Ein Bild von Dr. Stefan Lüddemann
18.05.2016, 17:42 Uhr IN SCHIRACHS STÜCK „TERROR“

Henning Scherf als Richter auf der Theaterbühne

Kommentar von Dr. Stefan Lüddemann

Echter Politiker im fiktiven Gerichtsprozess: Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf (links) sitzt mit Schauspieler und Regisseur Christian Kaiser in Bremen bei einer Probe zu Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“ auf der Bühne. Foto: dpaEchter Politiker im fiktiven Gerichtsprozess: Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf (links) sitzt mit Schauspieler und Regisseur Christian Kaiser in Bremen bei einer Probe zu Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“ auf der Bühne. Foto: dpa

Bremen. Hennig Scherf spielt in Ferdinand von Schirachs Stück „Terror“. Aber was soll der Ex-OB auf der Bremer Theaterbühne? Packt er den Gewissenskonflikt des Stücks nicht in Konsenswatte?

Der Theaterabend führt zielsicher ins moralische Dilemma. Wer handelt, macht etwas falsch, unausweichlich. Das ist die bittere Lehre von Ferdinand von Schirachs „Terror“. Wie gut, dass in Bremen wenigstens Henning Scherf jedem Zuschauer, der später abstimmen darf, persönlich die Hand gibt und freundlich zuredet. Scherf, zwei Meter menschenfreundliche Konsenskultur, packt den Konflikt in die Watte seines besänftigenden Charismas. Und der Theatergänger fühlt sich wie der Anhänger des SV Werder, der weiß, dass es auch nach dem Beinahe-Abstieg des Bundesligisten mit dem lieb gewonnenen Trainer Viktor Skripnik weitergehen wird.

Ruhe bewahren, Kontinuität pflegen, Kurs halten: Das ist die Bremer Antwort auf Zuspitzungen aller Art. Statt einen Richter Gnadenlos gibt es mit Scherf auf der Theaterbühne einen weisen Ratgeber , statt kaltes Tribunal die obere Rathaushalle. Mehr Heimeligkeit geht kaum. Aber ist nicht genau das zu wenig für ein Konfliktstück, das in den kalten Lichtkegel gehört? Scherf lenkt vom Dilemma ab. Ein Zuspitzer wäre besser. Gregor Gysi, übernehmen Sie!


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