Premiere am Theater Osnabrück. Gelungene konzertante „Elektra“

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Osnabrück. Rachael Tovey ist als Elektra eine Wucht, Lina Liu und Martina Dike vervollständigen das Frauentrio bei der Premiere am Theater mehr als überzeugend, und mit dem Osnabrücker Symphonieorchester als weiterem Hauptakteur wird ein wunderbares vierblättriges Kleeblatt daraus.

Sie ist dämonisch gleich zu Beginn in ihren blutrünstigen Fantasien, und nachdem ihr Bruder die in die Tat umgesetzt und die Mutter erschlagen hat, ist sie am Ende fast verklärt. Und zwischendurch gibt es sogar so etwas wie Zärtlichkeit, sofern das bei einer Frau wie Elektra möglich ist. All das zeigt Rachael Tovey , die Richard Strauss‘ Forderung nach der „allerhochdramatischsten Sängerin“ erfüllt, ohne dabei die Schönheit der Stimme zu verlieren, auch wenn man bei dieser Rolle natürlich keinen Belcanto erwarten darf. Hoch, laut und lang ist die Partie der Elektra, und da ist die Sopranistin schon eine Wucht.

Drei starke Frauen

Trotzdem ist es nicht allein Rachael Toveys Verdienst, dass sich diese „Elektra“ lohnt. Zwei weitere Rollen wollen gut besetzt sein und sind es auch. Lina Liu , die Osnabrücker Nachtigall, gleicht Toveys „allerhochdramatischsten“ Sopran als zarte Schwester Chrysothemis zur lyrischen Seite hin aus. Ihr gelingt das Kunststück, sich gegen das selbe, tosende Orchester mit sanften Klangfarben zu behaupten. Chrysothemis‘ starke Sehnsucht nach einem „Weiberschicksal“ bringt sie dabei ganz hinreißend zum Ausdruck.

Schließlich noch Klytämnestra. Es steht nicht fest, ob sie Elektra nicht den Rang als größtes Scheusal von Mykene abläuft. Strauss gab ihr zwar weniger Gelegenheit sich zu profilieren als ihren Töchtern, doch Martina Dike , wie Rachel Tovey als Gast im Ensemble, gelingt es dennoch. Jedenfalls vokal, denn trotz Mezzo-Lage ist dank gut fokussierter Stimme ihre Durchschlagskraft der ihrer Bühnenpartnerin durchaus ebenbürtig.

Hauptakteur Orchester

Männer haben in der „Elektra“ bekanntlich kaum etwas zu sagen. Der einzige, der mehr als etwa drei Töne singt, ist Orest, doch der bequemt sich erst eine gute halbe Stunde vor Schluss auf die Bühne. Rhys Jenkins färbt seine Partie dunkel und geheimnisvoll. Während er auf der Bühne steht, erreicht jedoch einer der zweifelsohne wichtigsten Akteure des Abends einen Glanzpunkt, und zwar das Osnabrücker Symphonieorchester. Das hat, obwohl es nicht die für die wenigsten Bühnen zu realisierende volle, sondern eine reduzierte Fassung spielt, unter der Leitung von Andreas Hotz bis dahin ordentlich Rabatz gemacht und viele Soli funkeln lassen. Doch nun, da auch Rachael Tovey wie bereits erwähnt in den zärtlichen Modus umschaltet, strahlt es mit warmen und üppigen Klängen.

Keine Requisiten

Die Osnabrücker Elektra kommt ohne Inszenierung und Regisseur aus, die Vorstellung ist konzertant. Trotzdem interagieren die Darsteller, es gibt wechselndes Licht (Uwe Tepe) und schlichte Kostüme (Linda Schnabel), aber kein Beil oder andere Requisiten. Das kann man sich so gefallen lassen, denn erstens inszenieren Regisseure ja ohnehin gerne andere Stücke als durch den Text vorgegeben, und zweitens passiert auch nicht viel. Die einzige Tat vollbringt Orest, und die sähe man ohnehin nicht. Nach seinem relativ kurzen Auftritt verschwindet er nämlich hinter der Bühne, um dort mal eben die Mutter um die Ecke zu bringen. Und die Bühne selbst – wie sollte sie wohl besser aussehen als bevölkert von einem groß besetzten Orchester?

Wer die Osnabrücker Elektra erleben möchte, sollte sich etwas sputen: Es gibt nur drei weitere Vorstellungen.


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