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Captain America 3 Civil War – Kritik First Avenger: Machtphilosoph im Stretch-Anzug?!


Berlin. Den Regie-Brüdern Joe und Anthony Russo gelingt der Spagat: „The First Avenger: Civil War“ ist Popcorn-Kino und Machtphilosophie in einem.

Worum geht‘s in „The First Avenger: Civil War“?

Eins der stärksten Bilder des letzten Marvel-Films war die Zerstörung der Stadt Sokovia – die der Ur-Bösewicht in „Marvel’s Avengers: Age of Ultron“ (2015) aus dem Erdmantel hebt und effektvoll wieder runterkrachen lässt. Das Massensterben danach wird in „The First Avenger: Civil War“ zum Anlass für das Sokovia-Abkommen. Um weitere Kollateralschäden zu verhindern, soll die UNO die Avengers und ihre Superkräfte kontrollieren. 117 Länder wollen ratifizieren; die Avengers entzweien sich darüber. (Gleicher Konflikt, schlechtere Film: Wieso fällt „Batman v Superman“ gegen „Civil War“ so ab?)

Marvel‘s Systemkritik: die Philosophie von „Captain America“

Dem 13. Film aus dem Marvel Cinematic Universe gelingt ein Spagat: Er feiert den Schauwert der Super- Schlachten und unterläuft die teuren Tricksequenzen mit macht-philosopischen Grundsatzfragen. Angesichts globaler Konflikte erscheint gerade die militärische Übermacht der Avengers als gefährliches Eskalationsmoment. Unter dem Vorzeichen von Missbrauch und Irrtum führen ihre Superkräfte zu immer neuen Worst-Case-Szenarien. Offener kann amerikanische Selbstkritik im Kino nicht sein. In ihrem letzten Marvel-Film – „The Return of the First Avenger“(2014) – haben die Regie-Brüder Joe und Anthony Russo den NSA-Skandal als Weltuntergangsfantansie weitergedacht – und die USA der Gegenwart mit den Idealen des Kriegs gegen Hitler konfrontiert . Jetzt wird Captain America zum Verbrecher, weil er sich der Weltgemeinschaft nicht unterordnet. Dass auch er gute Argumente an die Hand bekommt, ist keine Rechtfertigung des militärischen Alleingangs, sondern dem Sinn der Russos fürs politische Dilemma geschuldet. (Wie hoch war Ihre Gage, Herr Bettany? Marvel‘s Vision im Interview)

Marvel als Spektakel: Spider-Man stößt zum First Avenger

Marvel-Blockbuster würden nicht zu den umsatzstärksten Filmen aller Zeiten gehören, wenn sie es beim Debattieren beließen. Auch „The First Avenger: Civil War“ liefert den Fans Sensationen in Serie. Das Großereignis ist die Aufnahme von Spider-Man in den Kreis der Avengers; Peter Parker wird sehr witzig als verquasselter Fanboy eingeführt. Marvel-Helden wie Scarlet Witch, Ant-Man, Vision werden weiterentwickelt. Winter Soldier kriegt sogar einen ambivalenten Charakter und den intelligentesten Satz des Films. Auf den Hinweis, dass der Ex-Killer nur wegen einer Gehirnwäsche gemordet hat, sagt er: „Ich weiß – aber ich habe es getan.“ Die Punchline als Verantwortungsessay: Großartig.

Aus deutscher Sicht wichtig: Daniel Brühl erreicht als Marvel-Schurke Zemo ein neues Karrierelevel; und Anthony Russo bedankt sich für die hilfreiche deutsche Filmförderung – vor der Berliner Presse mit warmen Worten, im Film mit Luftaufnahmen der Siegessäule und einem Bruderkampf auf dem Airport Leipzig. Der BER ist ja auch ohne Superhelden schon Ruine. (Marvel-Wissen: Was passiert in „Avengers 2: Infinity War“?)

„The First Avenger: Civil War“. USA 2016. R: Anthony und Joe Russo, D: Chris Evans, Robert Downey jr., Paul Bettany, Daniel Brühl. 147 Minuten, ab 12 Jahren.


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