund 100 Werke formieren sich zu einem Streifzug durch alle Optionen alerten Samplings, das immer zu den entgegengesetzten Polen der hippen Zeitgenossenschaft und der kunsthistorischen Anspielung sorgfältig Kontakt hält. Wie bei der Sand-Sphinx wird Breuning so für junge Leute des Digitalzeitalters wie für solvente Kunstsammler in gleicher Weise lesbar. Eine clevere Strategie. Hier weiterlesen: NRW Forum zeigt Modefotografen Horst P. Horst.

High und Low

Entsprechend agiert Breuning wie ein DJ der Bildstrategien. Er samplet nicht einfach High und Low, er bringt vor allem Idiome der Kunstsprachen der Moderne neu in abgewandelten Umlauf. Beispielhaft verwirklicht der Künstler dieses Vorgehen in seiner Fotoserie „Art Freaks“ (2011), für die er Models bemalt hat - mal als wandelndes Picasso-Gemälde, mal als Mondrian-Muster oder Warhol-Mädchen. Einem Mann afrikanischen Ursprungs malte er sogar die Anglerweste und den toten Hasen von Joseph Beuys auf die Haut. Ist das nun gelungene Aktualisierung oder einfach nur plakatives Namedropping? Hier weiterlesen: Wieviel Smartphone vertragen die Museen?

Amüsante Gags

Bei Breuning bleibt diese Frage immer hübsch unentschieden. Er jongliert mit Anspielungen und tippt ernste Themen immer nur so weit an, dass sie noch als amüsante Gags verstanden werden können. So hat er afrikanische Jungen auf der Müllhalde fotografiert. Sie halten Dollarnoten in die Kamera, die sie zuvor von Breuning erhalten hatten. Ist das noch Zivilisationskritik oder schon abgebrühte Strategie, noch aus dem Slum-Foto schicke Hochglanz-Kunst zu produzieren? Wer sich daran macht, mit diesem Werk ethische Fragen des Kulturbetriebes beantworten zu wollen, verstrickt sich schnell in unlösbare Widersprüche. Hier weiterlesen: Wo bleibt die Aura der Kunst im digitalen Zeitalter.

Ästhetik der Smartphones

Dabei reflektiert Olaf Breuning genau jenen Wandel der Bildcodes und ihrer emotionalen Botschaften, die sich im Zeichen der Smartphone-Ästhetik gerade vollziehen. Breuning montiert Porträts von Menschen mit knallgelben Emoji-Gesichtern und dementiert so eine kulturgeschichtlich scheinbar fest verankerte Gewissheit - dass in Gesichtern wie in einem Buch der Seelenregungen gelesen werden könnte. Der Künstler eröffnet mit seinen Bildern einen Blick auf den Kreislauf der Selbstbefragung jener digital sozialisierten Generation, die sich bei der Frage nach Identität und Selbst auf ganz andere als die bisherigen Bildsysteme stützt. Hier weiterlesen: Ego Update - Selfie-Kult im NRW Forum .

Touristen als Clowns

Breuning macht bei diesem Bild-Sampling munter mit. Er setzt den Idolen der Osterinseln per Montage Hasenohren an die Riesenköpfe, er zerlegt auf einer winzigen Zeichnung Picassos Jahrhundertbild „Guernica“ in seine Bestandteile oder lässt in seiner Videoarbeit „Home“ clowneske Touristen durch entlegene Weltgegenden tappen. Die Welt ist bedrängend nah und zugleich beunruhigend fremd. Breuning löst keine Fragen, er reflektiert sie lieber. Das gilt auch für sein Foto von jungen Leuten, die auf Leitern emporsteigen und auf ihren Shirts mit „I wanna make it“ oder „Don´t give up“ die Slogans der Motivationsgesellschaft tragen. Wohin die Leitern eigentlich führen, bleibt offen. Irgendwie nach oben jedenfalls. Hier weiterlesen: Ist das Kunst? Streit um eine Lounge als Kunstwerk.


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