Buch von Charles Berberian „Cinerama“-Comic huldigt dem Kino

Von Tobias Sunderdiek

Im Fokus: Charles Berberian (links) 2012 auf einer Comicmesse in Frankreich. Foto: imago/PanoramiCIm Fokus: Charles Berberian (links) 2012 auf einer Comicmesse in Frankreich. Foto: imago/PanoramiC

Osnabrück. Ein unterhaltsamer Streifzug durch eine etwas andere Geschichte des Kinos ist Charles Berberians Buch „Cinerama“.

Comic-Verfilmungen gibt es viele. Aber Comics über das Kino? Und dann auch noch mit Geschichten über türkische Trashfilme , ägyptische Musicalstars oder Edwige Fenech, die ätherisch schöne Erotik-Königin des italienischen Giallo-Thrillers der 70er ? Das klingt zunächst abseitig, ist aber Gegenstand in „Cinerama“, eines Buches von dem dem französischen Comicautor Charles Berberian geworden.

Musikalische Romanzen

Wobei die „Auswahl der besten schlechtesten Filme der Welt“ (so der Untertitel), die hier nacherzählt werden, durchaus autobiografische Züge trägt. Geboren 1959 in Bagdad, verbrachte der Autor nämlich seine Jugend nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Kinos, wuchs dort mit Italowestern, japanischen Roboterhelden à la „Ultraman“ oder musikalischen Romanzen des ägyptischen Schnulzensängers Farid el Atrache auf. Dabei wird vor allem die Sicht des Heranwachsenden gezeigt: Sandalenfilme boten Action, waren also gut, während italienische Filme der 70er vor allem Sex und Gewalt zeigten, und eigentlich nicht für die Augen von Kindern gedacht waren, dafür aber umso gieriger aufgenommen wurden.

Politische Verweise

Aber auch politische Verweise auf den Subtext von „E.T.“ als Synonym für die Reagan-Ära werden aufgezeigt, ebenso wie überspitze Debatten intellektueller Cineasten in Frankreich, wo spätestens nach dem Wahlsieg der Sozialisten 1981 Catherine Deneuve zum Pin-Up-Girl der Linken wurde, als das Abbild ihrer steinernen Büste als Frankreichs Nationalsymbol „Marianne“ jedes Rathaus im Lande schmückte.

Ein sehr persönlicher Rückblick auf das Erwachsenwerden eines wahrlich kinobegeisterten Comiczeichners. Und ein schöner und unterhaltsamer Streifzug durch eine etwas andere Geschichte des Kinos.


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