„Erlösung“ in der Kritik Adler-Olsens „Erlösung“: Dümmster Serienkiller-Film ever

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Berlin. Adler-Olsens „Erlösung“ ist einer der miesesten Krimis seit Langem. Regisseur Hans Petter Moland dreht sonst für die Berlinale. Sein Krimi um Kommissar Mørck ist allenfalls fürs Fernsehen geeignet.

Jussi Adler-Olsen hat über zehn Millionen Bücher verkauft. Hans Petter Moland, von dem die aktuelle Verfilmung „Erlösung“stammt, war wiederholt im Wettbewerb der Berlinale. Angesichts des aktuellen Falls von Kommissar Mørck begreift man beides nicht.

In Jussi Adler-Olsens „Erlösung“ ruft man „Erbarmen“!

Wenn man einen Film wie „Erlösung“ ansieht, fragt man unwillkürlich, wieso Skandinavienkrimis einen so guten Ruf haben. Teil 3 der Bestseller-Reihe von Jussi Adler-Olsen setzt einen stereotypen Serienkiller in eine Welt der Sekten-Klischees. Und auch wenn der Film den verworrenen Plot der Vorlage rigoros umschreibt, bleibt er krude genug, um selbst den Regisseur zu verwirren. Hans Petter Moland – sonst ein erprobter Lieferant sarkastischer Gangsterkomödien – liefert diesmal jedenfalls verschmocktes Pathos in TV-Ästhetik ab.

In welchem Fall ermittelt Kommissar Mørck in „Erlösung“?

Darum geht es: Eine blutige Flaschenpost bringt Kommissar Carl Mørck, Alder-Olsens Spezialisten für ungeklärte Altfälle, auf die Spur eines seit Jahren unentdeckten Kindsmörders. Auf blutigem Papier flehen zwei entführte Schüler um Hilfe, die zur Überraschung aller Beteiligten vor acht Jahren verschwunden sind, aber nie vermisst wurden. Wie kann das sein, fragt Mørcks Assistent Assad in der Schule der Entführten. Eine gute Frage, die der Film damit vom Tisch wischt, dass der Killer seine Opfer im Milieu freikirchlicher Glaubensgemeinschaften sucht. Gottesfurcht und Opferbereitschaft – so die These – sind in diesem Umfeld größer als die Sorge um das eigene Kind. (Jussi Adler-Olsen: Boykott-Aufruf gegen Stieg-Larsson-Fortsetzung)

Fundamentaler Atheismus: das krude Religionsbild von „Erlösung“

Sekten-Anhänger, Evangelikale und Zeugen Jehovas: In „Erlösung“ geht alles munter durcheinander und ist vor allem Vorwand für ausgetretene Erzählroutinen um weltabgewandte Verschlossenheit und frömmlerischen Sadismus. Das ist insofern besonders ärgerlich, als der Film sich ganz und gar dem Thema Religion verschreibt – und das nicht nur, weil man seine logischen Lücken nur durch blindgläubiges Gottvertrauen übersehen kann. Der Dialog thematisiert immer wieder jene Vorurteile gegen die Zeugen Jehovas, die der Film dann selbst bedient. Mørcks Ko-Ermittler wird als Moslem angefeindet. Und in den religiösen Grundsatzdebatten der Kommissare wird trotz ihres erbärmlichen Niveaus klar: Während Assad zumindest lose an irgendwelche höheren Mächte glaubt, ist Mørck ein fundamentaler Atheist, der erst am Ende der Geschichte eine Läuterung erlebt – vermutlich aus Wut über den religionskritischen Serienmörder. (Der Vorgänger war auch schon mies: Jussi Adler-Olsens „Schändung“)

Satans Sohn: Was taugt der Killer in „Erlösung“?

Denn auch der Killer ist ein Agent in Glaubensdingen, das aber mit negativem Vorzeichen: Er mordet als selbst ernannter Sohn Satans, um den Christen die Liebe zu Gott abzugewöhnen. Konsequenterweise verhaften die Ermittler ihn am Ende nicht, sondern ersäufen ihn einfach in der Nordsee. Die Sequenz greift Bilder einer Ganzkörpertaufe vom Filmanfang auf; und in dieser tödlichen Variante wird Polizeiarbeit zum Exorzismus.

Mit dem religiösen Budenzauber fahren Jussi Adler-Olsen, Regisseur Moland und der Drehbuch-Autor zwar schon mehr Unsinn auf, als für einen schlechten Film nötig ist. Aber es reicht ihnen nicht. Der Killer bekommt auch noch eine pseudopsychologisches Kindheitstrauma als Motivation, schert aus seinem viel beschworenen Tatmuster aber trotzdem gern aus, wenn die Kamera eine besonders theatral zugerichtete Leiche braucht.

Pål Sverre Valheim Hagen spielt den Mörder mit diabolischem Augenaufschlag. Nikolaj Lie Kaas als ebenfalls traumatisierter Ermittler Mørck kontert es mit depressivem Stirnrunzeln, aus dem er nur hin und wieder erwacht, um genialisch eine neue Spur zu wittern. Selbst die Hauptfigur ist ein Klischee. Jussi Adler-Olsens Reihe ist auf zehn Bücher angelegt. Bei dem Gedanken, dass demnach noch sieben Filme dieses Schlages folgen, bleibt nur eins: sich gründlich zu bekreuzigen. („Verräter wie wir“: Darum ist der Le-Carré-Thriller mit Ewan McGregor so schlecht)


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