Aktuelles Projekt Galerie „hase29“ Osnabrücker Kuratorin Elisabeth Lumme im Porträt

Meine Nachrichten

Um das Thema Kultur Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. In unserer Serie „Wir bewegen Kultur“ porträtieren wir Menschen, die die Kultur in der Region voranbringen, ohne in der ersten Reihe zu stehen. Heute: Kuratorin Elisabeth Lumme.

Vorsitzende der neuen Gesellschaft für aktuelle Kunst ist Elisabeth Lumme erst seit Kurzem. Als Bewegerin der Osnabrücker Kulturszene treibt sie allerdings schon seit Jahren wichtige Entwicklungen mit voran. „Ich habe das nicht geplant“, sagt Lumme beim Gespräch in der Galerie „hase29“ in der Osnabrücker Hasestraße und sieht für einen Augenblick so in sich gekehrt aus, als würde sie über ihre Entwicklung zur Kuratorin und Organisatorin gerade selbst erstaunen. Hier weiterlesen: Erste Ausstellung in der Galerie „hase29“.

Neue Galerieräume

Dabei sind die neuen Galerieräume an der Hasestraße nur ihr jüngster Coup. Lumme hat als Projektleiterin das Skulpturenprojekt „Colossal“ gemanagt, das Jan Hoet 2009 zum Andenken an 2000 Jahre Varusschlacht kuratiert hatte. Lumme stieß gemeinsam mit Valerie Schwindt-Klevemann die Skulpturenausstellung „Konkret mehr Raum“ mit an, mit der die beiden Kuratorinnen im Verein mit Kunsthallen-Chefin Julia Draganovic 2015 zum ersten Mal seit Jahren wieder Kunst im Stadtraum erlebbar machten. Und ganz nebenbei macht Elisabeth Lumme auch noch Programm im Kulturzentrum Ruller Haus. Hier weiterlesen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst in Osnabrück gegründet.

Start als Künstlerin

Eine ganz schön volle Agenda, oder? Nicht für die 1959 in Melle geborene Kuratorin, die nach einem Studium der Kunst- und Literaturwissenschaft an der Universität Osnabrück zunächst beim Klangart-Festival in die Kulturarbeit einstieg. Es folgten Jahre, in denen Lumme als Künstlerin auf sich aufmerksam machte. Mit großen Objekten und Installationen war sie im Tuchmacher-Museum in Bramsche ebenso wie in der Kunsthalle Osnabrück präsent. Auch bei der „Arte Regionale“, einem seit Jahren entschwundenen Format regionaler Überblicksausstellungen, stand Elisabeth Lumme immer wieder auf der Künstlerliste. Hier weiterlesen: Künstler protestieren gegen Etatkürzungen in Osnabrück.

Abschied vom Atelier

Mit der „Arte Regionale“ verbindet Lumme aber auch eine folgenreiche Entscheidung. 2010 nahm sie an der letzten dieser Ausstellungen teil, um unmittelbar darauf ihre künstlerische Arbeit einzustellen und sich ganz für den Beruf der Kuratorin zu entscheiden. „Die Doppelbelastung war nicht länger durchzuhalten“, sagt Lumme und wirkt keinen Augenblick so, als habe sie den Abschied vom Dasein als Künstlerin bereut. „Ich organisiere gern“, sagt sie knapp und fügt an, was alle, die ihr begegnen, nur bestätigen können: „Ich mag das Gespräch.“ Eine Untertreibung? Hier weiterlesen: Krieg der Offenen Briefe - die Debatte um die Stadtgalerie.

Protest gegen Etatkürzung

Ganz sicher. Denn Elisabeth Lumme ist eine streitbare Person. Das stellte sie zuletzt bei der Kontroverse um die Osnabrücker Stadtgalerie unter Beweis. Im Dezember 2015 hatte der Stadtrat den städtischen Zuschuss für den Ausstellungsetat der Galerie gestrichen. Lumme organisierte umgehend Protestbriefe, brachte Künstler für einen demonstrativen Auftritt bei einer Sitzung des Kulturausschusses im Stadthaus zusammen. Lumme übte vehement Kritik – und legte dann den Schalter um. Gemeinsam mit anderen Protagonisten der Kunstszene gründete sie die Gesellschaft für zeitgenössische Kunst. „Wann, wenn nicht jetzt?“, sagte sie trotzig. Nun stellt die Gesellschaft in der Hasestraße aus. Und Osnabrück hat endlich einen Kunstverein, der diesen Namen verdient. Hier weiterlesen: Die Ausstellung „Konkret mehr Raum“ in der Bilanz.

„Kunst hat keine Lobby“

„Jetzt bin ich Vereinsvorsitzende“, sagt Lumme und schaut für einen kurzen Augenblick so, als wäre sie sich selbst ein Rätsel. Dabei hat gerade diese Frau eine sehr klare Sicht auf die Dinge, die sie interessieren. „Kunst ist ein Medium, um das Leben in all seinen Facetten zu erforschen. Kunst wirkt immer in das Leben hinein“, sagt Elisabeth Lumme und formuliert damit eine klare Philosophie. Die Kuratorin sieht Kunst nicht als Selbstzweck, sondern als Ausgangspunkt für Diskussionen über den öffentlichen Raum. Deshalb hat sie sich auch bei der Durchführung des Kunstprojektes „Konkret mehr Raum“ dafür entschieden, Michael Johanssons Arbeit „Public Square“ zu betreuen. Für die Installation, die der Objektkünstler aus altem Hausrat im Heger Tor passgenau aufstapelte, sammelte Lumme Objekte, organisierte die Mitarbeit von Osnabrücker Bildhauern und debattierte angeregt mit Passanten über die Frage: Ist das nun Kunst? Hier weiterlesen: „Konkret mehr Raum“ - der Osnabrücker Kunstparcours .

Nächste Aktivitäten

Das Engagement geht weiter. „Kunst hat keine ernsthafte Lobby in Osnabrück“, sagt Lumme und macht klar, dass sie an diesem Zustand unbedingt etwas ändern möchte. Elisabeth Lumme wird sich in die nächsten Aktivitäten stürzen. Denn für sie ist klar: „Stillstand halte ich nicht aus.“ Hier weiterlesen: Die Osnabrücker „VG-Initiative“ in zehn Fakten erklärt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN