Ausstellung 2017 in Münster „Skulptur-Projekte“ fragen nach öffentlichem Raum

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Münster. 600000 Menschen sollen 2017 die fünften „Skulptur-Projekte“ in Münster besuchen. Die Kuratoren planen mit 30 Beiträgen zu dem 1977 gegründeten Kunstformat.

Die fünften „Skulptur-Projekte“ werden zu einem kleinen Teil auch in Osnabrück geplant. Das verriet Kuratorin Marianne Wagner im Gespräch. Die Künstlerin Alexandra Pirici, die eine Performance im Friedenssaal des Münsteraner Rathauses vorbereite, werde in der Projektphase auch das Pendant, den Friedenssaal im Osnabrücker Rathaus, besichtigen. Bei der Aufführung sollen vier Performer täglich vier Stunden lang im Münsteraner Rathaus für Besucher ansprechbar und berührbar sein, sagten Wagner sowie Britta Peters und Kasper König, die gemeinsam das Kuratorenteam der „Projekte“ bilden. Der Künstlerin gehe es darum, Fragen des öffentlichen Raumes und der Hierarchien politischer Bedeutungen zu hinterfragen, sagte Wagner. Hier weiterlesen: „Skulptur-Projekte“ 2017 - neue Ideen für den Stadtraum .

Steyerl, Schneider, Erkmen

Neben Pirici werden mit Hito Steyerl, Gregor Schneider und Ayşe Erkmen mehrere veritable Kunststars mit künstlerischen Beiträgen in Münster präsent sein. Ayşe Erkmen, die bei den „Skulptur-Projekten“ 1997 Skulpturen aus der Sammlung des Landesmuseums per Helikopter über den Domplatz fliegen ließ, plant einen Unterwassersteg im Hafenbecken. Hito Steyerl zeigt im Lichthof des Landesmuseums eine Soundinstallation, die meist verwendete Internet-Begriffe wie „die“, „help“ oder „fuck“ aufgreifen soll. Einen Teil des Museums wird der bereits auf der Biennale von Venedig gefeierte Gregor Schneider in einen klaustrophobischen Wohnraum umbauen. Immerhin ein Drittel aller künstlerischen Beiträge werden Performances sein. Darin steckt eine klare Richtungsentscheidung des Kuratorenteams, das den klassischen Begriff der Skulptur damit weitgehend verabschiedet hat. Hier weiterlesen: Wie Frauen Kunst neu deuten - das Beispiel Marion Ackermann .

Frage nach öffentlichem Raum

„Globalisierung, Digitalität, Körper: Dieses Diskursfeld bildet den Hintergrund für unsere kuratorischen Planungen“, sagte Marianne Wagner im Gespräch. Die Frage nach dem öffentlichen Raum und seinem Wert soll wieder gestellt, dieses Mal aber anders gewichtet werden. Die Kuratoren wollen nach den Angaben die Frage nach digitaler Vernetzung und der Rolle der Zeit für das Lebensgefühl neu stellen. Andere aktuelle Probleme werden hingegen keine Rolle spielen. So gibt es offenbar kein künstlerisches Projekt zum Thema Flüchtlinge. Der amerikanische Künstler Jeremy Deller werde aber eine Arbeit beisteuern, die die Zerstörung von Kulturgütern in Syrien thematisieren werde, so Wagner. Hier weiterlesen: Einfach zu hässlich? Streut um Skulpturen von Henry Moore .

Mindestens 600000 Besucher

Cornelia Wilkens, Münsters Stadträtin für Kultur, schraubte zugleich die Erwartungen an die Besucherzahlen in die Höhe. Sie rechne mit mindestens 600000 Besuchern, womöglich auch mehr. Sie habe selbst erlebt, wie die einzelnen Ausgaben der „Skulptur-Projekte“ das Lebensgefühl einer ganzen Generation getaktet hätten, erinnerte Wilkens an die bisherigen Ausgaben der Ausstellung, die seit 1977 alle zehn Jahre in der westfälischen Metropole ausgerichtet wird. Kurator Kasper König hob das längst international beachtete Format gemeinsam mit Klaus Bußmann, dem damaligen Direktor des Landesmuseums, aus der Taufe. Hier weiterlesen: Kunststar Thomas Schütte baut sich eigene Ausstellungshalle.

36 Skulpturen noch im Stadtraum

Die Geschichte der „Skulptur-Projekte“ soll 2017 eine wichtige Rolle spielen. Im Museum werde zwar keine eigene Ausstellung ausgerichtet, der Bestand der 36 im Stadtraum verbliebenen Arbeiten der bisherigen „Projekte“ solle aber kritisch gesichtet werden, sagte Marianne Wagner. Die Kuratorin kündigte auch ein eigenes Forschungsprojekt zur Geschichte des Ausstellungsformates an. Im Archiv der „Projekte“ im LWL Museum sei eine Forschungsstelle geplant. Der Antrag auf eine Finanzierung aus Drittmitteln sei gestellt. Hier weiterlesen: Er veränderte die Bildhauerei - Nachruf auf Franz West.

Etat von 6,5 Millionen Euro

Die „Skulptur-Projekte“ 2017 werden mit einem Etat von derzeit 6,5 Millionen Euro geplant. Mit jeweils 1,5 Millionen Euro sind nach den Angaben von Projektleiterin Imke Itzen die Stadt Münster und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die größten Förderer. Die Sparkassen-Finanzgruppe steuert 1,1 Millionen bei. Eine weitere Million kommt von der Kulturstiftung des Bundes. Das Land Nordrhein-Westfalen gibt 600000 Euro, weitere Sponsoren 335000 Euro. Nach den Angaben der Veranstalter sollen 500000 Euro durch Eigeneinnahmen finanziert werden. Hier weiterlesen: Wie Kuratorinnen die Kunstwelt verändern .


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