Konzert im Osnabrücker Dom Domchor und Symphonieorchester gestalten „Die Schöpfung“

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Imposante Kulisse: Die Domchöre und das Osnabrücker Symphonieorchester bei Joseph Haydns „Die Schöpfung“. Foto: Thomas OsterfeldImposante Kulisse: Die Domchöre und das Osnabrücker Symphonieorchester bei Joseph Haydns „Die Schöpfung“. Foto: Thomas Osterfeld

Zum Saisonausklang hat das Osnabrücker Symphonieorchester einmal mehr mit den Chören des benachbarten Doms zusammengearbeitet. Das Ergebnis überzeugt auch diesmal: „Die Schöpfung“ wird zum bewegenden Musikerlebnis.

Am Anfang war das c. Einem Urknall gleich eröffnet es Joseph Haydns „Die Schöpfung“ und setzt das Werden der Welt in Gang. „Die Vorstellung des Chaos“ schrieb Haydn über diese Einleitung, und die Musikerinnen und Musiker des Osnabrücker Symphonieorchesters verstärken den Chaos unfreiwillig, weil sei sich erst allmählich, während der Ton verdämmert, aufs gleiche c einschwingen; so mikrotonal hat Haydn vermutlich nicht gedacht. Doch der reine Klang findet sich und prägt das letzte Sinfoniekonzert dieser Saison im Osnabrücker Dom. Weiterlesen: „Elias“ hat vor einem Jahr die Saison beschlossen

Feinsinnige Musik

In sehnsüchtig aufsteigenden und schmerzhaft fallenden Motive erzählt Haydn zu Beginn seines Oratoriums von den Geburtswehen der Welt. Die Violinen glänzen wie Seide, wobei die zweiten Violinen aus gutem Grund vorne, zur Rechten des Dirigenten sitzen: Sie tragen die gleiche Verantwortung wie die ersten. Zusammen mit Bratschen, Celli, Bässen entfaltet sich ein filigran gestaffeltes Klangbild, dem Holzbläser, Posaunen, Naturtrompeten und -hörner zusätzliche Tiefe verleihen. Schlank besetzt ist das Orchester, viel schlanker als das Uraufführungsorchester 1798. Und auch wenn Generalmusikdirektor Andreas Hotz selbst kammermusikalisch zarte Passagen mit großer Geste dirigiert, Einsätze oft ein bisschen heftig ins Orchester schnaubt: Letztendlich entsteht feinsinnige, fein gegliederte Musik. Kurz: Hotz haucht der „Schöpfung“ Leben ein.

Die Domchöre setzen klangliche Höhepunkte

Die klanglichen Höhepunkte in dieser Schöpfungsgeschichte setzt der Osnabrücker Dom- und der Jugendchor. Die - zumeist - jungen Sängerinnen und Sänger (Einstudierung: Domchorleiter Clemens Breitschaft) bejubeln die Schöpfungstage in glänzender Pracht, aber wenn Hotz sich hinter seinem Notenpult klein macht, schalten sie flexibel um auf ein tragfähiges, präzises Piano. Passagen schließlich, in denen sich die Stimmen eigenständig entwickeln, bestechen durch eine stimmige Balance zwischen Männern und Frauen. Und jeder Ton, jeder Klang sitzt, wo er sitzen soll. Weiterlesen: Der Domchor hat Musik eines Osnabrücker Komponisten ausgegraben

Vor allem aber trifft Hotz den Ton Haydns, der mittels höchster Kompositionskunst das Schwere leicht gemacht hat, den Witz, aber auch die präzise gesetzten klanglichen Effekte. Das Überraschungsmoment des gleißenden „und es ward Licht“ stellt sich allerdings ohne überdramatische Kunstpause ein; Hotz verlässt sich da ganz aufs strahlende Tutti aus Chor und Orchester. Ein bisschen Regie darf allerdings schon sein: Haydn mag mit dem Fortissimo des „Lichts“ das Licht der Aufklärung begrüßt haben; hier leuchtet das Kruzifix über dem Altarraum des Doms im Scheinwerferlicht. Barock inspirierter Polyphonie verleiht Hotz Tiefe, opernhaften Arien Heiterkeit, einem ausgedehnten Liebesduett zwischen Adam und Eva Idylle. Immer wieder treten die drei Gesangssolisten in intensiven Dialog mit dem Orchester; Flöte, Fagott, Klarinette, Oboe werden zum geistig und musikalisch wendigen Dialogpartner.

Bezaubernde Solisten, bezaubernder Abend

Großen Anteil am Gelingen dieses Abends haben schließlich die drei Gesangssolisten: Daniel Wagner vom Theater Osnabrück mit seinem schlanken Tenor, seine Kollegin Erika Simons mit leuchtenden Höhen, perlenden Koloraturen und einem bezaubernden Legato. Der Gast Matthias Winckhler schließlich rundet das Solistenterzett mit einem noblen Bariton ab, der als Raphael mit sonorer Autorität die Geschichte erzählt, im dritten Teil als Adam aber Eva sanft umschmeichelt – das reine Glück. Denn bei Haydn endet die Schöpfungsgeschichte vor dem Sündenfall. Und im Dom endet ein fantastischer Oratorienabend. Weiterlesen: „Die Schöpfung“ bei der Ruhrtriennale 2015


Wiederholung des Konzerts: Montag, 13.6., 20 Uhr im Osnabrücker Dom. Karten gibt es hier .

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